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Tablets, Smartphones und 3D-Fernsehen Das Ende der alten Hackordnung

 ·  Die Elektronikmesse in Las Vegas steht in diesem Jahr im Zeichen von Tablets und Smartphones sowie eines neuen Anlaufs bei 3D- und Internetfernsehen. Etablierte Adressen wie Microsoft müssen um ihr Revier fürchten.

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Zu den größten Gewinnern der Elektronikmesse CES in Las Vegas gehört ein Unternehmen, das nicht sonderlich glamourös daherkommt und bislang vielen Menschen außerhalb der Branche gar kein Begriff ist: Überall in den Messehallen wird in diesen Tagen vom britischen Mikrochip-Spezialisten Arm Holdings gesprochen. Dessen Chipdesign steckt vor allem in internetfähigen Handys (Smartphones) und Tablet-Computern wie dem iPad von Apple. Diese Geräte schüren das Wachstum der Elektronikindustrie, und sie sind auch immer mehr in der Lage, die Funktion des traditionellen Laptops oder Desktop-Computers zu übernehmen.

Das sorgt für eine völlig neue Dynamik in der Branche und bringt bislang festgefahrene Strukturen ins Wanken. So spielt der bei Personal Computern seit vielen Jahren marktbeherrschende Verbund aus der Software Windows von Microsoft und Mikroprozessoren von Intel - „Wintel“ im Branchenjargon - in aufstrebenden Bereichen wie Tablets bislang kaum eine Rolle. Weder Microsoft noch Intel können diese Wachstumsmärkte ignorieren und sehen sich daher nach neuen Partnern um. Microsoft hat die Messe zu der Ankündigung genutzt, dass die nächste Version von Windows nicht nur mit Intel-Chips, sondern auch mit dem Design von Arm arbeiten kann. Dass Microsoft hiermit seine bisher so enge Verbindung mit Intel ein Stück weit lockert, unterstreicht die wachsende Bedeutung von Arm. Umgekehrt hat in der Zwischenzeit auch Intel seine Fühler jenseits von Microsoft ausgestreckt und kooperiert mit dem Internetkonzern Google bei dessen Software Android, die auf Smartphones und Tablets zu finden ist.

Die CES zeigt, dass die Karten in der Branche neu gemischt werden. Smartphones werden immer leistungsfähiger und Computern ähnlicher. Die Grenzen zwischen Produktkategorien verschwimmen. Statt der einigermaßen klaren Machtverhältnisse, für die Microsoft und Intel bei Personal Computern gesorgt haben, prallen nun etliche Wettbewerber aufeinander, sei es bei den Betriebssystemen, den Prozessoren oder den Geräten selbst. In Las Vegas gab es jenseits der Allianz von Microsoft und Arm viele Beispiele von Unternehmen, die ihr Revier ausweiten. So hat der Mobiltelefonspezialist Motorola erstmals ein Tablet präsentiert, auch Research in Motion, Hersteller des Blackberry-Smartphones, wagt sich in das Tablet-Geschäft vor. Beiden Tablets liegt das Chipdesign von Arm zugrunde.

An dieser Entwicklung hat Apple einen großen Anteil. Apple hat das iPad als eine dritte Kategorie von tragbaren Computern zwischen Smartphones und Laptops positioniert. Seit der Einführung hat sich das iPad glänzend verkauft, und dieser Erfolg zieht auf der CES scharenweise Nachahmer an, die von der Smartphone- als auch von der Computerseite kommen. So haben in Las Vegas zum Beispiel die Computerhersteller Dell, Acer, Lenovo und Asus Tablets in verschiedenen Größen und Formen gezeigt.

Das britische Unternehmen Arm strotzt vor Selbstbewusstsein

Ein großer Teil der in Las Vegas zu sehenden Tablets läuft mit der Software Android. Dieses Google-Programm ist in kurzer Zeit zu einem der wichtigsten Betriebssysteme für Smartphones geworden. Android-Geräte haben heute einen größeren Anteil am Weltmarkt für Smartphones als das iPhone von Apple. In Las Vegas feierte eine neue Version von Android Premiere, die speziell auf Tablets zugeschnitten ist. Diese neue Android-Software steckt zum Beispiel in dem Gerät von Motorola. Auch Tablets mit „Windows 7“ von Microsoft sind auf der CES vertreten. In der Branche wird aber bezweifelt, dass Microsoft damit ein großer Wurf gelingen kann. Umso mehr dürfte Microsoft bei der nächsten Version von Windows auf die Partnerschaft mit Arm angewiesen sein. Das ist allerdings noch Zukunftsmusik. Der Nachfolger wird erst für 2012 erwartet.

Arm strotzt in Las Vegas vor Selbstbewusstsein. Der Vorstandsvorsitzende Warren East sagte, sein Unternehmen wolle mit seiner Chip-Architektur bei Tablets einen Anteil von 80 bis 90 Prozent halten - auch wenn verstärkte Offensiven von Intel zu erwarten sind. Arm stellt die Chips nicht selbst her, sondern vergibt Lizenzen für seine Technologie an Unternehmen wie Qualcomm, Texas Instruments und Nvidia. Diese Unternehmen sollen zum Beispiel Arm-Chips im Rahmen der Allianz mit Microsoft liefern. Die Mikroprozessoren von Arm sind unter Herstellern von Smartphones und Tablets vor allem deshalb beliebt, weil sie im Vergleich zu Intel-Chips weniger Energie verbrauchen. Zudem werden sie leistungsfähiger.

Intel will Arm weder den Tablet- noch den Smartphonemarkt kampflos überlassen. Vorstandschef Paul Otellini sagte auf der Messe, es seien mehr als 100 Tablet-Modelle mit Intel-Chips in der Entwicklung, und eine Reihe von ihnen werde in den nächsten Monaten auf den Markt kommen. Neuigkeiten über Projekte für Smartphones wolle das Unternehmen auf der Mobilfunkmesse in Barcelona im Februar folgen lassen. Der für den Vertrieb zuständige Senior Vice President Tom Kilroy gab zu, dass Intel in diesen Segmenten Rückstand hat, zeigte sich aber auch zuversichtlich, dass sein Unternehmen es mit Arm aufnehmen kann, was den Energieverbrauch der Chips betrifft. „Wir würden nicht in einen Markt einsteigen, wenn wir uns nicht für wettbewerbsfähig halten würden. Wir werden in diesem Jahr technisch aufholen, und danach werden wir auch Marktanteile gewinnen.“

Intel und Microsoft werden unterdessen nicht müde, zu betonen, dass bei aller Begeisterung für Tablets und Smartphones auch im Personal Computer noch Leben steckt. Intel legte sogar den Schwerpunkt in Las Vegas auf eine neue Chip-Reihe für Personal Computer mit dem Namen „Sandy Bridge“, bei der ein Grafikchip zusammen mit dem Hauptprozessor auf einer Siliziumscheibe untergebracht ist. Solche integrierte Grafiklösungen sollen für eine bessere Videoqualität und niedrigeren Energieverbrauch sorgen.

Einen ähnlichen integrierten Chip stellte der kleinere Intel-Wettbewerber Advanced Micro Devices (AMD) vor. Intel und AMD wollen damit ein Stück weit separate Grafikkarten, wie sie zum Beispiel von Nvidia hergestellt werden, überflüssig machen. Nvidia wiederum hat auf der Messe mit einer Gegenoffensive aufhorchen lassen und die Entwicklung eines Prozessors angekündigt, der in Personal Computern oder Netzwerkrechnern (Server) zum Einsatz kommen soll. Damit würde Nvidia in das Stammrevier von Intel und AMD vordringen. Die Ankündigung bescherte der Aktie des Unternehmens einen Kurssprung. Nvidia stellt zudem auch seit einiger Zeit Chips für Smartphones her.

Dreidimensionales Fernsehen stößt auf Zurückhaltung der Konsumenten

Ob die „Wintel“-Ära zu Ende geht, wird nicht zuletzt davon abhängen, ob junge Segmente wie Tablets zu Lasten des Geschäfts mit Personal Computern gehen. Phil McKinney, der Technologievorstand in der Computersparte von Hewlett-Packard (HP), hält einen Abgesang für voreilig: „Wir sehen bisher keine Kannibalisierungseffekte.“ Dagegen hat das Marktforschungsinstitut Gartner kürzlich seine Prognose für das Wachstum im Markt für Personal Computer in diesem Jahr nach unten korrigiert und dies mit dem Vormarsch von Tablets begründet.

Nach Meinung von Gartner werden Tablets bis zum Jahr 2014 rund 10 Prozent der Personal Computer ersetzen. Vielleicht könnte dem Personal Computer sogar Gefahr von Smartphones drohen. Eine pfiffige Idee kam im Las Vegas von Motorola. Das Unternehmen hat ein leistungsstarkes Smartphone mit dem Namen Atrix 4G gezeigt, das an eine dem Laptop ähnliches Docking-Station angeschlossen werden kann, die einen größeren Bildschirm und Tastatur hat. Damit kann das Smartphone gewissermaßen zum Laptop umfunktioniert werden.

Experimentierfreudig zeigen sich in Las Vegas auch die Fernsehhersteller, wenngleich hier etwas mehr Nüchternheit herrscht. 3D-Technik und Internetfernsehen, die beiden großen Hoffnungsträger, haben die Erwartungen nicht erfüllt. Die Verbraucher können sich bislang nicht recht mit dreidimensionalem Fernsehen anfreunden: Die notwendigen Brillen werden als lästig empfunden und sind nicht unter verschiedenen Geräteherstellern kompatibel, zudem fehlen dreidimensionale Inhalte. Einen Rückschlag gab es auch beim Internetfernsehen: Google hat mit seinem Projekt „Google TV“, das Fernsehen und Internet miteinander verbinden will, einen Fehlstart hingelegt. Beim dreidimensionalen Fernsehen schwenkten einige Unternehmen auf billigere Brillen um. Toshiba zeigte außerdem einen 3D-Bildschirm, der keine Brillen erfordert. Beim Internetfernsehen beschränkten sich die Hersteller diesmal eher darauf, verschiedene Applikationen auf dem Bildschirm unterzubringen.

Insgesamt sind zweifellos die Tablets die Stars der Show. Was von der Flut der in Las Vegas gezeigten Geräte übrig bleiben wird, muss sich zeigen. In der Zwischenzeit ist auch Apple nicht untätig. Es wird damit gerechnet, dass das Unternehmen, das auf der CES wie üblich durch Abwesenheit glänzt, in naher Zukunft die zweite Generation des iPad vorstellt.

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Jahrgang 1970, Wirtschaftskorrespondent in New York.

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