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Soziale Netzwerke Google+ bringt Konkurrenten in die Defensive

07.07.2011 ·  Die Branche feiert das in der vergangenen Woche vorgestellte Google+ als Erfolg. Noch ist das soziale Netzwerk in der Testphase und nur auf Einladung zugänglich, könnte aber zu einem echten Herausforderer für Facebook werden.

Von Roland Lindner, New York
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Der amerikanische Internetkonzern Google findet sich mit seinem gerade gestarteten sozialen Netzwerk Google+ in einer ungewohnten Position: Nachdem das Unternehmen für seine vielen bisherigen Anläufe mit sozialen Netzwerken regelmäßig Verrisse geerntet hat, stößt Google+ auf einhellig positive Resonanz. In der Branche wird Google nun zugetraut, den lange ersehnten Durchbruch bei sozialen Netzwerken zu schaffen und zu einem echten Herausforderer für Facebook zu werden. Auch der Kurznachrichtendienst Twitter könnte in die Defensive geraten.

Das jüngste Indiz für den Erfolg von Google+ kam, als Facebook-Vorstandsvorsitzender Mark Zuckerberg Mitte der Woche eine Allianz mit dem Internettelefonieanbieter Skype ankündigte – und sich damit plötzlich in der Rolle des Nachzüglers fand. Facebook-Nutzer können nun Videogespräche über Skype führen. Die Begeisterung in der Technologieszene hielt sich aber in Grenzen, da Google+ umfassendere Möglichkeiten für solche Videochats bietet. Die Funktion „Hangout“ erlaubt Videokonferenzen mit bis zu zehn Teilnehmern, bei Facebook werden zunächst nur Gespräche zwischen zwei Nutzern möglich sein.

Facebook hat den Vorteil eines riesigen Netzwerkeffekts

Google hat sein neues soziales Netzwerk erst in der vergangenen Woche vorgestellt. Google+ ist noch in der Testphase und nur auf Einladung zugänglich. Wie viele Nutzer der Dienst bislang hat, ist unklar. Applaus bekommt vor allem der neue Ansatz von Google+ für einen selektiveren Austausch von Informationen. Ein zentraler Baustein von Google+ sind die verschiedenen Personenkreise (Circles). Das macht es für Nutzer einfacher, Einträge oder Fotos nur für jeweils bestimmte Gruppen von Kontakten sichtbar zu machen, etwa Kollegen oder Familie. Zwar ist es auch den Nutzern von Facebook möglich, Gruppen zu bilden. Aber die Standardeinstellung auf Facebook sieht vor, Informationen mit allen Kontakten zu teilen. Google+ integriert auch viele Funktionen von Twitter und macht es im Gegensatz zu Facebook möglich, anderen Nutzern zu folgen, ohne dass dies erwidert werden muss. Google+ ist anders als Twitter nicht auf kurze Einträge von 140 Zeichen beschränkt. „Google+ könnte Twitter zu schaffen machen“, schrieb Tom Anderson, Mitgründer des sozialen Netzwerks Myspace, auf seinem Profil bei Google+. Google hatte vor wenigen Tagen eine Allianz mit Twitter beendet. Stattdessen soll künftig Google+ eine größere Rolle bei der Suche bekommen.

Facebook hat den Vorteil eines riesigen Netzwerkeffekts: Zuckerberg sagte bei der Veranstaltung in dieser Woche, Facebook habe auf der ganzen Welt 750 Millionen Mitglieder. Allerdings kann Google beim Aufbau einer Gemeinde für Google+ auf viele eigene Dienste wie Gmail zurückgreifen, die mehrere hundert Millionen Nutzer haben. Einer der prominentesten bisherigen Nutzer von Google+ ist ausgerechnet Mark Zuckerberg. Er hat nach einer Google-Statistik fast 45.000 „Follower“, die seinem Profil folgen – so viel wie kein anderer aus der bisherigen Gemeinde von Google+.

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Jahrgang 1970, Wirtschaftskorrespondent in New York.

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