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T-Online „Der Aktionär kann gehen“

28.04.2005 ·  T-Online verabschiedet sich von der Börse - und die Aktionäre fühlen sich verschaukelt. Die letzte Hauptversammlung des Internetanbieters wird für zahlreiche Anleger zur Generalabrechnung mit Vorstand und Aufsichtsrat.

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„Mein Geld geht nicht mehr online“, sagt ein frustrierter Kleinaktionär von T-Online. Die letzte Hauptversammlung des größten europäischen Internetanbieters wird für zahlreiche Anleger zur Generalabrechnung mit Vorstand und Aufsichtsrat.

Sie fühlen sich von der Telekom und der Führung von T-Online über den Tisch gezogen. Grund der Empörung ist das ihrer Ansicht nach viel zu schlechte Umtauschverhältnis, das ihnen der rosa Riese im Zuge der Fusion geboten hat.

T-Online verdient endlich Geld

„Die Form der Rückführung des Unternehmens in den Konzern schadet der Anlegerkultur in Deutschland. Den Aktionären wird die Altersversorgung geraubt“, schimpft Horst Lipperheide vom Christlichen Gewerkschaftsbund. Ein anderer Aktionär spricht gar von „kalter Enteignung“. Und Hans-Richard Schmitz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz bringt die Stimmung der rund 300 Kleinaktionäre im Saal auf den Punkt: „Der Kleinaktionär hat seine Schuldigkeit getan, der Aktionär kann gehen“.

Nicht so recht einsehen will Schmitz, warum die Anleger ausgerechnet jetzt hinauskomplimentiert werden, wo T-Online endlich beginnt, Geld zu verdienen. Für 2004 wird sogar erstmals eine kleine Dividende ausgeschüttet. T-Online-Chef Rainer Beaujean ficht die Aktionärskritik nicht an: Schließlich habe ein gerichtlich bestellter Prüfer bestätigt, daß das Umtauschverhältnis angemessen sei.

Zeitweise stieg die Aktie auf über 40 Euro

Doch Gutachten und Bewertungsmethoden interessieren die meisten im Saale kaum. Die Wut über die Telekom sitzt tief: „Stellen Sie sich doch nur einmal vor, Sie hätten das Geld verloren“, empört sich ein Anleger bei T-Online-Aufsichtsratschef Kai-Uwe Ricke, der gleichzeitig Telekom-Boß ist. Für die Kleinanleger, die auf dem Aktionärstreff nicht einmal ein Prozent des vertretenen Kapitals ausmachen, spricht das gebotene Umtauschverhältnis von 0,52 T-Aktien für ein T-Online-Papier nur Hohn. Es ist nämlich gerade einmal 8 Euro wert. Dabei hatte T-Online beim Börsengang im Frühjahr 2000 27 Euro verlangt.

Doch das waren andere Zeiten. Die Telekom, die heute einen Anteil von mehr als 90 Prozent an ihrer Tochter hält, hatte ihre Online-Sparte damals an die Börse gebracht, in der Boomphase der New Economy. Ziel war es unter anderem, Akquisitionswährung für weitere Expansionsschritte zu schaffen. Der Kurs der T-Online-Aktie kletterte kurze Zeit später auf über 40 Euro. Doch dann platzte die Internetblase und der Kursabsturz begann.

„Vom Schnellboot hin zum Bummeldampfer“

Zugleich änderten sich die Marktgegebenheiten. Zwischen den ehemals vier Säulen der Telekom kam es vermehrt zu Überlappungen der Geschäftsbereiche. Bei einzelnen Produkten machten sich T-Com und T-Online selbst Konkurrenz. Gleichzeitig machten Wettbewerber und Regulierungsbehörde dem Bonner Konzern das Leben schwer. Die Festnetzsparte der Telekom geriet unter Druck.

Unter Rickes Leitung verordnete sich der Konzern eine grundlegende Neuausrichtung - genau so, wie es France Télécom und andere bereits vorexerziert hatten. Dabei wird T-Online künftig Teil des neuen Geschäftsfeldes Breitband/Festnetz werden. T-Online-Chef Beaujean spricht von einem „Schnellboot“, das der Internetanbieter künftig im Telekom-Konzern sein will und liefert damit Kritikern und Spöttern das Stichwort: „Vom Schnellboot hin zum Bummeldampfer“.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa
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