28.10.2005 · Microsoft hat im abgelaufenen Quartal den Gewinn dank solider Verkaufszahlen seines Betriebssystems Windows um ein Viertel gesteigert. Erwartungen der Wall Street wurden aber mit dem Ausblick enttäuscht.
Der weltgrößte Softwarekonzern Microsoft hat mit seinen Quartalszahlen nicht überzeugt. Die Microsoft-Aktie hat am Donnerstag im nachbörslichen Handel zunächst mehr als 3 Prozent verloren, nachdem das Unternehmen seine Zahlen für das erste Quartal 2005/2006 (30. Juni) vorgelegt hatte.
Insbesondere mit dem Ausblick auf das nächste Quartal blieb Microsoft unter den Erwartungen von Analysten. Microsoft sagte einen Umsatz von 11,9 Milliarden bis 12 Milliarden Dollar voraus, Analysten hatten im Schnitt mit 12,3 Milliarden Dollar gerechnet. Den Gewinn veranschlagte Microsoft für das aktuelle Quartal auf 32 bis 33 Cent je Aktie. Hier waren die Analysten mit bisher 38 Cent je Anteilsschein ebenfalls optimistischer. Im abgelaufenen Quartal steigerte Microsoft den Umsatz um 6 Prozent auf 9,74 Milliarden Dollar, während der Nettogewinn um 24 Prozent auf 3,14 Milliarden Dollar zunahm. Wachstum gab es vor allem im Geschäft mit dem Betriebssystem Windows für Personalcomputer und Netzwerkrechner (Server).
Internetsparte MSN wächst nur minimal
Die Internetsparte MSN legte dagegen nur minimal zu, während viele andere reine Internetunternehmen wie Google und Yahoo sprunghafte Zuwächse erzielt haben. Im Geschäft mit der Xbox-Videospielkonsole und zugehörigen Spielen gab es sogar einen deutlichen Umsatzeinbruch.
Microsoft-Finanzchef Chris Liddell sagte, der Konzern wolle beim Nachfolgemodell der Spielekonsole (siehe: Microsoft bringt die XBox 360 zum Weihnachtsgeschäft) in einer Startphase noch nicht alle Verkaufskapazitäten ausschöpfen. Liddell räumte ein, daß die Analysten sich mehr versprochen hätten. Das Kalkül des Unternehmens sei es aber, daß man sich bewußt für eine Drosselung in der Anlaufphase entschlossen habe, um keine Nachschubengpässe zu riskieren. Laut Microsoft sollen im gesamten laufenden Geschäftsjahr 4,5 bis 5,5 Millionen Xbox 360 ausgeliefert werden.
Zum Vergleich: Der japanische Elektronikkonzern Sony hatte am Donnerstag angekündigt, von seiner neuen Playstation 2 bis Ende März 14 Millionen Stück verkaufen zu wollen. Auch Analysten gingen davon aus, daß die vorsichtige Absatzprognose von Microsoft durch Produktionsbeschränkungen begründet ist. „Sie können eine Produktion nicht bei Null beginnen und innerhalb einer Woche auf eine Million Einheiten wuchten“, sagte Michael Pachter von Wedbush Morgan Securities, der selbst von sechs Millionen verkauften Xboxes bis Juni ausging.
Boom beim PC-Absatz hält an
In dem im September zu Ende gegangenen ersten Quartal wurde das Geschäft von Microsoft nach den Worten von Finanzchef Liddell vor allem durch den unverändert boomenden Absatz bei Personalcomputern bestimmt, auf denen Windows das vorherrschende Betriebssystem ist. Der Nettogewinn stieg im ersten Vierteljahr um 24 Prozent auf 31,4 Milliarden Dollar oder 29 Cent je Aktie. Ohne Berücksichtigung einer Belastung aus einem inzwischen beigelegten Rechtsstreit mit dem Konkurrenten RealNetworks habe der Gewinn 31Cent je Anteil betragen, teilte Microsoft weiter mit. Der Überschuss überstieg die Analystenerwartungen damit um einen Cent. Mit einem Umsatzwachstum um sechs Prozent auf 9,74 Milliarden Dollar blieb der Konzern jedoch leicht hinter den Erwartungen zurück, die bei 9,79 Milliarden Dollar gelegen hatten.“Wir hatten gehofft, etwas mehr zu sehen“, sagte Brendan Barnicle von Pacific Crest Securities.
„Wir sind uns über unseren Wachstumsausblick sicher“
Microsoft-Chef Steve Ballmer zeigte sich in einer E-Mail an alle Konzernbeschäftigten zuversichtlich, daß das Unternehmen mit der Xbox 360, einer neuen Datenbank-Software sowie neuen Versionen von Windows und der Bürosoftware Office an alte Wachstumsraten anknüpfen kann. „Wir sind uns über unseren Wachstumsausblick sicher - so sicher, daß wir heute eine Beschleunigung unseren Aktienrückkaufsprogramms beschlossen haben“, schrieb Ballmer. So kündigte Microsoft an, das in dem Programm noch ausstehende Volumen von 19 Milliarden Dollar bis spätestens Ende Dezember umzusetzen.
Für das gesamte Geschäftsjahr rechnet der Konzern unverändert mit einem Gewinn je Aktie von 1,26 bis 1,30 Dollar ohne Sonderposten bei einem Umsatz zwischen 43,7 Milliarden und 44,5 Milliarden Dollar. Die Wall Street hat ihre Erwartung bei 1,44 Dollar je Aktie und einem Umsatz von 44,29 Milliarden Dollar angesetzt.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.383,18 | +0,47% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2528 | −0,11% |
| Rohöl Brent Crude | 106,82 $ | −0,41% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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