18.10.2004 · "Es ist nicht die Frage, ob die Internet-Telefonie kommt, sondern nur noch, wie schnell", sagt Telekom-Regulierer Kurth. Seine Behörde könnte das Entwicklungstempo erhöhen, handelt aber sehr träge.
"Es ist nicht die Frage, ob die Internet-Telefonie kommt, sondern nur noch, wie schnell dieser Prozeß voranschreiten wird." Davon zeigt sich Matthias Kurth, der Präsident der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post, überzeugt.
Mit der Bereitstellung einer eigenen Rufnummerngruppe für solche Telefonate will der Regulierer diese Entwicklung nun beschleunigen. Nach Angaben von Kurth sollen diese mit den Ziffern 032 beginnenden Nummern Anfang 2005 zur Verfügung stehen und an interessierte Anbieter von Internet-Telefonie vergeben werden. Allerdings sollen nach Angaben von Kurth auch normale Ortsnetz-Rufnummern für Telefonanschlüsse im Internet nutzbar sein.
Kurth skizzierte am Montag während einer Forumsveranstaltung der Regulierungsbehörde die Rahmenbedingungen, die in Deutschland für Internet-Telefonie - die auch als Voice over IP (VoIP) bezeichnet wird - geschaffen werden sollen. Neben der Frage der Rufnummernvergabe gehören die Bereitstellung von Notrufnummern bei Anbietern von VoIP und die Trennung des Breitbandschlusses (DSL) von dem normalen Telefonanschluß zu den bisher ungeklärten Fragen.
Verzögerungstaktik zugunsten der Telekom
Einige der schon jetzt in Deutschland aktiven Anbieter von VoIP werfen Kurth angesichts seiner Vorhaben eine Verzögerungstaktik vor, die der Marktentwicklung schade und vor allem der Deutschen Telekom nütze. Dies ist nach Ansicht von Achim Berg, dem Bereichsvorstand Marketing und Vertrieb der Festnetzsäule (T-Com) der Deutschen Telekom keineswegs der Fall. Im Gegenteil: "Wir brauchen hier eher weniger als mehr Regulierung, da dem Wettbewerb von der Telekom schon jetzt genug Vorleistungs-Produkte angeboten werden, um VoIP anbieten zu können", sagte Berg in Bonn. "Voice over IP braucht keine besondere Starthilfe vom Bund oder der Regulierungsbehörde", wehrt Berg die Forderung der Wettbewerber ab.
Auf der Basis von VoIP können normale Telefongespräche über einen Breitbandanschluß (DSL) geführt werden. Dabei wird die Sprache in Datenpakete zerlegt, über die Netzinfrastruktur des Internets übertragen und am Ende der Leitung wieder als Sprache ausgegeben. Der Nutzer bemerkt keinen Unterschied zu der bisherigen Technik. Es sind Telefonate sowohl zwischen Breitbandanschlüssen als auch Gespräche in das und von dem normalen Telefonnetz möglich, und es ist kein Computer zur Nutzung dieser Technik notwendig.
Dabei ist VoIP nicht - wie häufig angenommen - kostenlos. Allerdings können für diese Dienste andere Tarifmodelle entwickelt werden als die bisher übliche Abrechnung auf Minutenbasis. Anbieter von VoIP können ihre Sprachdienste auch den Kunden anbieten, die ihren DSL-Anschluß bei der Telekom gemietet haben.
„Nacktes DSL“ wird für Schwung sorgen
Die Sprachübertragung mit VoIP ist für den Netzbetreiber deutlich preiswerter als die herkömmliche Technik, bei der für jedes Telefonat eine direkte Leitung zwischen den beiden Teilnehmern aufgebaut wird und die daher als leitungsvermittelte Telefonie bezeichnet wird. Durch die Weiterleitung der Sprache im allgemeinen Datenstrom des Internet und die konvergente Nutzung eines einzigen Netzes können die Übertragungskosten nach Ansicht der Unternehmensberatung Mercer vor allem in Unternehmen um rund 30 Prozent gesenkt werden. Entsprechend arbeiten auch große Netzbetreiber wie die Deutsche Telekom an der schrittweisen Umstellung ihres Netzes auf das Internet-Protokoll. Allerdings will die Telekom damit erst um das Jahr 2012 fertig sein und bis dahin noch die normalen Sprachangebote auf der Basis ihres herkömmlichen Telefonnetzes vermarkten.
Die Wettbewerber - darunter Freenet und United Internet - hingegen wollen schon jetzt mit der Nutzung von VoIP beginnen und haben seit einigen Monaten schon Angebote auf dem Markt. Sie fordern von der Regulierungsbehörde vor allem, die Deutsche Telekom zu verpflichten, einen DSL-Zugang zum Kunden auch ohne Telefonanschluß als Vorleistung bereitzustellen. Dieser als "Bitstream Access" oder "nacktes DSL" bezeichnete Zugang wird von der Telekom bisher nicht angeboten. Über einen solchen Zugang könnten dann VoIP-Sprachdienste angeboten werden, ohne daß der Kunde einen Grundpreis für den herkömmlichen Telekom-Telefonanschluß zahlen muß.
Kurth bremst die Erwartungen
Dieser Forderung der Wettbewerber schob Kurth allerdings in Bonn zunächst einen zweifachen Riegel vor. Auf der einen Seite sagte er, es müsse zunächst geprüft werden, ob eine solche Entbündelung von Anschluß und Breitbandzugang überhaupt "angezeigt sei". Ein entsprechendes Prüfungsverfahren werde jetzt eingeleitet. Branchenbeobachter gehen aber davon aus, daß bis zum Abschluß des Verfahrens mindestens zwölf Monate vergehen werden.
Darüber hinaus wies Kurth darauf hin, daß der Preis für einen solchen "Stand-Alone-Breitbandanschluß" in Teilen auch die Kosten für die Infrastruktur bis in den Haushalt enthalten müsse, die bisher durch den Preis für den Telefonanschluß abgedeckt seien. "Es ist eine Fehleinschätzung, daß die Kosten für den Telefonanschluß bei einer Entbündelung vollständig wegfallen", betonte Kurth.
"Wir verspielen hier durch diese Verzögerung Chancen für die Zukunft, da diese Rahmenbedingungen einen deutlichen Zeitverlust für die Einführung von VoIP bedeuten", kritisierte hingegen Eckard Spoerr, Vorstandsvorsitzender der Freenet AG. "Wir dürfen nicht alle Auslaufmodelle - wie die Bündelung von Telefonanschluß und DSL - aufrechterhalten, um bestehende Strukturen zu schützen".
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,95 | −1,16% |
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| EUR/USD | 1,2449 | −0,31% |
| Rohöl Brent Crude | 105,75 $ | −1,03% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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