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Springers Zukunft Der alte Traum vom Verleger-TV

07.08.2005 ·  Der Axel-Springer-Verlag schwimmt mit seiner geplanten Übernahme von Pro Sieben Sat.1 gegen den Trend. Denn zuletzt waren deutsche Zeitungsverlage, wenn es um Fernsehsender ging, nicht die Käufer, sondern die Verkäufer - FAZ.NET-Spezial.

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Mathias Döpfner hat nach dem kräftezehrenden Verkaufspoker um Pro Sieben Sat.1 eine weitere harte Woche vor sich. Seit Sonntag abend ist der Vorstandschef des Axel-Springer-Verlages auf Präsentationstour bei Investoren und Analysten ("Roadshow"), um ihnen den milliardenschweren Komplettkauf der Münchner Sendergruppe schmackhaft zu machen.

Der Verlag schwimmt mit seinem Zukauf gegen den Trend. Denn zuletzt waren deutsche Zeitungsverlage, wenn es um Fernsehsender ging, nicht die Käufer, sondern die Verkäufer. Erst im Juli hat die Essener WAZ-Gruppe (“Westdeutsche Allgemeine Zeitung“) Kasse gemacht: Die Nummer zwei im deutschen Zeitungsmarkt gab für 550 Millionen Euro ihre Beteiligung an der Senderkette RTL von durchgerechnet 7,5 Prozent an den Mehrheitseigner Bertelsmann ab. Der Stuttgarter Holtzbrinck-Verlag (“Handelsblatt“, „Die Zeit“) verkaufte schon vor drei Jahren seine 47 Prozent am Berliner Nachrichtensender NTV an RTL und seine Beteiligungen im Radiomarkt gleich mit. Einzig der Hamburger Verlag Heinrich Bauer (“Bravo“, „Neue Revue“) spielt neben Springer im Fernsehgeschäft weiter in größerem Umfang mit. Beim Münchner Fernsehsender RTL 2 kontrolliert Bauer 31,5 Prozent der Anteile.

Mit seiner Übernahme von Pro Sieben Sat.1 verwirklicht Springer viele Jahre später einen Traum, dem in den achtziger und neunziger Jahren viele deutsche Zeitungshäuser nachgehangen haben. Als in Deutschland Mitte der achtziger Jahre erstmals private Fernsehsender zugelassen wurden, wollten viele Verlage den Sprung ins elektronische Massenmedium nicht verpassen. Am ersten deutschen Privatsender Sat.1 etwa waren 1988 neben Springer und Holtzbrinck noch der Kölner Zeitungskonzern DuMont Schauberg (“Kölner Stadt-Anzeiger“) und der Ulmer Ebner-Verlag (“Südwestpresse“) beteiligt. All das ist längst Mediengeschichte, die Erwartungen der Zeitungshäuser haben sich meist nicht erfüllt. Bis auf Bertelsmann ist es bisher kaum einem Verlag gelungen, im Fernsehgeschäft groß Fuß zu fassen. Nur Springer ist 20 Jahre lang bei der Stange geblieben und will jetzt bei Pro Sieben Sat.1 die große Chance nutzen.

Quelle: theu., F.A.Z., 08.08.2005, Nr. 182 / Seite 13
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