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Software Bill Gates kündigt Abschied von Microsoft an

16.06.2006 ·  Microsoft-Gründer Bill Gates will sich bis Mitte 2008 allmählich aus dem Tagesgeschäft des weltgrößten Softwarekonzerns zurückziehen und sich verstärkt seiner Stiftungsarbeit widmen. Chef-Entwickler wird dann Ray Ozzie.

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Bill Gates, der Mitbegründer von Microsoft und reichste Mann der Welt, will sich allmählich aus dem Tagesgeschäft des größten Softwarekonzerns der Welt zurückziehen. Ab Juli 2008 werde er sich ganz auf die gemeinsam mit seiner Frau Melinda gegründete Stiftung zur Förderung von Gesundheits- und Bildungsprojekten konzentrieren. „Diese Entscheidung ist mir sehr schwergefallen“, sagte der 50 Jahre alte Gates auf einer Pressekonferenz am Sitz des Unternehmens in Redmond in der Nähe von Seattle.

„Der Wandel, den wir heute erleben, ist keine Pensionierung, er ist eine Neuordnung meiner Prioritäten“, sagte Gates. Die „Bill & Melinda Gates Foundation“ gilt mit einem Vermögen von knapp 30 Milliarden Dollar als größte wohltätige Organisation der Welt. Sie fördert vor allem Projekte in Entwicklungsländern. In der Rolle des Software-Megastars hat sich Gates nie wohl gefühlt: „Die Welt hat eine Tendenz, meiner Person ein unangemessenes Maß von Aufmerksamkeit zu schenken.“

Ray Ozzie und Craig Mundie rücken auf

Schon in den kommenden beiden Jahren werde er seine Arbeit für Microsoft schrittweise zurückfahren, sagte Gates. Er werde aber auch nach seinem Rückzug aus dem Tagesgeschäft Microsoft als Vorsitzender des Verwaltungsrates (Chairman) und Berater zur Seite stehen. Den Posten des Vorstandsvorsitzenden (Chief Executive Officer) hatte Gates, dessen Vermögen auf rund 50 Milliarden Dollar geschätzt wird, schon in Januar 2000 an seinen Studienfreund und langjährigen Weggefährten Steve Ballmer abgegeben und für sich den Posten des Chef-Software-Architekten geschaffen. Bis zu seinem Abschied aus dem operativen Geschäft wird Gates seine bisherigen Aufgabenbereiche schrittweise an Ray Ozzie und Craig Mundie übergeben, die die Positionen des „Chief Software Architect“ beziehungsweise des „Chief Research and Strategy Officer“ übernehmen.

Bill Gates kündigt Abschied von Microsoft an

Ballmer kündigte nach der Erklärung von Gates im Sinne seines Vorgängers ein kräftiges Wachstum in den kommenden Jahren an: „Wir werden seine Vision, im Großen zu denken und noch größer zu handeln, fortsetzen.“ Das dürfte für Ballmer und seine Mannschaft aber gar nicht so einfach werden, denn Gates' Rückzug fällt in eine Zeit, in der Microsoft versucht, mit einem Strategiewechsel seine dominierende Marktposition zu verteidigen. Das Unternehmen will künftig verstärkt darauf setzen, seine Produkte mit weiteren Internet-Serviceleistungen für Abonnenten anzubieten. Damit will Microsoft seine Einnahmen verstetigen und von einmaligen Software-Verkäufen unabhängiger werden.

Wachsende Konkurrenz

Microsoft muß sich zudem wachsender Konkurrenz erwehren, zum Beispiel durch das Internetunternehmen Google und den Computerhersteller Apple mit seinem erfolgreichen digitalen Musikspieler iPod. Sogenannte Open-Source-Software wie das lizenzgebührenfreie Betriebssystem Linux bereitet Microsoft im Marktsegment der Netzwerkrechner (Server) Schwierigkeiten. Mietsoftware-Unternehmen wie Salesforce.com, die Programme über das Internet bereitstellen, unterlaufen das traditionelle Vertriebssystem.

Die Gewinne aus seiner - rechtlich immer wieder umstrittenen - monopolartigen Stellung bei Betriebssystemen für Personalcomputer (Windows) und Programmen für Alltagsarbeiten im Büro (Office) nutzt das Unternehmen deshalb schon seit geraumer Zeit, um sich neue Geschäftsfelder aufzubauen, zum Beispiel mit der X-Box und der X-Box 360 beim Verkauf von Videospielen oder auf dem Markt betriebswirtschaftlicher Standardsoftware für Unternehmen. Nach allgemeiner Erwartung wird der Rückzug von Gates nur geringe Auswirkungen auf das operative Geschäft haben.

Microsoft-Aktie kaum berührt

„Bill Gates mag die Verantwortung für das Tagesgeschäft abgeben, er wird sich aber niemals ganz von Microsoft zurückziehen“, sagte Anthony Sabino, Wirtschaftswissenschaftler an der St.-Johns-Universität der Nachrichtenagentur Reuters. Der Kurs der Microsoft-Aktie reagierte auf die Nachricht jedenfalls kaum.

Gates hatte Microsoft im Jahr 1975 im Alter von 19 Jahren gemeinsam mit seinem längst aus dem Unternehmen ausgeschiedenen Freund Paul Allen in Albuquerque (New Mexico) gegründet und im März 1986 an die Börse geführt. 1980 hatten Gates und Allen von IBM den Zuschlag erhalten, den ersten PC des Unternehmens mit einem Betriebssystem auszustatten. Seither hat sich das Unternehmen stürmisch entwickelt (siehe Grafik). Im laufenden Geschäftsjahr wird ein Umsatz von bis zu 44,5 Milliarden Dollar bei einem Gewinn von bis zu 18,8 Milliarden Dollar angestrebt. Beschäftigt werden mehr als 55 000 Mitarbeiter. Gates' Vision war, daß auf jedem Schreibtisch, in jedem Wohnhaus ein Personalcomputer stehen würde. Die Vision, die damals eher nach einer wilden Phantasie klang, ist längst Wirklichkeit. Als erstes Softwareunternehmen setzte Microsoft auf ein Geschäftsmodell, das niedrige Preise mit hohen Stückzahlen kombiniert. 95 Prozent aller PC arbeiten heute mit einem Microsoft-Betriebssystem.

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