02.04.2004 · Sun Microsystems hat im Rechtsstreit mit Microsoft eine Einigung erzielt. Microsoft zahlt demnach 1,6 Milliarden Dollar an Sun. Außerdem kündigte das Unternehmen weitere Restrukturierungsmaßnahmen an.
Der angeschlagene Hersteller von Netzwerkrechnern (Servern) hat am Freitag für eine ganze Serie von Paukenschlägen gesorgt. Völlig überraschend hat das Unternehmen angekündigt, sämtliche Rechtsstreitigkeiten mit dem Softwarekonzern Microsoft beigelegt zu haben. Gleichzeitig warnte Sun vor einem deutlich schlechteren Ergebnis für das laufende Quartal und wird fast 10 Prozent seiner Mitarbeiter entlassen. Die Gesellschaft hat außerdem einen für das Tagesgeschäft zuständigen Chief Operating Officer bestimmt.
Die Einigung im Rechtsstreit mit Sun läßt sich Microsoft deutlich mehr kosten als die in der vergangenen Woche festgesetzte Strafe im Kartellverfahren der EU-Kommission. Microsoft zahlt demnach 1,6 Milliarden Dollar an Sun. Von dem Betrag entfallen 700 Millionen Dollar auf die Beilegung von Kartellklagen und 900 Millionen Dollar auf die Beendigung von Patentstreitigkeiten. Die EU-Kommission hatte ein Bußgeld von 497 Millionen Euro verhängt. Darüber hinaus haben Microsoft und Sun ein Technologieabkommen geschlossen, wonach die beiden Unternehmen sich gegenseitig Lizenzgebühren zahlen. Microsoft wird eine Vorabzahlung von 350 Millionen Dollar an Sun leisten.
Restrukturierung
Sun kündigte außerdem die Entlassung von 3300 Mitarbeitern an. Das entspricht knapp 10 Prozent der Belegschaft, die zuletzt auf 35 000 beziffert wurde. Im Zuge dieser Restrukturierung werden Sun nach eigenen Angaben Aufwendungen von 475 Millionen Dollar entstehen, wovon 200 Millionen Dollar auf das laufende dritte Quartal des Geschäftsjahres 2003/2004 (30. Juni) entfallen sollen. Für diesen Zeitraum erwartet Sun nun einen Nettoverlust vor bestimmten Aufwendungen von 200 bis 260 Millionen Dollar oder 6 bis 8 Cent je Aktie. Analysten hatten bislang mit 3 Cent gerechnet. Allerdings wird wohl nicht nur das Ergebnis, sondern auch der Umsatz deutlich niedriger ausfallen als bisher gedacht. Sun sagt einen Umsatz von 2,65 Milliarden Dollar voraus, während die durchschnittliche Schätzung von Analysten bislang bei 2,83 Milliarden Dollar lag.
Weiterhin berief Sun mit sofortiger Wirkung Jonathan Schwartz zum President und Chief Operating Officer. Analysten hatten von Chairman und Chief Executive Officer Scott McNealy lange gefordert, eine solche Position zu schaffen. McNealy wurde wiederholt vorgeworfen, Sun als Alleinherrscher zu führen. Er ist einer der vier Gründer und der letzte, der noch bei Sun ist. Schwartz war zuvor als Executive Vice President für Software zuständig.
Die Ankündigungen vom Freitag kommen in vielerlei Hinsicht einer Kapitulation von McNealy gleich. Der Kampf gegen Microsoft erschien in der Öffentlichkeit vor allem als persönlicher Feldzug von McNealy. Auch hatte sich McNealy lange gegen einen so deutlichen Einschnitt beim Personal gewehrt. Sun hat in den vergangenen Jahren Marktanteile gegenüber Wettbewerbern wie Dell, Hewlett-Packard oder IBM verloren. Das Unternehmen leidet darunter, daß Wettbewerber auf ihren Servern das lizenzgebührenfreie Betriebssystem Linux einsetzen. Sun selbst hat erst recht spät selbst Linux-Angebote in sein Programm aufgenommen. In der Pressemitteilung wies Sun explizit darauf hin, daß McNealy seine Aufgaben fortführen wird. Der Kurs der Sun-Aktie stieg im Verlauf um 10 Prozent.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.383,18 | +0,47% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2528 | −0,11% |
| Rohöl Brent Crude | 106,82 $ | −0,41% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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