22.10.2004 · Unbeeindruckt von unerwartet guten Quartalszahlen und einer höheren Gewinnprognose hat die Microsoft-Aktie leicht nachgegeben: Das Geschäft mit langfristigen Softwarelizenzen läuft schleppend.
Der weltgrößte Software-Hersteller Microsoft hat Gewinn und Umsatz im ersten Quartal des Geschäftsjahres unter anderem wegen starker Nachfrage der Geschäftskunden gesteigert. Eigene Erwartungen und die von Analysten wurden damit übertroffen.
Das Unternehmen nannte am Donnerstag nach Börsenschluß für das am 30. September beendete Vierteljahr einen Nettogewinn von 2,9 Milliarden Dollar oder 27 Cent pro Aktie, verglichen mit 2,6 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz kletterte um zwölf Prozent auf 9,19 Milliarden Dollar. Microsoft habe einen starken Anfang in das Geschäftsjahr gesehen und erwarte ein “sehr gutes Jahr mit anhaltendem Wachstum im Geschäft mit Geschäfts- wie mit Privatkunden“, sagte CFO John Connors anlässlich der Vorlage der Quartalszahlen am Donnerstag.
Weniger langfristige Lizenzen verkauft
Im ersten Quartal (30. September) seien weniger langfristige Softwarelizenzen verkauft als erwartet, sagte Connors weiter. Der Vorausumsatz (Unearned Revenue) sei im Berichtszeitraum um 395 Millionen Dollar gesunken. Analysten waren nur von einem Rückgang von rund 250 Millionen Dollar ausgegangen. Im Vorausumsatz sind zukünftige Umsätze von Microsoft enthalten, die im Berichtszeitraum vertraglich angesichert wurden. Im laufenden Quartal sollen die Vorausumsätze leicht steigen, im kommenden werden sie Microsoft zufolge dann aber wieder zurück gehen.
Die Kunden würden sich länger Zeit lassen, langfristige Lizenzverträge zu erneuern, sagte Connors zur Begründung. Zudem habe es Verzögerungen bei Vertragsabschlüssen gegeben. Er sehe dies aber nicht als Zeichen einer generellen Absatzschwäche. Der Auftragseingang von Microsoft sei „ziemlich
stark“, so Connors weiter. Der Markt reagierte mit Kursabschlägen auf die Nachricht. Die Aktien verloren im nachbörslichen Handel 1,9 Prozent von 28,56 auf 28,02 Dollar.
Verwirrung um Aktienvergütung
Manche Analysten begründeten den Kursverlust anders: mit Verwirrung um die Aktienvergütung für Microsoft-Mitarbeiter. Waren die Aktienvergütungen für Mitarbeiter in das Ergebnis je Aktie eingerechnet? Wie verhielt sich das zu den Erwartungen? Tatsächlich schließt der Nettogewinn von 27 Cent je Aktie die Aktienvergütungen ein. Ohne sie betrug der Gewinn je Aktie einigen Analysten zufolge 32 Cent und lag damit über den 30 Cent, die sie im Schnitt erwartet hatten. Der Kurs habe etwas nachgegeben, weil Händler nicht berücksichtigt hätten, daß man fünf Cent für die Aktienvergütung auf das Ergebnis aufschlagen müsse, sagte Brendan Barnicle, Analyst von Pacific Crest Securities.
Microsoft hatte anders als in der Branche üblich im vergangenen Jahr damit begonnen, seinen Mitarbeitern Aktien statt Optionen zu geben und dies damit begründet, daß so die Ausgaben besser reflektiert würden. Für das zweite Quartal rechnet Microsoft mit einem Umsatz von 10,3 bis 10,5 Milliarden Dollar und mit einem Gewinn je Aktie von 28 Cent - inklusive Aktienvergütungen.
Analysten erwarteten für das zweite Geschäftsquartal im Durchschnitt einen Umsatz von 10,63 Milliarden Dollar. Microsoft-Chef John Connors sagte, er erwarte, daß die Computerlieferungen im Geschäftsjahr bis Juni um acht bis zehn Prozent zunehmen werden. Für das Gesamtjahr rechnet der Konzern mit einem Umsatz von 38,9 bis 39,2 Milliarden Dollar und mit einem Gewinn je Aktie von 1,07 bis 1,09 Dollar inklusive Aktienvergütungen. Die Analystenerwartungen für den Umsatz im Gesamtjahr betragen im Schnitt 38,92 Milliarden Dollar. „Sowohl beim Gewinn je Aktie als auch beim Umsatz sieht es für das Gesamtjahr gut aus", sagte Barnicle.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.383,18 | +0,47% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2528 | −0,11% |
| Rohöl Brent Crude | 106,82 $ | −0,41% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
Anonym bewerben? Ist das gut?