21.03.2006 · Microsoft will nach einem Pressebericht Sony und Apple auf dem Markt für mobile Unterhaltungsgeräte angreifen. Der Softwarekonzern habe bereits führende Manager aus seinem Xbox-Team für das neue Projekt abgezogen.
Der weltgrößte Softwarehersteller Microsoft entwickelt ein tragbares Videospielgerät und bereitet damit einen neuen Angriff auf die japanischen Anbieter Sony und Nintendo vor. Amerikanischen Zeitungsberichten zufolge soll das geplante Gerät möglicherweise auch Musik und Videoinhalte abspielen können - und damit dem erfolgreichen digitalen Musikspieler iPod des Microsoft-Rivalen Apple Konkurrenz machen.
Publikationen aus der Spieleindustrie haben in ihren Berichten über die Entwicklung häufig von einem „iPod-Killer“ geschrieben, doch seine Funktionen liegen vermutlich näher an Sonys Playstation. Der Softwarekonzern habe bereits führende Manager aus seinem Xbox-Team für das neue Projekt abgezogen, berichtet die in der Technologiehochburg Silicon Valley ansässige „San Jose Mercury News“ am Dienstag in ihrer Online-Ausgabe. Eine Bestätigung von Seiten Microsofts liegt bislang nicht vor. In den vergangenen Tagen hatte es bereits immer wieder Gerüchte gegeben, der Softwarekonzern arbeite gemeinsam mit dem Chiphersteller Transmeta an einem neuen „Geheimprojekt“.
„Nicht einfach unsere Version eines iPods“
Bisher hatte Microsoft stets bestritten, Ambitionen im Markt der mobilen Spielekonsolen zu verfolgen. Im Januar hatte Xbox-Vice President Peter Moore in einem Interview der „Business Week“ entsprechende Gerüchte zwar nicht bestätigt. „Aber es würde nicht einfach unsere Version eines iPods werden“, sagte Moore.
Der iPod dominiert das Geschäft mit tragbaren Musikspielern klar, auch beim Online-Verkauf von Musik ist Apple mit seiner Software iTunes klarer Marktführer. Nach Angaben der „San Jose Mercury News“ hat Microsoft hochrangige Manager und Entwickler mit dem Projekt beauftragt, die vorher für die neue Videospielekonsole Xbox 360 zuständig waren.
Manager aus dem Xbox-Team
An dem neuen Projekt sollen bereits hochrangige Manager aus dem Team der Xbox 360 beteiligt sein, darunter Entwicklungsleiter J Allard, Systemdesigner Greg Gibson und Xbox-Finanzchef Bryan Lee. Xbox-Chef („Xboss“) Robbie Bach soll das Team leiten. Die hochkarätige Besetzung des Teams zeige deutlich, wie ernst es Microsoft ist, mit Sonys PSP, Apples iPod und Nintendos Konsole Nintendo DS aufzuschließen, schreibt die Zeitung.
Auch Transmeta, Hersteller von besonders stromsparenden Microprozessoren, bestätigte am Dienstag keine Details. „Jeder spekuliert gerade“, sagte Lauren Stein, eine Sprecherin des Unternehmens. „Transmeta hat zu diesem Zeitpunkt nichts zu berichten.“ Der Chiphersteller hatte bereits vergangene Woche bestätigt, 30 seiner Entwickler Microsoft für ein nicht näher benanntes Projekt zur Verfügung zu stellen.
Microsoft hat erst in der vergangenen Woche einen Erfolg gegen Sony gefeiert: Die Japaner, die das Geschäft mit Videospielekonsolen dominieren, mußten die Markteinführung der mit Spannung erwarteten Playstation 3 um ein halbes Jahr auf den kommenden November verschieben (siehe dazu: Sony muß Marktstart der Playstation 3 verschieben). Das gibt Microsoft mit seiner Xbox 360 nun einen umso größeren zeitlichen Vorsprung: Microsoft hat die zweite Generation seiner Xbox im vergangenen November auf den Markt gebracht. Die Xbox 360 ist ein Verkaufsschlager. Wegen Versorgungsengpässen in der Lieferkette kam Microsoft aber zunächst mit der Produktion von Geräten nicht nach und hatte Schwierigkeiten, die Nachfrage zu decken. Das Unternehmen mußte daher seine ursprünglichen Absatzprognosen nach unten korrigieren. Bis zum Juni dieses Jahres will Microsoft nun insgesamt 4,5 Millionen bis 5,5 Millionen Einheiten seiner neuen Xbox verkauft haben.
Im Geschäft mit tragbaren Videospielen hat Sony indessen einen großen Erfolg gelandet. Von der im vergangenen Jahr auf den Markt gebrachten Playstation Portable hat Sony bislang rund 15 Millionen Stück verkauft. Bis zum Jahresende 2005 hat Sony damit nach eigenen Angaben im Einzelhandel einen Umsatz von 1,6 Milliarden Dollar erzielt. Die Playstation Portable hat neben Videospielen ebenfalls eine Musikfunktion. Im Geschäft mit den tragbaren Geräten ist auch das japanische Unternehmen Nintendo mit Marken wie Game Boy und Nintendo DS ein starker Wettbewerber.
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