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Sport-Sponsoring Die Telekom riskiert ihr Image für den Radsport

24.05.2007 ·  Sechs ehemalige Fahrer des Rennstalls Telekom haben inzwischen Doping eingestanden. Die Deutsche Telekom hält dennoch an ihrem Sponsoring-vertrag fest und nimmt die Negativ-Werbung in Kauf. Ein anderer Sponsor zieht dagegen die Notbremse und steigt aus.

Von Helmut Bünder und Alexander Westhoff
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Die Deutsche Telekom hält trotz der Dopinggeständnisse von inzwischen sechs ehemaligen Fahrern ihres Rennstalls an ihrem Sponsoringvertrag fest. Die damit verbundene Gefahr einer Negativ-Werbung nimmt der Bonner Konzern in Kauf. „In diesen Tagen ist ein Engagement für den Radsport sicher nicht imagefördernd. Aber wir stellen uns unserer Verantwortung und setzen den Vertrag bis 2010 fort“, sagte Christian Frommert, Leiter der Sportkommunikation. Schon vor knapp einem Jahr, als T-Mobile-Fahrer Jan Ullrich kurz vor der Tour de France in den Strudel des Dopingskandals geriet und suspendiert wurde, hatte die Telekom einen Ausstieg aus dem Radsport erwogen – und sich mit den gleichen Argumenten wie heute dagegen entschieden.

„Wir wollen das Umfeld für einen sauberen Radsport weiter verbessern. Eine solche Veränderung ist ohne die tatkräftige Unterstützung von Unternehmen wie T-Mobile nicht möglich“, sagte Teammanager Bob Stapleton am Donnerstag. Gleichzeitig gestand er ein, die Schwierigkeiten unterschätzt zu haben. Er sei „ein bisschen naiv“ gewesen, zu glauben, man könne den Sport schneller sauber bekommen. Die bekannten deutschen Radsport-Größen Rolf Aldag und Erik Zabel hatten zuvor in Bonn die Einnahme von Dopingmitteln zugegeben.

Einstieg vor 16 Jahren

Marketingfachleute sehen die Gefahr, dass stückchenweise weitere Einzelheiten bekannt werden und das Telekom-Ansehen beschädigen. Dabei spiele es keine Rolle, ob sich Vorwürfe auf ehemalige oder noch aktive Fahrer und Mitarbeiter des Teams bezögen, sagte der Münsteraner Marketingprofessor Klaus Backhaus. Ein Konzernsprecher räumte ein, dass sich die Telekom einen weiteren Rückschlag kaum leisten könne. „Wir können nicht jedes Jahr von vorn anfangen“, sagte er. Das Radsportsponsoring hat vor 16 Jahren begonnen und nach Einschätzung des Telekom-Marketings ganz erheblich dazu beigetragen, den Bekanntheitsgrad der Marke zu steigern. Rund 15 Millionen Euro im Jahr werden für den laufenden Vertrag aufgewendet.

Video: Auch Zabel und Aldag gestehen Epo-Doping

„Sponsoring ist ein sehr effizientes Marketingwerkzeug. Durch seine einzigartige Emotionalisierung erzeugt es große Wirkung“, sagte Stephan Althoff, Leiter der Sponsoring-Kommunikation. Insgesamt lässt sich die Telekom das Sportsponsoring zwischen 60 und 70 Millionen Euro im Jahr kosten. Der größte Block ist dabei das Engagement für den Fußball durch den Vertrag mit dem FC Bayern München sowie als Premiumpartner der Bundesliga und des Deutschen Fußball-Bundes. Kurz vor der Verlängerung steht auch der Sponsorenvertrag mit dem Basketballklub Telekom Baskets Bonn. Zudem engagiert sich die Geschäftskundensparte T-Systems als Sponsor des Segelteams Shosholoza. Aus Konzernkreisen hieß es, knapp 50 Millionen Euro flössen allein in das Fußballsponsoring. Um den gleichen Wahrnehmungseffekt zu erzielen, müsse mindestens die gleiche Summe für klassische Werbung ausgegeben werden.

Wiesenhof zieht die Notbremse

Neben der Telekom hält auch Gerolsteiner, Hauptsponsor des zweiten deutschen Radsport-Teams der ersten Kategorie, an seinem Engagement fest. Über die Verlängerung des bis 2008 laufenden Vertrags werde im August entschieden, sagte ein Sprecher. Sollte in dieser Zeit indes erstmals ein Fahrer des Gerolsteiner-Teams des Dopings überführt werden, sei dies eine neue Situation. Am Sportlichen Leiter Christian Henn, der ebenfalls zugab, während seiner Zeit als Telekom-Fahrer gedopt zu haben, will Gerolsteiner festhalten. Das Unternehmen Nordmilch, welches das Team Milram bezahlt, für das Zabel heute fährt, will sich gleichfalls weiter im Radsport engagieren.

Dagegen zog das Geflügelunternehmen Wiesenhof, mit dem Team Wiesenhof-Felt die dritte Kraft im deutschen Profiradsport, die Notbremse. Ende des Jahres wird das Unternehmen wegen des Dopingskandals sein Sponsoring einstellen. „Um glaubwürdig zu bleiben, können wir unser Engagement im Profi-Radsport nicht fortsetzen“, sagte ein Sprecher. Das Unternehmen verzichtete als eines der ersten auf antibiotische Leistungsförderer bei der Fleischproduktion. „Unser gutes Image ist in diesem schlechten Umfeld nicht viel wert“, sagte Teammanager Raphael Schweda.

Die Akquise von neuen Sponsoren für die in Verruf geratene Sportart werde nach den vielen Dopinggeständnissen der vergangenen Tage künftig „extrem schwer“ werden, sagte Stephan Schröder vom Kölner Sport-Markt-Forschungsinstitut „Sport+Markt“. Der Radsport sei in der gesamten Sportlandschaft besonders abhängig von Sponsorengeldern. Schröder geht davon aus, dass die Marken Telekom, Gerolsteiner und andere „beschädigt“ aus dem offenbar längst nicht trockengelegten Dopingsumpf herauskommen werden. „Wenn eine Sportart wie der Radsport in der öffentlichen Wahrnehmung so schwächelt, kann die Marke nicht mehr optimal am Markt positioniert werden.“ Zuletzt hatten sich schon der Schweizer Hörgerätehersteller Phonak und die spanische Lotterie Once wegen der Dopingverstrickungen einiger Fahrer ihrer Teams aus dem Radsport zurückgezogen.

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Jahrgang 1957, Wirtschaftskorrespondent in Bonn.

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