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Technologie : Digitale Fotos suchen Drucker

Bild: F.A.Z.

Trotz des Nachfrageschubs leiden die Druckerhersteller unter einem harten Preiskampf. Um sich gegen die Konkurrenz durchzusetzten, kommt es jedoch nicht so sehr auf die Technologie an - vielmehr zählt der Markt für Tinte.

          Der Siegeszug der Digitalkamera bringt die traditionelle Fotoindustrie ins Wanken und beglückt die Hersteller von Computerdruckern. Für den Niedergang der einen Branche ist der Insolvenzantrag des traditionsreichen Filmherstellers Agfa in Deutschland das jüngste Beispiel.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Hersteller von Computerdruckern wie der Marktführer Hewlett-Packard (HP) sowie seine Wettbewerber Epson, Lexmark oder auch Brother profitieren unterdessen davon, daß zahlreiche der digital geschossenen Fotos zu Hause ausgedruckt und eben nicht mehr im Labor entwickelt werden. Denn vor allem der Verkauf der hierzu notwendigen Verbrauchsmaterialien ist sehr lukrativ und hat gerade HP mit seiner breiten Produktpalette schon häufiger dabei geholfen, manche Delle in anderen Geschäftsfeldern auszugleichen.

          Preis als Entscheidungskriterium

          Trotz des grundsätzlichen Wachstumsimpulses durch den Fotodruck, der dadurch gespeist wird, daß inzwischen 36 Prozent der Deutschen eine Digitalkamera besitzen und 56 Prozent einen Fotodrucker (siehe Graphik), kämpfen die auf dem Druckermarkt tätigen Anbieter aber auch mit Schwierigkeiten. So versucht der marktführende Anbieter von Personalcomputern (PC), das texanische Unternehmen Dell, sich auch mit dem Verkauf von Druckern zu etablieren. Doch nicht nur deshalb tobt bei den Endgeräten ein harter Preiskampf. Denn die technologischen Unterschiede sind oft nur minimal.

          „Vor wenigen Jahren haben beispielsweise bei Laserdruckern die Druckgeschwindigkeit und die Auflösung über den Verkaufserfolg entschieden. Heute werden die technologischen Unterschiede bei so ausgereiften Produkten aber immer geringer. Also muß der Preis immer mehr als Entscheidungskriterium herhalten - und der kennt leider nur eine Richtung: nach unten“, beschreibt Lothar Harbich, der Geschäftsführer der deutschen Brother-Tochtergesellschaft in Bad Vilbel bei Frankfurt, die Situation.

          Unterschiedliche Produktpolitik

          Nur dort, wo man Alleinstellungsmerkmale habe, könne man heute noch Preise erhöhen oder halten. Das sei zum Beispiel das Angebot von zusätzlichem Service wie einer Garantie von drei Jahren, die Brother als erster deutscher Hersteller eingeführt habe. „Andererseits kann in unserem Markt der beste Service keine veraltete Technologie ersetzen“, räumt Harbich ein. Das Ziel der Technologieführerschaft bleibe daher trotz allem sehr wichtig.

          Die Druckerhersteller versuchen zudem, den Marktentwicklungen mit einer unterschiedlichen Produktpolitik zu begegnen. Manche, zum Beispiel Epson und HP, verkaufen inzwischen auch reine Fotodrucker (die im vergangenen Jahr erst 3 Prozent der Deutschen besessen haben), andere, wie zum Beispiel Brother, vermarkten den Fotodruck als Zusatznutzen ihrer Multifunktionsgeräte, die auch Telefaxe versenden oder Kopien anfertigen können. Denn besonders auf diesem Markt erwartet Brother das mit Abstand größte Wachstum.

          Nur vorübergehendes Phänomen

          „Wir beobachten, daß multifunktionale Systeme immer beliebter werden als Standard-Einzelgeräte, vor allem bei den Privatkunden“, sagt Harbich. Die Zahlen scheinen seine Meinung zur bestätigen, denn hier ist der Markt im vergangenen Jahr von 500.000 auf eine Million Einheiten gewachsen. Hinzu kommt zwar auch eine stärkere Nachfrage nach Farblaserdruckern.

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