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Telekom Ron Sommer plant seine Rückkehr

01.11.2006 ·  Ron Sommer arbeitet offenbar intensiv an der Rückkehr zur Telekom. Hintergrund dieser Vermutung ist die Absicht der russischen Sistema, einen Anteil von 20 Prozent an der Telekom zu erwerben.

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Ron Sommer, der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom, arbeitet offenbar intensiv an seiner Rückkehr in den Konzern. Hintergrund dieser Vermutung aus unternehmensnahen Kreisen ist die Absicht der russischen Sistema, einen Anteil von 20 Prozent an der Deutschen Telekom zu erwerben. Sistema wird seit Ende 2003 von Sommer beraten.

Die 20 Prozent der Telekom-Aktien sollen aus einer Kapitalerhöhung geschöpft werden, für die schon ein Vorratsbeschluß der Hauptversammlung vorliegt. Im Gegenzug würde Sistema seine Telekommunikationssparte in die Telekom einbringen. Dazu gehört auch die mit 59 Millionen Kunden größte russischen Mobilfunkgesellschaft MTS. An dieser Gesellschaft war die Telekom bis zum Jahr 2003 schon einmal mit 40 Prozent beteiligt, war dann aber sukzessive Mitte 2005 ausgestiegen, als sich abzeichnete, daß der Erwerb einer Mehrheit kaum in Aussicht stand.

Ein Einstieg als Quasi-Übernahme?

Erste Gespräche über einen Einstieg der Sistema hat die russische Seite offenbar schon mit dem Bund als Telekom-Großaktionär geführt. Dieser allerdings hat offenbar im Moment kein Interesse, die Macht über die Telekom in russische Hände zu geben, da der Einstieg nach Ansicht von Branchenbeobachtern einer Quasi-Übernahme gleichkäme.

So verfolgt die Sistema, an der der russische Oligarch Wladimir Jewtuschenkow rund zwei Drittel der Anteile hält, mit dem Einstieg den Angaben zufolge das Ziel, schon kurzfristig eine Sperrminorität von etwas mehr als 25 Prozent an der Deutschen Telekom zu erwerben und das Unternehmen damit praktisch unter die eigene Kontrolle zu bringen. Hierfür könnte der Anteil von 20 Prozent an der Telekom beliehen werden und mit diesem Geld weitere 5 Prozent der Telekom-Aktien gekauft werden.

Die Befürchtungen drehen sich darum, daß dann der Aufsichtsratsvorsitz der Telekom vom Sistema und damit wahrscheinlich von Ron Sommer übernommen würde. Der Vorstand würde ausgetauscht - so das weitere Szenario - und sowohl die Dividendenpolitik als auch die Verwendung des Mittelzuflusses in neue Bahnen gelenkt.

Eine hochriskante Wette

Dies könnte auch im Interesse des Telekom-Großaktionärs Blackstone liegen, der ebenfalls von Ron Sommer beraten wird. Der Finanzinvestor hatte im April dieses Jahres 4,5 Prozent des Konzerns für 2,7 Milliarden Euro erworben. Gemeinsam brächten Blackstone und Sistema damit schon fast eine Sperrminorität zusammen.

Blackstone ist mit der Übernahme eine hochriskante Wette eingegangen. Der Kaufpreis von 2,7 Milliarden Euro ist zu 85 Prozent fremdfinanziert. In Bankenkreisen ist zu hören, dieses von der Deutschen Bank ausgegebene Kreditpaket sei zudem mit einer Putoption abgesichert. Das heißt, wenn der Kurs zu einem bestimmten Zeitpunkt zu sehr fällt, müssen die Aktien verkauft werden, um den Kredit zurückzuzahlen. Das von Blackstone eingesetzte Eigenkapital wäre dann weg.

Aber auch in anderer Hinsicht war der Einstieg hoch riskant: Vor dem Erwerb hat Blackstone angeblich die Bücher der Telekom nur sehr kurz geprüft und auch keine intensiven Gespräche mit dem Management geführt. Dafür blieb kaum Zeit: Nur vier bis fünf Wochen vergingen angeblich zwischen dem ersten Treffen von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) mit Blackstone-Chef Stephen Schwarzman und dem Anteilskauf.

Verhandlungen seit Herbst 2005

Ursprünglich hatte Steinbrück nach Informationen dieser Zeitung nämlich einen anderen Plan gehabt: Seit Herbst 2005 verhandelte er mit einer Gruppe von Finanzinvestoren, denen er fast 30 Prozent der Telekom-Aktien angeboten hatte. Doch ein derartiger Verkauf hätte mehr als 18 Milliarden Euro in die Kassen der Regierung gespült und damit in der Koalition Begehrlichkeiten geweckt, beispielsweise die geplante Mehrwertsteuererhöhung abzusagen. Zudem wurde nach der Debatte über die „Heuschrecken“ eine negative Presse durch den Verkauf eines derart großen Anteils an einen Finanzinvestor befürchtet.

Nachdem er Schwarzman kennengelernt hatte, entschied sich Steinbrück daher dafür, nur 4,5 Prozent der Anteile abzugeben. Doch bei 4,5 Prozent muß es nicht bleiben. In Kreisen der Beteiligungsbranche wird davon ausgegangen, daß die Bundesregierung in den kommenden Jahren weitere Telekom-Anteils-pakete an Blackstone oder eine Allianz von Finanzinvestoren abgeben wird.

Quelle: F.A.Z. jcw./da, 02.11.2006, Nr. 255 / Seite 13
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