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Schule : Das digitale Klassenzimmer

Schule fürs Leben? Schüler des neuen Gymnasiums Rüsselsheim arbeiten mit dem Tabletcomputer. Bild: dpa

Welche Rolle sollen Computer in Klassenräumen spielen? Die meisten Schulen haben darauf noch keine Antwort gefunden. Ein Gymnasium in Westfalen schon - dort wird sogar das Smartphone im Unterricht benutzt.

          Gerne konkurrieren Schüler mit Gleichaltrigen mit Sätzen wie: „Bei uns gibt es fünf Smartboards, und bei euch?“ Wenn das Gegenüber dann von weniger digitalen Tafeln berichten muss, steht die eigene Schule in hellem Lichte da. Fragt man freilich genauer nach, was mit der Tafel Besonderes gemacht wird, erfährt man nicht selten, sie werde wie die herkömmliche Kreidetafel benutzt, ansonsten würden darauf Filme gezeigt. Dafür reichte auch ein Beamer; mit wenigen hundert Euro ist er zudem wesentlich billiger als ein interaktives Whiteboard, das mit ein paar tausend Euro zu Buche schlägt.

          Lisa     Becker

          Redakteurin in der Wirtschaft

          „Ein elektronisches Whiteboard ist wesentlich mehr als eine Tafel und eine Fläche für Filme“, mahnt Horst Niesyto, Medienpädagoge an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg. Um seine vielen Möglichkeiten zu nutzen, brauche es aber ein neues Verständnis von Lernumgebung.

          Ein Beispiel: Unterrichtsgegenstand ist der Krieg in der Ukraine: Was die Schüler dazu aus verschiedenen Quellen erfahren haben, wird auf der digitalen Tafel gesammelt, verglichen und bewertet; zum Schluss stellen die Schüler ein eigenes multimediales Produkt her. „So führt man sie aus ihrer passiven Rolle heraus“, erklärt Niesyto. Gleichzeitig lernten sie, wie man mit den neuen Medien verantwortungsvoll und kompetent umgehe.

          Das Franz-Stock-Gymnasium im westfälischen Arnsberg ist äußerlich eine unauffällige Schule. Doch der erste Eindruck täuscht: Das Gymnasium ist eine der wenigen öffentlichen Schulen in Deutschland, die sich mit großer Entschlossenheit ins digitale Zeitalter aufgemacht haben, es gilt als Vorreiter.

          Die Schule ist auf Twitter

          Antreiber dieser Entwicklung ist Andreas Pallack, der die Schule seit eineinhalb Jahren leitet. Der 42 Jahre alte Pallack wurde in Mathematikdidaktik promoviert, er setzte sich als Mitarbeiter in Behörden und Instituten mit Unterrichtsentwicklung und neuen Lehrmethoden auseinander. Gerade ist die Schule auf Twitter gegangen. Wo das hinführt, weiß Pallack noch nicht. Doch er probiert gerne aus. „Twittern ist mein neues Hobby“, verkündet er fröhlich. Pallack glorifiziert die digitalen Medien aber nicht: „Sie sind nur eine Erweiterung der bisher schon genutzten Medien.“ Letztlich gehe es immer nur darum, was ein Lehrer wie erreichen wolle.

          Wie stark die digitalen Medien im Unterricht eingesetzt werden sollen, wird in Deutschland schon seit Jahren diskutiert. Mit großer Macht drängt das Thema allerdings erst seit ein paar Monaten in die Schulen. Das dürfte damit zusammenhängen, dass inzwischen schon fast alle Zwölfjährigen einen kleinen internetfähigen Hochleistungscomputer ständig bei sich tragen.

          Auch auf dem Deutschen Schulleiterkongress im März und auf der Bildungsmesse Didacta Ende Februar sind die digitalen Medien Schwerpunktthema. Für große Verunsicherung hat die International Computer and Information Literacy Study gesorgt. Danach ist Deutschland in der Nutzung von Computern im Unterricht internationales Schlusslicht.

          Mit Blick auf die Kompetenzen der deutschen Schüler im Umgang mit digitalen Medien bescheinigen die Forscher einem nicht unerheblichen Teil, nur über rudimentäre beziehungsweise basale Fertigkeiten zu verfügen. Als die Studienergebnisse im November veröffentlicht wurden, warnte der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Josef Kraus, freilich vor einer „totalen Computerisierung des Klassenzimmers“. Sie würde die Flüchtigkeit und den Konzentrationsmangel befördern und das Durchhaltevermögen verringern.

          Kreidezeit überwinden

          Der Präsident des Branchenverbands Bitkom, in dem sich gut 2200 Unternehmen der digitalen Wirtschaft zusammengeschlossen haben, verlangt hingegen, die Kreidezeit in den Schulen endlich zu überwinden. „Unsere Kinder brauchen Medien- und IT-Kompetenzen in praktisch allen Berufen sowie im Alltag“, führt Achim Berg zur Begründung an.

          Jedes Kind müsse einen Tabletcomputer oder ein Notebook zur Verfügung haben, außerdem gehöre in jedes Klassenzimmer eine digitale Tafel. Hinter diesem Verlangen kann man handfeste wirtschaftliche Interessen vermuten, doch auch Medienpädagogen mahnen eine deutlich bessere Ausstattung an.

          Da seien vor allem die Kommunen gefragt, sagt Niesyto. Die Initiative D21, in der sich Wirtschaft und Politik mit der Informationsgesellschaft befassen, sieht das Zeitalter der PC-Räume zu Ende gehen; die digitalen Medien müssten in den Fachunterricht integriert werden. Dafür brauche man aber nicht nur eine genügende Zahl von Geräten, sondern auch technische Unterstützung.

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