Der erbittert geführte Übernahmekampf in der amerikanischen Softwareindustrie ist zu Ende: Mehr als eineinhalb Jahre nach dem ersten feindlichen Übernahmeangebot des Wettbewerbers Oracle hat Peoplesoft aufgegeben. Die beiden Anbieter von betriebswirtschaftlicher Standardsoftware haben eine endgültige Übernahmevereinbarung unterzeichnet.
Die Transaktion soll nach Angaben von Oracle bereits Anfang Januar vollzogen werden. Das Unternehmen hat keinerlei kartellrechtliche Hürden mehr zu überwinden. Sowohl die Kartellbehörden in den Vereinigten Staaten als auch in Europa haben dem Zusammenschluß bereits zugestimmt. Chuck Philips, der Co-Präsident von Oracle, nannte die Einigung in einer Telefonkonferenz einen großen Wendepunkt in der Unternehmenssoftwarebranche.
Eine gute Lösung für die Aktionäre
Die Zustimmung von Peoplesoft hat sich Oracle mit einer nochmals deutlichen Aufstockung des Preises erkauft. Oracle wird nun 26,50 Dollar je Aktie oder 10,3 Milliarden Dollar für den Wettbewerber bezahlen. Oracle hatte zuletzt Ende Oktober sein Angebot von 21 auf 24 Dollar erhöht und dies als "besten und endgültigen" Preis bezeichnet. Der Verwaltungsrat von Peoplesoft hatte dieses wie auch schon die anderen Angebote von Oracle zurückgewiesen.
Der nun ausgehandelte Preis liegt deutlich über dem ersten Angebot von 16 Dollar je Aktie im Juni vergangenen Jahres. Peoplesoft-Chairman George Battle sagte in einer Mitteilung, nach sorgfältiger Überlegung sei der Verwaltungsrat zu dem Schluß gekommen, daß das neue Angebot eine gute Lösung für die Aktionäre darstelle. "Es war ein langer und emotionaler Kampf", fügte er hinzu.
Juristische Auseinandersetzungen beigelegt
Die Aktionäre von Peoplesoft hatten sich ohnehin bereits mit dem Zusammenschluß arrangiert. Schon beim 24-Dollar-Angebot hatten sich 61 Prozent der Aktionäre für einen Verkauf ihrer Aktien ausgesprochen. Dieses Ergebnis dürfte ein entscheidender Wendepunkt in dem Übernahmekampf gewesen sein. Die Einigung dürfte auch durch einen Gerichtsprozeß beschleunigt worden sein, den Oracle im Bundesstaat Delaware gegen Peoplesoft geführt hat.
Oracle hat dabei die Aufhebung einer sogenannten Giftpille bei Peoplesoft gefordert, mit der eine Übernahme verhindert werden sollte. Sie hat die Ausgabe einer Fülle von neuen Aktien an die Altaktionäre vorgesehen, sobald ein unerwünschter Käufer mehr als 20 Prozent am Unternehmen erwirbt. Dies hätte den Kaufpreis für Oracle in prohibitive Dimensionen erhöht. Für den gestrigen Montag war eigentlich eine Anhörung in Delaware vorgesehen. Möglicherweise hat Peoplesoft nun im Hinblick auf eine befürchtete Niederlage vor Gericht kapituliert. Mit der Übernahmevereinbarung werden alle laufenden juristischen Auseinandersetzungen zwischen Oracle und Peoplesoft beigelegt.
Oracle will Kundenliste
Oracle schien in dem Übernahmekampf lange Zeit auf verlorenem Posten. Eine Wende zeichnete sich allmählich in diesem Herbst ab. Zunächst schaffte es das Unternehmen überraschend, die kartellrechtliche Blockade des amerikanischen Justizministeriums vor Gericht aufzuheben. Dann entließ Peoplesoft unerwartet seinen Chief Executive Officer Craig Conway, der sich mit aller Macht gegen einen Zusammenschluß mit Oracle gestemmt hatte. An seine Stelle rückte damals David Duffield, der Peoplesoft im Jahr 1987 gegründet hat und sein Unternehmen nun verkauft.
Zusammen mit Peoplesoft steigt Oracle nun zum zweitgrößten Anbieter von betriebswirtschaftlicher Standardsoftware hinter SAP auf, die zum Beispiel im Rechnungs- und Personalwesen oder in der Warenbeschaffung eingesetzt wird. Oracle hat von Anfang an keinen Zweifel daran gelassen, vor allem an der Kundenliste von Peoplesoft interessiert zu sein und weniger daran, die Produkte des Unternehmens weiterzuentwickeln. Am Montag stellte Oracle allerdings neue Versionen von Peoplesoft-Produkten in Aussicht. Noch unklar ist das Schicksal der 12.000 Mitarbeiter von Peoplesoft. Oracle hatte in der Vergangenheit für den Fall einer Übernahme einen massiven Stellenabbau angedeutet.
Neue Softwarelizenzen
Oracle veröffentlichte am Montag außerdem seine Zahlen für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2004/2005 (31. Mai) und hat damit die Erwartungen übertroffen. Das Unternehmen steigerte seinen Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 10 Prozent auf 2,76 Milliarden Dollar. Der von den Märkten besonders aufmerksam beobachtete Umsatz mit neuen Softwarelizenzen legte um 14 Prozent auf 971 Millionen Dollar zu. Dieses Wachstum wurde angetrieben von einem Plus von 57 Prozent im Geschäft mit Standardsoftware, das nun mit Peoplesoft ausgebaut wird. Im vorhergehenden Quartal hatte Oracle hier noch einen Rückgang von 36 Prozent ausgewiesen. Standardsoftware ist für Oracle noch ein verhältnismäßig junges Geschäft. Groß geworden ist das Unternehmen mit Datenbankprogrammen, die noch heute mehr als drei Viertel zum Umsatz beitragen.
Nach Angaben von Oracle soll die Übernahme von Peoplesoft sich noch im laufenden Geschäftsjahr positiv auf den Gewinn auswirken und im vierten Quartal einen Cent je Aktie zum Ergebnis beitragen. Für das Geschäftsjahr 2005/2006 erwartet Oracle von Peoplesoft einen Gewinnbeitrag von 8 Cent je Aktie. Chief Executive Officer Larry Ellison sagte in der Telefonkonferenz, das Unternehmen werde sich auch weiterhin um Akquisitionen bemühen. Dabei werde es sich allerdings wahrscheinlich um keine sehr großen Zusammenschlüsse mehr handeln.
