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Telekommunikation Der Wettlauf der Mobilfunk-Konzerne

01.11.2005 ·  Der Einstieg der spanischen Telefonica im deutschen und britischen Mobilfunkmarkt markiert einen Meilenstein auf dem Weg der Konsolidierung des europäischen Telekommunikationsmarktes. Er schmälert auch die Wachstumschancen der Deutschen Telekom.

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Der Einstieg der spanischen Telefonica im deutschen und britischen Mobilfunkmarkt markiert einen Meilenstein auf dem Weg der Konsolidierung des europäischen Telekommunikationsmarktes. Gleichzeitig durchkreuzt diese Übernahme die Expansionsabsichten anderer Unternehmen in dieser inzwischen gereiften Industrie, in der Übernahmen für die meisten Anbieter inzwischen zwingend sind, um weiter zu wachsen.

Erst kürzlich kaufte sich die deutsche T-Mobile mit Telering in Österreich ein. Ähnlich ging France Telecom mit dem Erwerb von Spaniens Amena oder KPN in den Niederlanden mit dem Wettbewerber Telford vor. Die Übernahme von O2 besitzt aber nicht nur angesichts des hohen Kaufpreises, sondern auch strategisch eine andere Qualität als die genannten Beispiele.

Schnell wachsende O2 heiß begehrt

Mit dem Kauf von O2 besetzt die Telefonica aus dem Stand zwei der wichtigsten europäischen Mobilfunkmärkte mit eigenen Tochtergesellschaften. Sie sichert sich damit eine der letzten Chancen zur größeren Expansion durch Übernahme im europäischen Markt. Gleichzeitig schafft sie sich die mittelfristige Option, die Präsenz in diesen Märkten durch kleinere Zukäufe weiter auszubauen.

O2 war in der Branche heiß begehrt, weil das Unternehmen schneller wächst als die Wettbewerber und zudem noch über einen attraktiven Kundenstamm verfügt. Der Anteil der weniger attraktiven Kunden, die auf der Basis einer Guthabenkarte (Prepaid) telefonieren, ist bei O2 beispielsweise deutlich niedriger als bei der Konkurrenz. Zudem schwingt sich die Telefonica in Deutschland zum Vollanbieter auf, da das Unternehmen hier schon über ein durchaus nennenswertes Festnetzangebot verfügt. So könnten über die Marke O2 in Zukunft nicht nur Mobilfunkanschlüsse, sondern auch Festnetzprodukte wie zum Beispiel DSL-Anschlüsse verkauft werden.

Deutsche Telekom unter Druck

Vor allem die Deutsche Telekom wird durch diesen Schritt im europäischen Kontext und auch auf dem Heimatmarkt unter Druck gesetzt. Die Aktie des Unternehmens notierte am Montag im Handelsverlauf entsprechend mit einem Minus von mehr als einem Prozent und war zeitweise Tagesverlierer im Deutschen Aktienindex.

Die Telekom war vor einigen Wochen gemeinsam mit der niederländischen KPN mit dem Versuch gescheitert, O2 selber zu übernehmen. Dieser Schritt - damals war über einen Kaufpreis von etwas mehr als 20 Milliarden Euro spekuliert worden - hätte beiden Unternehmen große Vorteile gebracht. Die Telekom hätte ihre Position auf dem britischen Markt festigen können, auf dem schon rund 16 Millionen Kunden im Netz der T-Mobile UK telefonieren. Ein Teil der Kaufsumme wäre durch die Weitergabe der deutschen O2 an die KPN aus den Niederlanden sofort refinanziert worden. Das Engagement wäre also aus finanzieller Sicht überschaubar geblieben. Daher hielten es Analysten am Montag auch nicht für ausgeschlossen, daß sich die Deutsche Telekom noch zu einem Gegenangebot für O2 entschließen könnte.

Attraktive Übernahmekandidaten werden rar

Die KPN hätte nach einer gemeinsamen O2-Übernahme mit der Deutschen Telekom in Deutschland ihre Tochtergesellschaft E-Plus mit der hiesigen O2 verschmelzen können und so einen dritten großen Mobilfunkanbieter auf dem deutschen Markt geformt. Ein Schritt, den viele Branchenbeobachter für längst überfällig halten, um den Marktführern T-Mobile und Vodafone besser Paroli bieten zu können. Nachdem O2 jetzt aber vom Markt ist, wird das Angebot an attraktiven Übernahmekandidaten in Europa sehr dünn. Die meisten großen Mobilfunkanbieter befinden sich in der Hand der Konglomerate Vodafone, T-Mobile und Orange, einer Tochtergesellschaft der France Telecom. Sie stehen daher nicht zum Verkauf. Vodafone hat zudem bei einigen Unternehmen wie Swisscom Mobile in der Schweiz oder SFR in Frankreich Minderheitsbeteiligungen und ein Vorkaufsrecht, sollte der Partner aus dem Unternehmen aussteigen wollen.

Allerdings bleibt mit der KPN ein kleineres Unternehmen übrig, das durchaus das Interesse anderer Anbieter wecken könnte. So soll sich die Telefonica vor einigen Wochen schon einmal für die KPN interessiert haben. Dieses Interesse könnte nach Ansicht von Branchenkennern zumindest mittelfristig auch nach dem Kauf von O2 noch stärker werden. So könnte die Telefonica dann - mit O2 und E-Plus - zum Konsolidierer auf dem deutschen Mobilfunkmarkt werden, hätte ihre europäische Position mit den Niederlanden um ein weiteres Land verstärkt und auch nach einem solchen Schritt kaum Probleme regulatorischer oder kartellrechtlicher Art zu fürchten, da sie durch den Kauf auf den jeweiligen Märkten als Neueinsteiger keine marktbeherrschende Stellung erreichen würde.

Mittelfristig: erste Fusion unter ehemaligen Monopolisten?

Für die anderen Unternehmen hingegen ist die KPN nur von mäßigem Interesse. Die Deutsche Telekom könnte das gewichtigste Teilstück - die E-Plus in Deutschland - nur weiterverkaufen, da dem Marktführer hier eine Übernahme im Mobilfunk wahrscheinlich nicht gestattet würde. Für Vodafone gilt dieses Argument in ähnlicher Weise. So bleiben im europäischen Mobilfunk zunächst nur noch kleinere Bröckchen, die es zu verteilen gilt. Mittelfristig allerdings - so spekulieren die Marktbeobachter - wird es dann zur ersten Fusion unter den ehemaligen Monopolisten kommen. Die Voraussetzungen dafür verbessern sich durch das Abschmelzen der jeweiligen Staatsbeteiligung an den Unternehmen zunehmend. Dann aber ist es mit 26 Milliarden Euro wie für die Übernahmen von O2 nicht mehr getan.

Quelle: jcw., F.A.Z., 01.11.2005, Nr. 254 / Seite 13
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