03.05.2007 · Mit Pfiffen, Buhrufen und Gelächter attackierten Mitarbeiter der Telekom ihren Chef René Obermann auf der Hauptversammlung in Köln. Dass er selbst versprach, auf zwei Monatsgehälter zu verzichten, änderte daran wenig. Zum Start der Veranstaltung fiel erst einmal die DSL-Leitung aus.
Begleitet von bundesweiten Warnstreiks hat die mit Spannung erwartete Hauptversammlung der Deutschen Telekom AG am Donnerstag in Köln begonnen. Zu Beginn fiel am Donnerstag in Köln die DSL-Verbindung aus. Zahlreiche Computerarbeitsplätze für die anwesenden Journalisten waren eine knappe Stunde nach Beginn des Aktionärstreffens in der Kölnarena ohne Internetverbindung über DSL. Es handle sich um ein technisches Problem, erklärten die Techniker vor Ort und hatten reichlich Mühe, das System wieder zu Laufen zu bringen. Auf einer früheren Hauptversammlung waren bei der Telekom schon einmal die Telefonleitungen ausgefallen.
Bei dem Aktionärstreffen will die Gewerkschaft Verdi wegen des geplanten massiven Stellenumbaus im Konzern auch am Veranstaltungsort gegen die Vorstandspläne protestieren. Insgesamt hat Verdi bundesweit rund 15.000 Beschäftigte zu Warnstreiks aufgerufen. Telekom-Chef René Obermann bekräftigte vor den Aktionären die Absicht, rund 50.000 Beschäftigte in Service-Gesellschaften auszulagern. Der Konzern müsse reformiert werden, um Erfolg zu haben.
Obermann ausgepfiffen
Obermann rief die Telekom-Mitarbeiter auf, das Angebot des Vorstands nochmals zu prüfen. In den gescheiterten Gesprächen mit Verdi hatte die Unternehmensführung zuletzt angeboten, die Gehälter um neun Prozent zu kürzen und die Wochenarbeitszeit um 4 Stunden auf 38 Stunden zu verlängern. Dafür versprach die Telekom unter anderem eine Verlängerung des Kündigungsverzichtes bis 2011 und 4000 Neueinstellungen. Verdi hatte die Offerte abgelehnt. An diesem Freitag soll die Große Tarifkommission die Urabstimmung über Streiks beschließen. Damit steht die Telekom vor dem größten Arbeitskonflikt seit ihrer Privatisierung.
Vor dem Hintergrund der geplanten Lohnkürzung für mehr als 50.000 Mitarbeiter wollen auch die Vorstände der Deutschen Telekom auf ein Monatsgehalt verzichten. Das Management sei sich bewusst, dass es den Beschäftigten viel abverlange und wolle seine Solidarität ausdrücken, sagte Konzernchef René Obermann am Donnerstag in Köln. „Als Vorstandsvorsitzender will ich meiner besonderen Verantwortung gerecht werden und verzichte auf zwei Monatsgrundgehälter“, sagte er vor tausenden Aktionären. Die Führungskräfte sollen ebenfalls einen Beitrag leisten. Telekom-Chef René Obermann ist dennoch wegen des geplanten massiven Stellenumbaus von Mitarbeitern kräftig ausgepfiffen worden. Während seines gut einstündigen Lageberichts wurde er mehrfach durch Gelächter, Buhrufe und ein gellendes Pfeifkonzert unterbrochen.
Es gab auch Lob
Andere Aktionärsvertreter unterstützten dagegen den von Obermann eingeschlagenen Kurs. Wenn das Unternehmen langfristig Erfolg haben wolle, müsse es auch die Kapitalkosten verdienen, sagte Hans-Richard Schmitz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Obermann habe den jetzt den Stier bei den Hörnern gepackt und solle ihn nicht mehr loslassen. Anderenfalls käme die T-Aktie auf keinen grünen Zweig.
Obermann kündigte an, die Telekom werde bis 2010 jährlich bis zu 4,7 Milliarden Euro einsparen müssen. Dies erfordere eine „noch ausgeprägtere Kultur des Verzichts“. Wachstumsimpulse für den Konzern sieht der Vorstandschef in erster Linie im ausländischen Mobilfunkgeschäft. Allein in den Vereinigten Staaten sollen in den nächsten beiden Jahren fünf Millionen neue Kunden gewonnen werden.
DWS warnt vor Übernahmen im Ausland
Die größte deutsche Fondsgesellschaft DWS hat die Deutsche Telekom AG vor Übernahmen im Ausland gewarnt, solange sich ihre Lage auf dem Heimatmarkt nicht bessert. DWS-Geschäftsführer Klaus Kaldemorgen sagte am Donnerstag auf der Hauptversammlung des Konzerns in Köln, man verfolge mit Sorge, dass trotz der Schwierigkeiten im Inland bei der Telekom immer häufiger über Akquisitionen gesprochen werde. Die DWS reagiere aber als Aktionärin gerade bei Fragen der Kapitalverwendung äußerst sensibel, solange auf dem Inlandsmarkt die Kapitalkosten nicht verdient und Unternehmenswert vernichtet würden.
Die Telekom will erklärtermaßen jenseits der Grenzen im Mobilfunk wachsen und zieht dafür auch Übernahmen in Betracht. Dazu sagte Kaldemorgen, die Ausführungen des Vorstandsvorsitzenden Rene Obermann zu diesem Thema seien „geprägt von Beliebigkeit und Allgemeinplätzen“. In der Vergangenheit habe die Telekom bei ihren Käufen und Verkäufen „keine glückliche Hand“ gehabt. In Deutschland scheine es nicht nur im Festnetz, sondern auch im Mobilfunk Handlungsbedarf zu geben. „Dies ist keine gute Basis für Übernahmen im Ausland“, warnte der Fondsmanager. Erst aus einer starken Position im Heimatmarkt seien Erfolge in anderen Märkten möglich, gab Kaldemorgen zu bedenken.
Obermann unter Beschuss
Michael Schwinn (oldman51)
- 03.05.2007, 16:37 Uhr
Obermann unter Beschuß
Wolfgang G. Runte (Wolluc)
- 03.05.2007, 18:59 Uhr
technologisch uninspiriert
Rolf Haas (scodella)
- 03.05.2007, 21:33 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.380,90 | −0,95% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2447 | −0,33% |
| Rohöl Brent Crude | 105,95 $ | −0,84% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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