Home
http://www.faz.net/-gqm-rgnw
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Strategiewechsel Microsoft stützt sich stärker aufs Internet

02.11.2005 ·  Microsoft wird künftig sein Betriebssystem Windows sowie seine Bürosoftware Office mit einem neuen Onlineangebot verknüpfen. Die Angebote „Windows Live“ und „Office Live“ sollen durch Abogebühren, aber auch durch Werbeumsätze finanziert werden.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Der Softwaregigant Microsoft will Teile seiner wichtigsten Programme Windows und Office künftig online anbieten und um neue Internetfunktionen erweitern. Mit diesem einschneidensten Strategiewechsel der vergangenen fünf Jahre reagiert der größte Softwarehersteller der Welt auf die wachsende Konkurrenz durch Online-Anbieter wie Google, Yahoo und andere Rivalen.

Mit „Windows Live“ und „Office Live“ stützt Microsoft seine profitabelsten Produkte stärker als bisher auf das Internet. Diese Versionen sollen mit weniger komplexen Installationen auf PCs auskommen. Zusätzliche Funktionen will Microsoft im Internet bereitstellen. Davon sollen nach Angaben des Unternehmens einige für die Nutzer kostenlos und durch Werbung finanziert, andere als zahlungspflichtige Abonnements angeboten werden. „Wir versuchen eine 'Service-plus-Software'-Mentalität in vielen, vielen Microsoft-Produktgruppen zu verankern“, sagte Unternehmensgründer und Entwicklungschef Bill Gates bei der Vorstellung der neuen Strategie in San Francisco.

„Windows Live“ soll bereits bekannte Microsoft-Produkte wie Instant Messaging zum direkten Nachrichtenaustausch über das Internet sowie eine neue Version des E-Mail-Dienstes Hotmail umfassen. Außerdem will Microsoft Möglichkeiten für eine sichere Daten-Speicherung im Netz anbieten. Nutzer sollen sich dabei eine individuelle „Live Homepage“ einrichten können, die sich ständig und automatisch aus verschiedenen Internet-Quellen aktualisiert.

„Office Live in drei Ausführungen“

„Office Live“ soll kleineren Firmen einen Online-Zugang zu speziell für sie zugeschnittenen Programmen und Funktionen aus dem Microsoft-Angebot verschaffen. Dazu gehören die Abwicklung der Geschäftskorrespondenz via E-Mail sowie die Datenspeicherung.

Die neuen Dienste will Microsoft in drei Ausführungen angebieten: Die kleinste wird über Anzeigen finanziert und für die Nutzer kostenlos sein. Zusätzliche Funktionen sollen gegen ein nach Unternehmensangaben geringes Entgelt im Abonnement zur Verfügung stehen. Eine teurere Premium-Version mit allen Funktionen will Microsoft auf Intensivnutzer zuscheiden.

„Microsoft setzt den Fokus im Wettbewerb ganz klar an der richtigen Stelle“, urteilte Software-Experte Tim O'Reilly. „Es wird einige fabelhafte neue Angebote geben. Aber ob diese von Microsoft oder Yahoo oder Google oder Salesforce.com entwickelt werden, bleibt zu sehen“. Auch WebEx zählt zu den Rivalen des Softwaregiganten. Im Gegensatz zu den mehreren hundert Millionen Menschen, die Microsofts Office-Versionen nutzen, haben viele Wettbewerber noch immer eine vergleichsweise kleine Nutzerschaft. Wegen ihrer zumeist einfachen Bedienbarkeit und Leistungsfähigkeit zieht Internet-basierte Software jedoch weltweit die Aufmerksamkeit von Programmentwicklern zunehmend auf sich.

Konkurrenz gibt sich wenig beeindruckt

Besonders beim Programmpaket „Office“ konkurriert Microsoft mit dem Rivalen „Salesforce“, der Hunderten Firmen die Möglichkeit bietet, kundenspezifische Anwendungen zu entwickeln und diese über kleine Unternehmensnetze mit anderen zu teilen. Salesforce-Chef Marc Benioff zeigte sich von der Ankündigung des Konkurrenten dennoch wenig beeindruckt. Microsofts Bedeutung schwinde. „Die wirklichen Innovatoren im Internet - Amazon, Ebay, Google, Salesforce.com - waren erfolgreich, weil Microsoft uns die Neuentwicklungen überließ“.

Auch der Technik-Chef von Microsoft, Ray Ozzie, lobte die Leistungen der Konkurrenten: Google habe besonders bei der Entwicklung von Anzeigen-Systemen im Internet fantastische Arbeit vollbracht. „Wir alle haben eine Menge von ihnen gelernt“, sagte er, fügte jedoch hinzu, die Möglichkeiten seien noch lang nicht ausgeschöpft. Microsoft testet in Frankreich und Singapur Anzeigen-Programme, die im nächsten Jahr angeboten werden sollen.

„Das ist eine große Veränderung für alle“, sagte Bill Gates bei der Präsentation der Internetangebote vor Analysten. Die Online-Software werde dem Unternehmen neue Werbeeinnahmen bescheren, sagte Technik-Chef Ozzie. Microsoft machte keine Angaben dazu, ab wann das Programm voll funktionstüchtig sein wird. Einige Funktionen können bereits unter der Internet-Seite http://ideas.live.com/ getestet werden. „Office Live“ soll ab Anfang 2006 in einer ersten Version ins Netz gehen.

Quelle: FAZ.NET mit Material von Reuters, AFP
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Die Förderlücke

Von Heike Göbel

Der Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld ist ein Ausweis unbelehrbaren Glaubens an die unbegrenzte Leistungsfähigkeit des Sozialstaates. Dass Eltern ihre Kinder, wie seit Menschengedenken, unbezahlt hüten, ist in Deutschland offenbar nicht mehr denkbar. Mehr 2 1

29.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.396,84 +1,16%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.394,15 +1,26%
Dow Jones 12.523,80 +0,55%
EUR/USD 1,2474 −0,53%
Rohöl Brent Crude 106,35 $ −0,85%
Gold 1.574,60 $ +0,32%
Umfrage

Anonym bewerben? Ist das gut?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.