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Telekommunikation AT&T greift nach Bell South

 ·  Die rasante Konsolidierungsbewegung in der amerikanischen Telekommunikationsbranche erreicht einen neuen Höhepunkt. Der Konzern AT&T will seinen Wettbewerber Bell South für rund 67 Milliarden Dollar übernehmen.

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In Amerika steht die bislang größte Übernahme in diesem Jahr bevor: Der Telekommunikationskonzern AT&T will seinen Wettbewerber Bell South kaufen und dafür rund 67 Milliarden Dollar ausgeben. Das meldeten die Zeitungen „Wall Street Journal“ und „New York Times“ am Wochenende. Der Zusammenschluß soll am heutigen Montag offiziell angekündigt werden.

Mit der Übernahme würde ein neuer Höhepunkt in der rasanten Konsolidierungsbewegung in der amerikanischen Telekommunikationsbranche erreicht. AT&T ist in seiner heutigen Form selbst erst im vergangenen November entstanden: Der texanische Konzern SBC Communications hat damals den Kauf der Traditionsgesellschaft AT&T abgeschlossen und deren Namen angenommen. Die Akquisition von AT&T war ein historischer Einschnitt; das vor mehr als 130 Jahren gegründete Unternehmen war einmal die klar dominierende Adresse in der amerikanischen Telekommunikationsindustrie. Zu Jahresbeginn wurde der Zusammenschluß der beiden Wettbewerber Verizon und MCI (früher Worldcom) wirksam.

Wenn AT&T nun Bell South übernimmt, würde das Unternehmen zum klaren Marktführer in den Vereinigten Staaten und käme auf einen Jahresumsatz von rund 125 Milliarden Dollar sowie eine Marktkapitalisierung von mehr als 150 Milliarden Dollar. Verizon hat zusammen mit MCI einen Jahresumsatz von rund 90 Milliarden Dollar und hatte zuletzt einen Börsenwert von 93 Milliarden Dollar. Mit der Übernahme von Bell South erhielte AT&T die vollständige Kontrolle über den größten amerikanischen Mobilfunkbetreiber Cingular Wireless, der bislang ein Gemeinschaftsunternehmen zwischen den beiden Gesellschaften ist.

Kartellrechtliche Bedenken?

Der nun geplante Zusammenschluß wäre ein weiterer Schritt, die im Jahr 1984 von den amerikanischen Kartellbehörden verordnete Zerschlagung des damaligen Marktführers AT&T rückgängig zu machen. Als Abspaltung von AT&T entstanden zu diesem Zeitpunkt sieben sogenannte „Baby Bells“, die sich auf Ortsgespräche spezialisiert haben. „Ma Bell“ AT&T behielt das Geschäft mit Ferngesprächen.

Im Laufe der Jahre konsolidierten sich die regionalen Telefongesellschaften untereinander, und dabei ist vor allem SBC als Käufer aufgetreten. Dagegen verlor AT&T wegen eines schrumpfenden Geschäfts mit Ferngesprächen und fehlgeschlagenen Akquisitionen immer mehr an Bedeutung und wurde schließlich im vergangenen Jahr an die ehemalige Tochtergesellschaft verkauft. Wenn Bell South nun verkauft würde, blieben vorerst noch drei der ehemaligen „Baby Bells“ übrig. Neben Verizon und SBC gäbe es dann noch den kleineren Wettbewerber Qwest, der allerdings ebenfalls zum Übernahmekandidaten werden könnte.

Fraglich ist nun, ob der geplante neue Zusammenschluß auf größere kartellrechtliche Bedenken stößt. Die Telekommunikationsbehörde FCC und das amerikanische Justizministerium haben die jüngsten Übernahmen in der Branche trotz langwieriger Prüfung ohne größere Auflagen genehmigt. Eine Transaktion in der Dimension von Bell South stellt aber wohl eine viel größere kartellrechtliche Hürde dar.

Quelle: lid., F.A.Z., 06.03.2006, Nr. 55 / Seite 13
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