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Steuerfahndung Ermittlungen beim Leipziger Allerleianbieter Unister

Seit der vergangenen Woche steht das Internet-Unternehmen Unister im Fadenkreuz der Steuerfahndung. Es soll auf seinen Plattformen unerlaubt Versicherungsgeschäfte angeboten haben.

© dapd

Lange Zeit waren die Urteile, die die Medien über Thomas Wagner und das von ihm gegründete Unternehmen Unister fällten, eindeutig: „Frecher Freigeist“ lautete die Überschrift eines Porträts über den Internetunternehmer. „Der Online-Riese im Osten“ stand über einer anderen Geschichte, und diese Zeitung nannte ihn einmal den „Pförtner zum Internet“.

Martin Gropp Folgen:

Spätestens seit dem vergangenen Dienstag müssen Wagner und die von ihm geführte Unister Holding GmbH mit Negativschlagzeilen zurechtkommen. Drei Staatsanwälte und 130 Polizeibeamte durchsuchten vor einer Woche den Sitz des Unternehmens in der Leipziger Innenstadt und weitere Geschäftsräume in mehreren anderen Städten. Der Vorwurf lautete auf „Unbefugte Geschäftstätigkeit“ nach Paragraph 140 des Versicherungsaufsichtsgesetzes.

Vorwurf: Versicherungsgeschäft ohne Erlaubnis

Unister soll ohne Erlaubnis ein Versicherungsgeschäft betrieben haben, indem das Unternehmen auf seinen Reiseportalen (siehe Kasten) ein Produkt angeboten hat, das Kunden, die dort buchen, gegen Stornogebühren versichert. Daraus soll ein Steuerschaden in Höhe von einer Million Euro entstanden sein, wie die Generalstaatsanwaltschaft Dresden erläuterte. Das Unternehmen teilte in einer Stellungnahme mit: „Wir nehmen den Vorwurf sehr ernst, empfinden aber das Vorgehen der Untersuchungsbehörden als unverhältnismäßig.“ Was den Steuerschaden betreffe, sei zu klären, ob Unister für die vermittelten Produkte „statt der bereits gezahlten Umsatzsteuer eine Versicherungssteuer hätte bezahlen müssen“.

Im Zuge der Ermittlungen erließ die Staatsanwaltschaft zuerst Haftbefehl gegen zwei Manager des Unternehmens, weil ein dringender Tatverdacht vorgelegen habe und gleichzeitig Flucht- und Verdunklungsgefahr bestanden. Ein dritter leitender Angestellter wurde am Freitag in Untersuchungshaft genommen, weil sich der Tatverdacht gegen ihn erhärtet und ebenfalls Verdunklungsgefahr bestanden habe.

Bislang keine Antworten von Unister

Bisher macht die Staatsanwaltschaft keine Angaben dazu, wer die Personen sind, die am Montag abermals dem Haftrichter vorgeführt wurden; dabei kam einer der Manager unter Auflagen frei. Es habe sich um drei Personen aus der Führungsriege der Unternehmensgruppe gehandelt, sagte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft. Aus einer Pflichtmitteilung der zu Unister gehörenden Travel24.com AG geht aber hervor, dass deren Aufsichtsratsvorsitzender sowie ein Vorstandsmitglied in Untersuchungshaft genommen worden seien. Die Unister Holding teilt wiederum mit, dass die Geschäfte nun von zwei Gesellschaftern und einem Prokuristen weitergeführt werden. Von Geschäftsführer Thomas Wagner ist keine Rede, was weiter Raum für Spekulationen lässt, ob auch der Unister-Gründer in Untersuchungshaft sitzt.

Insgesamt ist die Lage rund um das Ermittlungsverfahren diffus, auch weil Unister sich abseits zweier Pressemitteilungen bisher nicht ausführlicher geäußert hat. Auf einen Fragenkatalog dieser Zeitung gab es bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe keine Antworten.

Bafin wurde schon im Vorjahr auf Unister aufmerksam

Fest steht, dass die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht schon im Vorjahr aufgrund einer Beschwerde auf Unister aufmerksam wurde. Wie die Behörde dieser Zeitung auf Anfrage mitteilte, konfrontierte sie Unister „noch im Jahr 2011 mit der Möglichkeit, dass sie unerlaubte Versicherungsgeschäfte betreibe. Die Rechtslage wurde der Unister darüber hinaus auch telefonisch erläutert.“ Im November 2011 habe Unister seinen Internetauftritt teilweise geändert, insbesondere die zugrundeliegenden Bedingungen. Anfang dieses Jahres erreichten die Bundesanstalt dann weitere Beschwerden „gegen die Unister und ein weiteres Portal der Unternehmensgruppe“, wie es heißt. Den Ausschlag für die Ermittlungen gab dann schließlich aber eine anonyme Anzeige, auf deren Grundlage die Staatsanwaltschaft Dresden Anfang Oktober ihre Untersuchung aufnahm und dabei mit der Bundesanstalt zusammenarbeitete.

Unister ist schon länger Konkurrenten auf den vielen Geschäftsfeldern, auf denen sich das Unternehmen tummelt, ein Dorn im Auge. Anfang dieses Jahres erwirkte ein Konkurrent aus dem Bereich der Partnersuche eine einstweilige Verfügung gegen Unister. Die Richter untersagten dem Unternehmen, über das von ihm betriebene Portal partnersuche.de an registrierte Mitglieder Nachrichten zu versenden, die das Unternehmen selbst erstellte oder erstellen ließ. Außerdem durfte Unister für partnersuche.de nicht mehr mit zwei Test-Urteilen werben, weil diese nach Auffassung des Landgerichts nicht repräsentativ und damit irreführend gewesen seien. Im Sommer wurden dann nach Recherchen der Zeitschrift „Computerbild“ auch gegen Reiseportale von Unister Verdachtsmomente laut. Unister soll Kunden mit versteckten Kosten in die Irre geführt haben.

Mehr zum Thema

In der Branche der Online-Reisevermittler geht nach den abermaligen Ermittlungen nun die Sorge um, dass sich der Verdacht gegen Unister negativ auf das Geschäft anderer Anbieter auswirken könnte. In Leipzig läuft derweil das tägliche Geschäft der Holding weiter, wie es in den Mitteilungen heißt. Nur die in Rede stehenden Produkte gegen den Ausfall von Stornogebühren bietet das Unternehmen nicht mehr an.

Unister: Eine Holding, viele Plattformen

Die Unister Holding GmbH in Leipzig ist nach eigenen Angaben Betreiber und Vermarkter von Internetseiten. Das Unternehmen beschäftigt inzwischen mehr als 1500 Mitarbeiter und sei „in rasantem Tempo zu einer profitablen Unternehmensgruppe gewachsen“, wie es auf der Internetseite heißt.

Zu den von Unister gehaltenen Plattformen und Domains gehören unter anderem:

Reisebranche:

  • ab-in-den-urlaub.de
  • fluege.de
  • hotelreservierung.de
  • urlaubstours.de

Partnervermittlung:

  • partnersuche.de

Autobranche:

  • auto.de

Immobilien:

  • myimmo.de

Finanzinformationen:

  • geld.de
  • versicherungen.de
  • kredit.de

Mailanbieter:

  • webmail.de

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 17.12.2012, 17:20 Uhr


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