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Suchmaschinen „Google ist nicht gut genug“

Jimmy Wales hat das Online-Lexikon Wikipedia gegründet und damit eine sagenhafte Erfolgsgeschichte im Internet geschrieben. Jetzt steigt er ins Suchmaschinen-Geschäft ein und attackiert Google. Anders als bei Wikipedia will er damit richtig Geld verdienen. Von Roland Lindner.

© dpa Vergrößern Mitmachprinzip: Bald auch bei einer Suchmaschine

Jimmy Wales hat eigentlich allen Anlass, gut auf Google zu sprechen zu sein. Das von ihm gegründete Online-Lexikon Wikipedia schneidet nämlich auf den Trefferlisten der Suchmaschine von Google hervorragend ab: Ob der bei Google eingegebene Suchbegriff nun „Britney Spears“, „Angela Merkel“ oder „Jesus“ heißt: Bei den Ergebnissen steht der entsprechende Wikipedia-Eintrag zu diesen Namen ganz oben, an erster oder zweiter Stelle.

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Die Chancen sind also sehr gut, dass der Nutzer sich von Google weiter auf die Wikipedia-Seite durchklickt. Google schickt auf diese Weise scharenweise Besucher zu Wikipedia. Das hält Wales aber nicht davon ab, den Internetgiganten zu attackieren und die Qualität seiner Suchtechnologie in Frage zu stellen: „Google ist nicht so gut, wie eine Suchmaschine es sein sollte“, sagte Wales der F.A.Z. Deshalb will er Google mit einer eigenen Suchmaschine Konkurrenz machen. Vor knapp einem Jahr hat Wales dies erstmals öffentlich angekündigt, und nun wird es allmählich ernst: „Wir wollen noch bis Ende des Jahres eine erste Testversion auf den Markt bringen", sagte Wales.

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Ein gewinnorientiertes Unternehmen

Abermals nimmt sich Wales vor, einen Markt aufzurütteln, genauso wie er das mit Wikipedia schon einmal gemacht hat. Wikipedia lehrte alteingesessene Lexikaverlage wie Brockhaus das Fürchten und revolutionierte die Art und Weise, wie Menschen sich Informationen beschaffen und Wissen aneignen. Es gibt aber einen gewaltigen Unterschied: Während Wikipedia ein gemeinnütziges Projekt ist, wird die Suchmaschine Teil eines von Wales gegründeten gewinnorientierten Unternehmens. Das Unternehmen heißt Wikia Inc., und Wales hat dafür Gil Penchina, einen langjährigen Manager beim Internetmarktplatz Ebay, zum Vorstandsvorsitzenden bestellt. Penchina hat die Aufgabe, sich ein Stück von einem lukrativen Markt zu holen, denn für Google ist die Internetsuche zu einer sprudelnden Geldquelle geworden.

Jimmy Wales © AP Vergrößern Wikipedia-Gründer Jimmy Wales

Der Sprung von Wales auf das Revier wird in der Branche aufmerksam beobachtet, schließlich hat er mit Wikipedia schon eine geradezu sagenhafte Erfolgsgeschichte auf der Haben-Seite. Gestartet ist Wikipedia im Jahr 2001 mit einem Konzept, das zunächst abenteuerlich klang: Die Seite ist kostenlos und funktioniert nach dem Mitmachprinzip, die Inhalte kommen von den Nutzern. Wer immer Lust dazu hat und sich kompetent fühlt, kann Beiträge verfassen und ergänzen. Inspiration für Wikipedia war das Betriebssystem Linux, die lizenzgebührenfreie Alternative zu Windows von Microsoft. Auch hier gibt es eine Gemeinde von Nutzern, die an einer Verbesserung der Software arbeitet.

Suchmaschine übernimmt das Mitmachprinzip

Für das Mitarbeiten am Wikipedia-Lexikon muss man im Gegensatz zu Linux noch nicht einmal Programmierkenntnisse haben: Jeder Computernutzer kann auf einfachem Wege auf die Seite gehen und Einträge machen. Wales hat Korrekturmechanismen eingebaut, weil diese Politik der Offenheit die Seite auch sehr fehleranfällig macht, sei es durch bloße Unkenntnis eines Autors oder durch bösartigen Vandalismus. Eine ausgewählte Gruppe von Wikipedia-Nutzern versucht, die Seite frei von Fehlern und subjektiven Meinungen zu halten. Die engagierte Wikipedia-Gemeinde sorgte dafür, dass die Seite sehr schnell an Umfang gewann. Heute gibt es Wikipedia-Seiten in 250 Sprachen, auf denen sich insgesamt neun Millionen Einträge finden. Wikipedia ist eine der beliebtesten Internetadressen der Welt geworden: Das Marktforschungsinstitut Alexa setzt Wikipedia auf den achten Rang ihrer Liste der weltweit meistbesuchten Seiten, in Deutschland steht Wikipedia sogar auf Platz sieben.

Die geplante Suchmaschine von Wikia übernimmt das Mitmachprinzip von Wikipedia. Wikia will eine Grundversion eines Suchprogramms zur Verfügung stellen. Davon ausgehend, soll eine Nutzergemeinde an einer Verbesserung der Software arbeiten: Zum Beispiel indem sie am Programm mitschreiben oder die Reihenfolge von Ergebnissen bei einem Suchvorgang ändern, wenn sie nicht sinnvoll erscheint. „Im Prinzip kann jeder mitmachen, der einen Computer hat und programmieren kann“, sagt Penchina.

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Veröffentlicht: 22.11.2007, 14:19 Uhr


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