05.12.2006 · Die bisherigen strategischen Geschäftsfelder der Deutschen Telekom Festnetz (T-Com), Mobilfunk (T-Mobile) und die Geschäftskundensparte (T-Systems) werden aufgelöst. Gleichzeitig beschloß der Aufsichtsrat Personalwechsel im Vorstand.
Die Deutsche Telekom AG wird ihre Konzernstruktur völlig umbauen. Die bisherigen strategischen Geschäftsfelder Breitband/Festnetz (T-Com), Mobilfunk (T-Mobile) und die Geschäftskundensparte (T-Systems) werden aufgelöst. An ihre Stelle tritt im kommenden Jahr eine neue dreigliedrige Organisation aus Privatkunden, Geschäftskunden und Netzbetrieb.
Der Aufsichtsrat des Telekommunikationskonzerns hat am Dienstag ein fünfköpfiges Gremium interner und externer Fachleute eingesetzt, das den Konzernumbau und eine strategische Neuausrichtung vorbereiten soll. Ergebnisse sollen in etwa sechs Monaten vorliegen. Die Zusammensetzung des Gremiums läßt darauf schließen, daß sein Mandat auch die Planungen für die weitere Personalanpassung umfaßt. An diesem Mittwoch will der neue Telekom-Vorstandsvorsitzende René Obermann bei einer Pressekonferenz über die Einzelheiten der Aufsichtsratsbeschlüsse berichten.
Sanierer von McKinsey
Dem Planungsgremium gehört als einer der externen Sachverständigen Jürgen Kluge an, der bis zum Jahresende noch Deutschland-Chef von McKinsey ist. Er gilt als erfolgreicher Sanierer. Vermutet wird, daß Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel, der seine Karriere selbst bei McKinsey gestartet hatte, Kluge in den Beraterstab geholt hat. Auch im Vorstand der Deutschen Post AG hat sich Zumwinkel mit mehreren ehemaligen McKinsey-Managern umgeben.
Offensichtlich ist, daß die neue Führungsstruktur und Aufgabenverteilung im Vorstand schon die Eckpunkte der geplanten Reorganisation widerspiegeln. Die strategischen Geschäftsfelder bleiben vorerst bestehen; ihre Vorstände werden jedoch schon mit zusätzlichen Querschnittsaufgaben betraut, welche die neue Struktur weitgehend vorwegnehmen. Die neue Aufgabenverteilung mit den ressortübergreifenden Klammerfunktionen soll in der Übergangszeit eine engere Verzahnung der Sparten sicherstellen. "Für den nächsten Schritt muß Obermann im kommenden Jahr nur noch den Schalter umlegen", hieß es aus dem Aufsichtsrat.
Erstes Ziel: Besserer Service
Neuer Chef von T-Com wird erwartungsgemäß Timotheus Höttges. Der bisherige Vertriebsvorstand der T-Mobile löst den glücklosen Walter Raizner ab, der erst vor zwei Jahren zur Telekom gekommen war. Höttges übernimmt neben dem Spartenvorstand die Verantwortung für das gesamte Service- und Vertriebsgeschäft in Deutschland, vom Breitbandanschluß der T-Com bis zum Handy von T-Mobile. Für Obermann als Chef von T-Mobile wird Hamid Akhavan nachrücken. Der aus dem Iran stammende T-Mobile-Manager mit amerikanischem Paß ist der erste Ausländer im Vorstand der Deutschen Telekom. Zu seinem Aufgabenbereich gehört, wiederum konzernübergreifend, die Produktentwicklung und Innovation im Privatkundengeschäft. Auf Höttges und Akhavan kommt die schwierige Aufgabe zu, das bröckelnde Festnetzgeschäft in Deutschland möglichst schnell zu stabilisieren. Ganz oben auf ihrer Agenda werde die Verbesserung der Servicequalität stehen, hieß es.
T-Systems wird weiterhin von Lothar Pauly geleitet. Im einzelnen gehören zu seinem Ressort die Führung des Geschäftskundenbereichs, die Netzstrategie, die Informationstechnik und die Einkaufsverantwortung für den gesamten Bereich der Infrastruktur. Über den seit geraumer Zeit diskutierten Verkauf von Teilen der T-Systems ist im Aufsichtsrat nicht gesprochen worden. Aus dem Konzern hieß es jedoch, daß die Fokussierung auf das Kerngeschäft beschleunigt vorangetrieben werde. In der Informationstechnik bereitet T-Systems zudem eine Zusammenlegung der deutschen Niederlassungen vor.
Eick bleibt Finanzvorstand
Für die Finanzen der Telekom bleibt weiterhin Karl-Gerhard Eick verantwortlich. Ihm waren Wechselabsichten nachgesagt worden, weil er sich angeblich selbst Hoffnungen auf den Vorstandsvorsitz gemacht hatte. Eick übernimmt zusätzlich die Revision und Querschnittsaufgaben in der Konzernzentrale. Außerdem wird er Obermann als Konzernchef vertreten.
Offen war am Abend noch die Nachfolge von Personalvorstand Heinz Klinkhammer, der den Konzern auf eigenen Wunsch zum Jahreswechsel verlassen wird. Die von der Gewerkschaft favorisierte Regine Büttner erwies sich als nicht konsensfähig. Der Posten des Arbeitsdirektors werde nun kommissarisch von Finanzvorstand Eick mitbetreut, hieß es am Abend. Büttner habe ihre Kandidatur zurückgezogen. Sie war auf heftigen Widerstand des Betriebsrates, aber auch der Kapitaleigner gestoßen. Büttner war zwei Jahre lang Arbeitsdirektorin bei T-Systems und zuletzt für die internationale Personalentwicklung des Konzerns zuständig.
Personalabbau geht weiter
Vor allem der mit 4,5 Prozent bei der Telekom eingestiegene Finanzinvestor Blackstone dringt auf eine beschleunigte Senkung der im Branchenvergleich immer noch sehr hohen Arbeitskosten. Zusätzlich zu dem schon laufenden Programm zur Freisetzung von 32.000 Beschäftigten sollen im Januar die Verhandlungen mit Verdi über eine Neuorganisation des Service und der Call Center beginnen. Die Telekom will insgesamt 45 000 Mitarbeiter in neue Untereinheiten auslagern und deren Einkommen und Arbeitszeiten "marktüblichen" Bedingungen annähern. Die Fachgewerkschaft DPVKOM forderte Obermann am Dienstag auf, den Arbeitsplatzabbau zu stoppen. "Wer die Hände frei haben will für den Wettbewerb, muß die Finger von den Telekom-Beschäftigten lassen", so die Gewerkschaft.
Obermann hat jedoch keinen Zweifel daran gelassen, daß der von seinem Vorgänger Kai-Uwe Ricke eingeschlagene Kurs in der Personalpolitik fortgeführt werden muß. Das zeigt sich an der Besetzung des Strategiegremiums, dem auch Dieter Welslau, der Vorstandsbeauftragte für Personalumbau und Beschäftigungssicherung, angehört. An den Empfehlungen mitarbeiten soll ferner Georg Poelz, Chef von T-Mobile in Österreich, der das konzernweite Sparprogramm "Save for Service" verantwortet.
Vorstandswechsel Telekom
Heinz-Werner Raderschatt (HEWERA)
- 06.12.2006, 21:06 Uhr
Deutsche Telekom...
Christian Hufnagl (chufnagl)
- 07.12.2006, 12:39 Uhr
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