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Software Apple und Microsoft fordern Adobe heraus

03.11.2005 ·  Mit neuen Produkten machen die Software-Veteranen Microsoft und Apple dem Konkurrenten Adobe das Leben schwer. Dessen Chef Chizen schlägt im Gespräch mit der F.A.Z. sehr kritische Töne an.

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Der kalifornische Softwarekonzern Adobe Systems Inc. gerät mit seinen Produkten zur Bearbeitung von Bildern, Videos und zum sicheren Austausch von Dokumenten am Computer immer stärker in das Visier von zwei potenten Wettbewerbern: Microsoft und Apple. „Microsoft bereitet mir zwar keine schlaflosen Nächte, aber sie machen uns mit neuen und angekündigten Produkten immer härtere Konkurrenz“, sagt Bruce Chizen, der Vorstandsvorsitzende von Adobe, im Gespräch mit der F.A.Z..

Chizen schlägt mit Blick auf Microsoft sehr kritische Töne an: „Die sind zwar ein Monopolist, haben aber Wachstumsprobleme, Schwierigkeiten mit der Moral ihrer Mitarbeiter - und auf vielen Märkten genauso wie wir mit starken Wettbewerbern zu kämpfen.“ Chizen hält es aber auch nicht für eine ausgemachte Sache, daß Microsoft bald eine große Akquisition tätigen wird, schon gar nicht in den Segmenten des Softwaremarktes, in denen Adobe tätig ist. „Wir werden uns hier mit Programmen auseinandersetzen müssen, die Microsoft selbst entwickelt hat“, vermutet Chizen.

Microsoft gibt sich zurückhaltend

Die von Microsoft angekündigte Fähigkeit der neuen Version des Büroprogrammpakets „Office 12“, vor ungewollten Veränderungen durch Dritte geschützte PDF-Dokumente zu erzeugen, muß nach Chizens Worten indes nicht unbedingt eine Herausforderung für Adobe sein. Produkte zur Erstellung und Bearbeitung von PDF-Dokumenten machen bei Adobe zwar einen großen Teil des Geschäftes aus. „Beim aktuellen Macintosh-Betriebssystem gibt es diese Funktion aber auch schon geraume Zeit, und sehr viele Kunden haben dennoch unser PDF-Produkt Acrobat gekauft, weil sie einen größeren Funktionsumfang brauchen“, sagt Chizen. Das werde bei der neuen Office-Version nicht anders sein.

Aber auch Apple trete mit seinem neuen Bildbearbeitungsprogramm „Aperture“ eindeutig in Wettbewerb zum „Photoshop“-Angebot von Adobe. „Es wird viele Kunden geben, die sich möglicherweise für Aperture entscheiden und dann kein Photoshop mehr kaufen“, räumt Chizen ein. Adobe nehme die Herausforderung ernst. „Wir müssen weiter innovativ sein, um wettbewerbsfähig zu bleiben.“ Die Chancen dafür stünden aber gut: „In Photoshop stecken zwölf Jahre Forschung und Entwicklung. Es ist der Marktführer.“

Eine Entwicklung wie bei der professionellen Software zur Bearbeitung digitaler Videos, bei der Apple vor einigen Jahren mit „Final Cut“ dem Adobe-Produkt „Premiere“ das Wasser abgegraben hat, befürchtet Chizen nicht. „Premiere war damals längst nicht so gut im Markt etabliert wie Photoshop, es war ein Programm mit viel weniger Funktionen.“ Apple habe mit Premiere also ein leichteres Spiel gehabt.

Angebot vom Wettberb absetzen

Die Einführung von Aperture sei vor dem Hintergrund der Apple-Strategie nachvollziehbar, mit spezieller Software, die es nur für die hauseigenen Macintosh-Computer gibt, die Hardware des Unternehmens vom Angebot des Wettbewerbs abzuheben. „Wir verfolgen eine andere Strategie und wollen den Kunden mit Programmen, die sowohl auf Macintosh als auch auf Windows-Rechnern laufen, die Wahl lassen“, sagt Chizen.

Nach der Übernahme des amerikanischen Softwareunternehmens Macromedia für 3,4 Milliarden Dollar in Aktien, die noch im November oder aber im Dezember 2005 abgeschlossen werden soll und am Markt ein geteiltes Echo gefunden hat, wird sich diese Auswahlmöglichkeit sogar noch verbreitern. Macromedia hat die sogenannte „Flash“-Software entwickelt, mit der Grafiken im Internet animiert werden können. Darüber hinaus verkauft Macromedia Software zur Gestaltung von Internetseiten, für Präsentationen und für Videokonferenzen.

Bessere Möglichkeiten zum Dokumententransfer im Internet

Ziel von Chizen ist es unter anderem, die Macromedia-Software für Internet-konferenzen mit einem Programm zu verknüpfen, das es ermöglicht, gemeinsam mit Kollegen an unterschiedlichen Orten zur selben Zeit an einem PDF-Dokument zu arbeiten. Damit ist auch diese Transaktion mit Blick auf die Ambitionen von Microsoft in diesem Markt zu sehen. Denn Microsoft will in seine nächste Betriebssystem-Software „Windows Vista“ bessere Möglichkeiten zum Dokumententransfer im Internet integrieren.

Trotz dieser Herausforderungen entwickelt sich das laufende Geschäft von Adobe positiv. Vor wenigen Tagen hat Chizen angekündigt, daß das Ergebnis mit 29 Cent je Aktie und der Umsatz des vierten Quartals mit rund 510 Millionen Dollar am oberen Ende der Erwartungen liegen werden. Die Aktie hat trotz der verhaltenen Aufnahme der Macromedia-Akquisition in den vergangenen zwölf Monaten 15 Prozent zugelegt.

Quelle: Kno., F.A.Z., 04.11.2005, Nr. 257 / Seite 22
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