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Spielekonsolen Microsoft schließt Verzögerung bei der Xbox 360 aus

12.06.2005 ·  Die Spielekonsole soll vor Weihnachten in ausreichender Stückzahl in den deutschen Läden stehen. Im aktuellen Geschäftsjahr will der Konzern in Deutschland 100 Arbeitsplätze schaffen.

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Die neue Spielkonsole von Microsoft kommt in Deutschland pünktlich zum Weihnachtsgeschäft in den Handel. „Die Xbox 360 wird vor Weihnachten in einer ausreichenden Stückzahl in Deutschland zu haben sein“, sagte Jürgen Gallmann, Vorsitzender der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Gallmann wies damit Spekulationen von Analysten zurück, daß sich der Zeitplan möglicherweise als zu ehrgeizig erweisen könne.

Der japanische Wettbewerber Sony hatte das Erscheinungsdatum seiner in Asien und Amerika seit geraumer Zeit erhältlichen, tragbaren Spielkonsole „Playstation Portable“ in Deutschland vom Frühjahr auf den Herbst verschieben müssen. Dieses Schicksal will sich Microsoft bei der „Xbox 360“ ersparen. „Und für die Konsole werden vom Verkaufsbeginn an zwischen 30 und 40 Spiele verfügbar sein“, sagte Gallmann. Dazu sollen auch die weitverbreiteten Spiele des Weltmarktführers Electronic Arts gehören.

Große Hoffnungen setzt Microsoft in die Fähigkeit der Konsole, sich in ein Heimnetzwerk von Computern einbinden zu lassen, die mit dem Betriebssystem "Windows XP Media Center" ausgerüstet sind. Einige der neuen Spiele sollen der Kreativität des Nutzers breiten Raum geben. „Es wird Spiele geben, bei denen die Spielgrenzen vom Spieler selbst festgelegt werden“, sagte Gallmann.

Alternativen zum iPod geplant?

Die Vermutung, der Computerhersteller Apple wende sich auch deshalb von seinem bisherigen Chiplieferanten IBM ab, weil IBM die Xbox mit einem Hochleistungsprozessor ausstattet, der Apple vorenthalten worden sei, mag Gallmann nicht teilen. „Es ist jedenfalls nicht so, daß dieser Prozessor zuvor auf keinem Entwicklungsplan aufgetaucht wäre. Wir haben schon im vergangenen Jahr angekündigt, mit welchem Partner wir beim Prozessor zusammenarbeiten“, sagte Gallmann.

Die „Xbox 360“ wird von einem IBM- „PowerPC“-Prozessor mit einer Taktrate von 3,2 Gigahertz und drei Prozessorkernen angetrieben werden. Apple wartet bisher vergeblich auf einen „PowerPC“-Prozessor mit 3 Gigahertz und einem Kern und hat sich in der vergangenen Woche entschieden, die wesentlichen Chips seiner Computer künftig von Intel und nicht mehr von IBM zu beziehen.

„Wir waren uns im klaren, daß es schwer werden wird, mit der ersten Generation der Xbox Geld zu verdienen. Spielekonsolen mit gutem Gewinn zu produzieren erfordert sieben bis zehn Jahre Geduld“, sagte Gallmann. Marktführer Sony sei Microsoft immer noch ein ganzes Stück voraus. „Um an Sony nahe heranzukommen, müßten wir von der Xbox 360 mehr als 50 Millionen Exemplare verkaufen.“ In bezug auf den digitalen Musikspieler „iPod“ von Apple sagte Gallmann, daß Microsoft sich grundsätzlich darüber freue, daß Apple damit Erfolg gehabt hat. Dies sei gut für die gesamte IT-Branche. Aber Gallmann läßt auch keinen Zweifel daran, daß das Unternehmen versuchen wird, dem iPod so schnell wie möglich Alternativen entgegenzustellen.

Stärkeres Engagement im Mobilfunkmarkt

Große Hoffnungen setzt Microsoft nach den Worten von Gallmann auch in das Geschäft mit dem Mobilfunk. Hier ist der Softwarekonzern zwar schon im Segment der Taschencomputer (PDA) mit seinem Betriebssystem „Windows Mobile“ erfolgreich, will aber auch im weiter wachsenden Markt der Mobiltelefone als Softwareanbieter mitmischen. Diese Strategie ist allerdings bisher nur von geringem Erfolg gekrönt gewesen, obwohl der Konzern hohe Millionenbeträge in die Entwicklung der Handysoftware investiert hat. Das soll sich nach Angaben von Gallmann mit der neuen Softwareversion 5, die vor wenigen Tagen von Microsoft-Chef Bill Gates in Las Vegas vorgestellt wurde, ändern. Hier sind Funktionen wie die automatische Übermittlung von E-Mail (Push) auf das Handy integriert, die vor allem dem Konkurrenten Blackberry das Wasser abgraben sollen, dessen Geräte gerade durch diese Fähigkeiten sehr erfolgreich geworden sind.

Gallmann bestätigte, daß mehrere große Handyhersteller - darunter Motorola und Samsung - in Kürze Geräte mit der neuen Software herausbringen würden. Gallmann tritt damit auch Vermutungen in der Branche entgegen, daß sich Microsoft mit der neuen Software eher auf den PDA-Markt konzentrieren wolle und das Segment der einfachen Mobiltelefone aus dem Fokus der Anstrengungen nehme. Microsoft setzt seine Hoffnungen in diesem Markt auch auf die Tendenz zu einer stärkeren Multifunktionalität der mobilen Geräte.

Ziel sei es, alle Funktionen - wie Telefonie und Musik hören sowie Fotografieren und die Verwaltung des Terminkalenders - in einem Gerät zu bündeln. Im Geschäft mit der Suche im Internet habe Microsoft einen „signifikanten Millionenbetrag“ investiert, um den Vorsprung des Weltmarktführers Google aufzuholen. Microsoft setze in Zukunft vor allem auf die gleichzeitige Suche in allen Dateien auf dem eigenen Computer. Diese „Desktop-Suche“ ist vor wenigen Tagen fertig geworden.

Gallmann: „100 neue Arbeitsplätze in Deutschland“

Nach Ansicht von Gallmann wird das Internet in Zukunft auch das Fernsehprogramm übertragen. „Das Internet wird zum universellen Trägermedium für Daten, Telefon und Fernsehen“, sagte Gallmann. Microsoft teste die Übertragung des Fernsehprogramms über das Internet (IPTV) gemeinsam mit der Deutschen Telekom. Die Datenübertragungsgeschwindigkeiten von 6 Megabit je Sekunde, die zur Zeit in den DSL-Netzen erreicht werden, ermöglichen die Übertragung der Fernsehbilder in Echtzeit. Allerdings werde IPTV mehr bieten müssen als die herkömmlichen Übertragungskanäle Kabel, Satellit oder digitales terrestrisches Fernsehen (DVB-T). „Bei der Übertragung eines Formel-1-Rennens können in einem Bild parallel auf einer Website zeitgleich alle Rundenzeiten und die Abstände der Fahrer zueinander gezeigt werden, um dem Zuschauer einen Mehrwert zu bieten“, sagte Gallmann.

In Deutschland ist das Unternehmen Microsoft, das im kommenden Jahr 30 Jahre alt wird, seit 22 Jahren vertreten. In dieser Zeitspanne ist die Zahl der Mitarbeiter von 6 auf heute rund 1900 gestiegen. Im laufenden Jahr will Gallmann 100 neue Arbeitsplätze schaffen. „Und an jedem unserer Arbeitsplätze hängen bei unseren Partnern noch einmal 51 Stellen“, sagte Gallmann.

Quelle: Kno./ht./jcw., F.A.Z., 13.06.2005, Nr. 134 / Seite 13
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