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Versandapotheken : „Schnäppchenmentalität ist ein echtes Problem“

  • -Aktualisiert am

Medikamente einer Internet-Apotheke werden für den Versand vorbereitet. Bild: Frank Röth

Allein im Jahr 2015 hat der Zoll fast vier Millionen gefälschte Tabletten beschlagnahmt. Wer sich jedoch an gewisse Regeln hält, kann im Netz so sicher einkaufen wie in der Apotheke vor Ort.

          Eine Kreditkarte und eine Adresse – mehr braucht es nicht, um ein rezeptfreies Medikament in Deutschland bestellen zu können. Internet-Händler locken oft mit niedrigen Preisen und in ländlichen Regionen erspart die Lieferung bis zur Haustür lange Fahrten. Doch in einem Punkt unterscheiden sich Medikamente von anderen Waren: Wer eine Fälschung bestellt, riskiert nicht nur eine schlechtere Qualität, sondern vor allem die eigene Gesundheit.

          Um dieses Problem zu vermeiden, ist der Versandhandel in Deutschland genau so streng geregelt wie der örtliche Verkauf. Apothekenpflichtige Präparate darf nur verkaufen, wer auch eine niedergelassene Apotheke besitzt. Außerdem muss Fachpersonal per Telefon, E-Mail oder Post erreichbar sein, um Kunden über Medikamente und Wechselwirkungen wie in der Apotheke vor Ort aufklären zu können.

          Trotzdem passiert es immer wieder, dass Konsumenten gefälschte Medizin im Internet bestellen, nicht selten wegen verlockender Preise. „Die Schnäppchenmentalität der Deutschen ist ein echtes Problem“, sagt der Professor für Pharmazeutische Chemie, Manfred Schubert-Zsilavecz, von der Goethe-Universität Frankfurt. Es gebe nahezu perfekte Fälschungen, die erst bei einer professionellen Untersuchung identifiziert werden könnten.

          Rattengift in gefälschten Medikamenten entdeckt

          Im Inneren der nachgemachten Medikamente schlummern unkalkulierbare Risiken. Im besten Falle wirken sie ähnlich oder nicht. Falsche Inhaltsstoffe können jedoch auch nachhaltig die Gesundheit beeinträchtigen und im schlimmsten Fall zum Tod führen. So spricht zum Beispiel eine Veröffentlichung der EU-Kommission von Rattengift und bleihaltigen Färbemitteln, die in gefälschten Medikamenten in Europa gefunden wurden.

          Nur wer bei legalen Versandapotheken bestellt kann solche Fälschungen ausschließen. Welche das sind, hat das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) in einer offiziellen Datenbank gespeichert. Derzeit besitzen rund 1200 der etwa 20.000 deutschen Apotheken eine Lizenz für den Versand. Alle zugelassenen Internet-Händler in der EU müssen ein einheitliches Siegel mit der jeweiligen Landesflagge auf ihrer Webseite tragen. Wer es anklickt, sollte bei deutschen Händlern zur DIMDI-Datenbank weitergeleitet werden.

          Selbst wenn man lediglich einen Arzneitee oder Nahrungsergänzungsmittel kaufen möchte, sollte man auf das EU-Siegel achten, denn auch in diesem Bereich kursieren Fälschungen. Für die Internethändler in diesem Segment gelten die gleichen Auflagen wie beispielsweise für Drogeriemärkte. Für den Verkauf muss kein Apotheker eingetragen sein, das Personal muss aber über einen sogenannten Sachkundenachweis verfügen. Das DIMDI führt derzeit 97 registrierte Einzelhändler in seiner Kartei.

          Bestimmte Medikamente gibt es auch im Internet nur gegen Rezept

          Einen der wohl größten Märkte für gefälschte Medizin gibt es bei den sogenannten Lifestyle-Präparaten. Dazu gehören zum Beispiel Potenzmittel, Diätpillen und Wirkstoffe gegen Haarausfall. Um die gewünschten Effekte zu erreichen, enthalten diese Mittel oft starke Wirkstoffe. Eines der bekanntesten Produkte auf dem Markt dürfte die blaue Potenzpille „Viagra“ sein. Bevor man diese Medizin erhalte, müsse ein Arzt erst eine ganze Reihe von möglichen Wechselwirkungen ausschließen und ein Rezept ausstellen, warnt Pharmakologe Schubert-Zsilavecz. „Es gibt immer wieder Todesfälle, weil Viagra ohne Abklärung eingenommen wird und dann mit anderen Medikamenten in eine toxische Wechselwirkung tritt.“

          Verschreibungspflichtige Präparate kann ein Kunde in Deutschland nur dann bestellen, wenn er vorher ein gültiges Rezept per Post einschickt – muss es schnell gehen, sind Apotheken vor Ort hier der deutlich schnellere Weg. Internet-Händler, die verschreibungspflichtige Produkte frei verkaufen oder selbst Rezepte ausstellen, sind unseriös. Meist sitzen die Firmen im Ausland und vertreiben von dort die gefälschten Produkte.

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