25.04.2006 · Die Börse feiert den erstmaligen Einstieg einer angelsächsischen Beteiligungsgesellschaft in ein großes Dax-Unternehmen. Aus gutem Grund will Franz Müntefering nicht mehr an seine Kapitalismuskritik erinnert werden. Schließlich macht der Bund mit den gegeißelten Heuschrecken gute Geschäfte. FAZ.NET-Spezial.
Von Holger SteltznerDie Börse feiert den erstmaligen Einstieg einer angelsächsischen Beteiligungsgesellschaft in ein großes Unternehmen aus dem Deutschen Aktienindex Dax. Der Aktienkurs der Deutschen Telekom springt in die Höhe, das Management heißt den Großaktionär willkommen. Auch der Verkäufer lobt den Partner - und sich selbst. Für den Finanzminister Peer Steinbrück ist das ein guter Tag. Der zuständige Minister erhebt als beherrschender Eigentümer der Telekom den Einstieg des Private-Equity-Investors Blackstone zu einem Vertrauenssignal. Das ist bitter nötig, weil die Anleger kein Zutrauen in den Exmonopolisten haben, weswegen der Börsenpreis unter dem Ausgabekurs der ersten Privatisierungstranche dahindümpelte.
Bis auf die ungezählten Telekom-Kleinaktionäre, die seit Jahren ihren Einstandspreis schamhaft verschweigen, sind fast alle glücklich - und einer schweigt: Franz Müntefering, der noch vor einem Jahr in seiner damaligen Funktion als SPD-Vorsitzender die Macht des internationalen Kapitals beklagte und solche Investoren mit Heuschreckenschwärmen verglich, die über Unternehmen herfielen, sie abgrasten und weiterzögen. Als „Beleg“ gab die SPD-Fraktion seinerzeit ein Papier mit kruden Zitaten unter der Überschrift „Marktradikalismus statt sozialer Marktwirtschaft - Wie Private-Equity-Gesellschaften Unternehmen verwerten“ in Umlauf. Aus gutem Grund will Müntefering daran nicht mehr erinnert werden. Schließlich machte der Bund damals wie heute mit den gegeißelten Heuschrecken gute Geschäfte.
Gesamtwirtschaftlich treiben Beteiligungsgesellschaften auch in Deutschland den Strukturwandel voran. Von den Banken übernehmen sie notleidende Immobilienkredite, vom Staat kostenträchtige Wohnungsbestände, von Großunternehmen abgetrennte Konzernteile. Weil inzwischen sogar Versicherungsgesellschaften und Pensionswerke in Private-Equity investieren, entpuppt sich sogar mancher Kapitalismuskritiker als sparender Partei- oder Gewerkschaftsfunktionär als Heuschrecke.
Eine ganz andere Frage ist, warum Blackstone 2,7 Milliarden Euro für eine 4,5-Prozent-Beteiligung an der Telekom ausgibt, die nicht aufgestockt und mindestens zwei Jahre gehalten werden soll. Normalerweise streben Beteiligungsgesellschaften nach der Mehrheit oder wollen zumindest dominanten Einfluß und geben sich nicht mit einem Aufsichtsratsmandat zufrieden. Denn nur dann können sie die Sanierung oder die Konzentration auf das Kerngeschäft vorantreiben. Die Telekom lockt schon länger mit unterbewerteten Aktien, hohen Dividendenrenditen und einem attraktiven Cash-flow. Doch nun wollte dem Vernehmen nach mindestens noch eine andere Gruppe von Finanzinvestoren vom Bund ein noch größeres Aktienpaket kaufen. Wozu wohl? Die Zeit scheint reif für eine Neubewertung.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.380,90 | −0,95% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2447 | −0,33% |
| Rohöl Brent Crude | 105,95 $ | −0,84% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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