08.09.2006 · Den Beschäftigten von T-Systems könnten laut Telekom-Aufsichtsrat Lothar Schröder betriebsbedingte Kündigungen bevorstehen. Die Einsparungsziele der Telekom liegen nach Informationen der F.A.Z. angeblich bei fünf Milliarden Euro.
Das von der Deutschen Telekom geplante Kostensenkungsprogramm könnte im Konzern viele weitere Arbeitsplätze kosten. In der von Lothar Pauly geleiteten Geschäftskundensparte T-Systems stehen möglicherweise sogar Entlassungen bevor. „Pauly verschärft den Kurs gegenüber der Belegschaft. In dieser Sparte werden erkennbar betriebsbedingte Kündigungen vorbereitet“, sagte Telekom-Aufsichtsrat Lothar Schröder der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Schröder sitzt für die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi in diesem Gremium.
Bisher setzt die Telekom auf einen „sozialverträglichen“ Abbau von Arbeitsplätzen. Abfindungen, Vorruhestandsprogramme und andere Angebote sollen bis 2008 rund 32.000 Mitarbeiter zum freiwilligen Ausscheiden bewegen. Im Gegensatz zur ebenfalls stark unter Druck stehenden Festnetzsparte T-Com genießen die meisten der rund 54.000 Mitarbeiter der T-Systems keinen Kündigungsschutz.
Blackstone erwägte Abspaltung von T-Systems
Ein Sprecher von T-Systems wies Schröders Äußerungen zurück. Auch in der Geschäftskundensparte gebe es großzügige Angebote für ein freiwilliges Ausscheiden. Die Frage nach betriebsbedingten Kündigungen stelle sich erst dann, wenn alle anderen Mittel einschließlich einer Verkürzung der Wochenarbeitszeit ausgeschöpft seien. Darüber werde allerdings in den laufenden Tarifverhandlungen „nachgedacht“, sagte er. Schröder warf dem Management vor, in den Verhandlungen bewußt auf einen großen Konflikt zuzusteuern. „Ein Scheitern wird billigend in Kauf genommen“, sagte er.
Wie aus dem Umfeld der Beteiligungsgesellschaft Blackstone, dem neuen Großaktionär der Telekom, zu hören war, hat es dort zwischenzeitlich Überlegungen gegeben, T-Systems vom Konzern abzuspalten. Diese Planspiele sind aber wieder vom Tisch und haben auch bei der jüngsten Aufsichtsratssitzung keine Rolle gespielt.
Einsparungsziel angeblich bei fünf Milliarden Euro
Die Telekom will die Einzelheiten ihres Sparprogramms erst im November vorstellen. Vorstandschef Kai-Uwe Ricke hat bisher in der Öffentlichkeit nur eine konkrete Zahl genannt: ein Einsparvolumen von einer Milliarde Euro bis 2010 durch eine Rationalisierung der Informationstechnik. Angeblich soll er aber im Aufsichtsrat am vorigen Wochenende das Ziel vorgegeben haben, insgesamt fünf Milliarden Euro einzusparen. Dabei stehe bisher nicht fest, wie das Geld zusammenkommen solle. „Wenn der Vorstand mit fünf Milliarden Euro Kostensenkung kalkuliert, von denen die Hälfte noch gar nicht mit konkreten Sparmaßnahmen unterfüttert ist, ist das entweder eine Luftnummer oder der Versuch, einen neuen Angriff auf die Beschäftigung zu starten“, sagte Schröder.
Die Mitarbeiter müßten zwangsläufig den Eindruck gewinnen, daß das Unternehmen zu ihren Lasten auf Vordermann gebracht werden solle. Schon durch die geplanten Änderungen in der Gehaltseinstufung müßten mindestens zehntausend Beschäftigte eine Herabstufung befürchten. „Ricke kann nicht damit rechnen, daß seine Strategie die Unterstützung der Belegschaft findet. Dort könnte ein Sturm losbrechen, sobald Ricke im Dezember konkret werden muß“, warnte Schröder.
Spekulationen über Einstellung der VDSL-Investitionen
Ricke hatte zwar zuvor versichert, daß über das laufende Programm hinaus bis 2008 keine Arbeitsplätze gestrichen würden. Die Sparmaßnahmen sind allerdings bis 2010 angelegt. Zudem endet 2008 auch in der T-Com der Kündigungsschutz. Erhebliche Personal- und Kosteneinsparungen läßt die Umstellung der Netze auf die Technik des Internetprotokolls erwarten. „Man kann sich nicht gegen eine neue Technikgeneration stemmen. Aber das Unternehmen steht in der Pflicht, Ersatzbeschäftigung zu schaffen“, sagte Schröder.
Dafür gebe es großen Bedarf sowohl in Service und Vertrieb als auch bei der Umsetzung von Innovationen. Schröder warf dem Vorstand vor, sich zu sehr auf Kostensenkung zu konzentrieren und darüber Marketing und Vertrieb aus den Augen zu verlieren. „Aber wenn den Leuten die Entwicklungschancen im Unternehmen genommen werden, geht niemand mit leuchtenden Augen auf die Kunden zu.“
Rickes Sparprogramm nährt Spekulationen über eine Einstellung der Investitionen in das Glasfasernetz (VDSL) für schnelle Breitbandverbindungen. Dann stünden weitere 5000 Arbeitsplätze auf dem Spiel. Diese Gefahr sei jedoch gering, heißt es im Umfeld des Konzerns.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.380,90 | −0,95% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2447 | −0,33% |
| Rohöl Brent Crude | 105,95 $ | −0,84% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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