06.01.2010 · Das Nexus One als Gerät betrachtet ist keine Sensation. Das weiß auch Google. Es ist vielmehr die Kombination von Hardware, Software und Vertrieb, mit der das Unternehmen lockt. Mit dem Nexus One geht Google seinen Weg konsequent weiter.
Von Marco DettweilerEs war ausnahmsweise mal nicht Apple, sondern Google, das an einem Dienstag in Kalifornien in Form einer Produktpräsentation für Auserwählte die Welt der technischen Objekte maßgeblich bereichern wollte und sich mit der konkreten Ankündigung lange Zeit ließ. Seit Ende des letzten Jahres waren Bilder des Nexus One im Netz zu finden, weil ungeduldige und mitteilungsbedürftige Google-Mitarbeiter ihre Test-Geräte unbedingt fotografieren und umgehend online stellen mussten. Deshalb wusste die Technikgemeinde schon länger, wie der vermeintliche iPhone-Killer aussehen würde. Auf den ersten Blick wirkt das Smartphone mitnichten so anziehend und sexy wie das iPhone, sondern eher wie ein ambitioniertes, aber gewöhnliches Handy. Das war also allen klar, die auf die Präsentation des Nexus One warteten. Doch darauf kam es den meisten Zuschauern vermutlich gar nicht an.
Es war weniger das Äußere des Nexus One, was interessierte, sondern die technischen Werte der Hard- und Software. Und die sind sehr ordentlich und setzen sogar teilweise neue Maßstäbe. Das Handy verfügt über einen Snapdragon-Chipsatz, dessen Prozessorkern eine Taktfrequenz von einem Gigahertz hat. Deshalb sei das Nexus „so leistungsfähig wie ein drei bis vier Jahre alter Laptop“, sagt Andy Rubin, Google Vice President of Engineering, und somit zurzeit der schnellste Handy-Prozessor. Nexus' Display kann sich ebenso sehen lassen. Der Amoled-Bildschirm hat mit 480 x 800 Pixel eine hohe Auflösung, kräftige Farben ebenso wie starke Kontraste. Er ist 3,7 Zoll groß. Hinzu kommt als Hardware-Komponente eine 5-Megapixel-Kamera mit Autofokus-Objektiv. Die Hardware steckt in einem Gehäuse mit 11,5 Zentimeter Tiefe, was recht schmal ist, und wiegt 130 Gramm, was recht leicht ist.
Das Betriebssystem ist das von Google entwickelte und hinreichend bekannte Android - allerdings in der bislang unveröffentlichten Version 2.1. Damit lassen sich zum Beispiel Navigationsziele per Sprache eingeben. Der Nutzer diktiert sein Ziel, wie etwa bei der Vorführung „Navigate to Ikea“, in das Mikrofon und Nexus One zeigt daraufhin den Weg zum nächsten Ikea in der Googe Maps-Darstellung an. Die Genauigkeit dieser Software-Funktion spielt zusammen mit einem weiteren Hardware-Merkmal. Das Nexus One hat ein zweites Mikrofon, das auf der Rückseite angebracht ist und dadurch Android hilft, Sprache störungsfrei weitergeben zu können.
Google weiß wohl selbst, dass das Gerät keine Sensation ist und den Mobilfunkmarkt in Sachen Hardware nicht revolutionieren wird. Es ist unter anderem der Vertriebsweg, der den Markt neu sortieren könnte. Denn das Nexus One wird von Google selbst auf einer Webseite vertrieben. Der Erwerb ist zunächst an keinen Mobilfunkanbieter gebunden, das Handy kostet vertragsfrei 366 Euro. Momentan ist es nur in Amerika zu haben. Google bietet das Nexus allerdings auch mit Vertrag an. Dadurch profitierten „Verbraucher von der Möglichkeit, das Gerät ihrer Wahl mit einem Vertrag zu kombinieren, der optimal auf ihren Bedarf zugeschnitten ist.“ Es bleibt abzuwarten, wie etwa die Preise und Vertragsdetails in Deutschland aussehen.
Warum sollte man sich dieses Handy kaufen?
Eines steht fest: Google hat also gleich zu Anfang des Schwellenjahrs 2010 mit der Präsentation des Nexus One konkrete Antworten auf die Ende des letzten Jahres häufig gestellte Frage gegeben, wann das neue Google-Handy kommt und wie es aussehen wird. Dennoch bleiben nach der Veranstaltung noch einige Fragen offen, unter anderem die alles entscheidende: Warum sollte man sich dieses Handy kaufen? Es gibt bereits Smartphones mit dem Android-Betriebssystem, wie etwa Motorolas Milestone, zudem ist das konkurrierende iPhone enorm attraktiv.
Ohne dass bisher jemand das Nexus One ausführlich testen konnte, lässt sich mit den Erkenntnissen weniger Kurztester und den technischen Werten sagen, dass das Nexus One in Sachen Hardware mit anderen Smartphones mithalten kann, aber keine Revolution darstellt. Das Gerät ist zwar schnell, hat mit Android ein sehr gutes Betriebssystem und wartet mit netten Anwendungen auf. Ebenso lockt ein kostenloses Navigationssystem, das auf Google Maps basiert. Doch es fehlt etwa die von Apple eingeführte und anderen Herstellern kopierte Multi-Touch-Funktionalität. Zudem kann es nicht mit innovativen Features aufwarten, die den Nutzer in Staunen versetzen könnte. Wer bereits ein Handy mit Android-Betriebssystem besitzt, was in Amerika immerhin schon zehn Prozent tun, hat wenig Motivation das Nexus One zu kaufen. Das Milestone von Motorola und das Hero von HTC sind anerkannt gute Smartphones. Wo liegt also der Kaufanreiz?
Vertragsfreiheit ist keine echte Hemmschwelle
Oder anders herum gefragt: Wozu produziert und propagiert Google das Nexus One mit solchem Aufwand, wenn es bereits zwei Google-Handys gibt und sich diese letztlich nur in dem Punkt vom Nexus unterscheiden, dass Google dieses Mal bei der Hardware, die HTC produziert, mitbestimmt hat? Dass das Nexus direkt auf einer Webseite vertrieben und ohne Vertrag angeboten wird, könnte eine mögliche Antwort sein. Sicherlich gibt es nach wie vor Apple-Fans, die mit dem Kauf des iPhones zögern, weil sie sich damit an T-Mobile binden.
Die Exklusivität, mit der T-Mobile in Deutschland das iPhone bislang vertrieben hat, ist sowieso dahin. An das „Jesusphone“ kommt man mittlerweile ohne Vertrag. Ausgewählte O2-Kunden können es ebenso erwerben, wie Italienreisende, da es dort das iPhone ohne Vertrag zu kaufen gibt. Doch der Kauf eines vertrag- und simlockfreien Smartphones muss noch nicht einmal ein Gewinn sein. Um vertragsfreie Handys als mobile Internet-Geräte verwenden zu können, braucht der Besitzer bei ausgiebiger Nutzung auf jeden Fall eine Datenflatrate, die selbst bei Billiganbietern momentan noch zirka 20 Euro im Monat kostet. Zusammen mit den Telefonkosten und dem nicht subventionierten Smartphone-Preis sind die Ausgaben für ein iPhone mit einem beliebigen Anbieter in der Summe nicht so weit entfernt von den T-Mobile-Tarifen. Der Unterschied ist jedenfalls so gering, dass er bisher für die meisten Interessierten sicherlich keine echte Hemmschwelle beim Kauf des iPhones darstellte.
Android Market als Attraktion
Google könnte möglicherweise mit seinem Android Market locken. Dieser funktioniert ähnlich wie der App Store für das iPhone. Nutzer können sich dort kleine Anwendungen herunterladen. Im Vergleich zum App Store kann Google in seinem Android Market lediglich ein Fünftel an Anwendungen anbieten: zirka 18.000. Dafür können diese das Betriebssystem vollends ausreizen, weil die Entwickler auf Android ohne Einschränkungen zugreifen dürfen. Und was hat Google davon, außer dass das Unternehmen an den kostenpflichtigen Anwendungen im Android Market mitverdient?
Google könnte mit dem Geld verdienen, was das Unternehmen reich gemacht hat: Werbung. Erst vor kurzem hat der Internet-Konzern für 750 Millionen Dollar den Handy-Werber AdMob gekauft. Apple war auch daran interessiert, musste sich geschlagen geben und kaufte Quattro Wireless. Beide Unternehmen verfügen über ein Netzwerk für Werbung auf mobilen Geräten. Da Google mit Nexus One über ein eigenes Handy verfügt, also sowohl Hard- als auch Software entwickelt hat, könnte Werbung gezielt eingesetzt werden. Momentan verlieren etwa die Adwords auf dem iPhone an Bedeutung, weil Safari die Anzeigen an das Ende der Google-Suche schiebt und sie nicht wie auf einem üblichen Browser rechts neben der Trefferliste präsentiert.
Googles Vorstellung der digitalen Welt
Vielleicht muss man aber auch mal wieder Googles Vorstellung von der digitalen Welt bemühen, um zu verstehen, welche Bedeutung das Nexus One haben könnte. Bisher hat Google Innovationen präsentiert, die stets dem Gedanken untergeordnet waren, dass in Zukunft das Internet der Ort der Computeranwender wird. Alle Informationen und Anwendungen sollen „in-the-cloud“, also auf Servern - am besten auf Google-Servern zu finden sein. Programme werden im Internet ausgeführt und die Daten am besten auch dort gespeichert. Etwa mit Chrome Os, Googles Betriebssystem für Netbooks, geht Google konsequent diesen Weg und das Nexus One setzt diesen fort.
Im Desktop-Bereich hat Google die Nutzer schon in der Hand: Alle Welt googelt und immer mehr Nutzer stellen ihre Daten Google zur Verfügung, indem sie die Dienste des Unternehmens nutzen. Wenn die ersten Netbooks mit Chrome Os auf dem Markt kommen, verfolgt Google seine Nutzer auch mobil. Damit das Unternehmen dies auch vollständig tun kann, musste eine Alternative zum iPhone und anderen Smartphones her. Mit dem Betriebssystem Android ist man in den Markt bereits eingedrungen, mit dem Nexus One kann man ihn maßgeblich erweitern, weil Google auch die Hardware konzipiert. Das Vordringen auf dem Smartphone-Markt funktioniert aber nur unter einer - ziemlich banalen - Voraussetzung: Dass möglichst viele Menschen das neue Google-Handy kaufen. Und die Frage, warum man das tun sollte, ist immer noch nicht beantwortet.
Nexus One - Hardware-Features:
- Display: 3,7 Zoll Amoled 480x800 WVGA-Display
- Tiefe: 11,5 mm; Gewicht: 130 g
- Prozessor/Geschwindigkeit: Qualcomm Snapdragon 8250-Prozessor, mit Taktfrequenzen bis zu 1 GHz
- Kamera: 5-Megapixel-Autofokus mit Blitz und Geo-Tagging
- Interner Speicher: 512 MB Flash, 512 MB RAM
- Speichererweiterung: 4-GB-SD-Karte (erweiterbar bis 32 GB)
- Geräuschunterdrückung: Dynamische Geräuschunterdrückung von Audience Inc.
- Anschlüsse: 3,5-mm-Stereokopfhörerbuchse mit vier Kontakten für kabelgebundene Lautstärkeregelung und Fernbedienung
- Akku: auswechselbar, 1400 mAh
- Personalisierte Lasergravur: bis zu 50 Zeichen auf der Rückseite des Telefons
- Trackball: dreifarbige Benachrichtigungs-LED, informiert über neue E-Mails, Chats und SMS
Nexus One - Software-Features:
- Google Maps Navigation: bietet detaillierte Navigationsanweisungen mit Sprachausgabe
- E-Mail: mehrere Google Mail-Konten, universeller Posteingang sowie Exchange-Unterstützung
- Telefonbuch: Zusammenführen von Kontakten aus mehreren Quellen, einschließlich Facebook
- Fast Contacts: einfacher Wechsel zwischen Kommunikation und sozialen Anwendungen
- Android Market: Zugriff auf mehr als 18.000 Anwendungen
| Name | Kurs | Prozent |
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| Rohöl Brent Crude | 103,25 $ | −3,37% |
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