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Unwissend und sorglos : Deutsche kümmern sich kaum um Online-Sicherheit

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Bild: dpa

Die meisten deutschen Internetnutzer gehen beim Surfen Sicherheitsrisiken ein. Während die einen die Gefahren gar nicht kennen, sind sie den anderen schlicht egal.

          Deutsche Internetnutzer haben zwar Sorge, dass amerikanische Geheimdienste in ihren digitalen Daten wühlen, zeigen sich aber beim Schutz der eigenen Daten äußerst lax. Zumindest letzteren Schluss lässt der heute vorgestellte DsiN-Sicherheitsindex 2015 zu, ein Gemeinschaftsprojekt der Initiative „Deutschland sicher im Netz e.V.“ (DsinN) und des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz. Dieser Zahlenwert zeigt an, wie gesichert sich die Deutschen durchs Netz bewegen. Demnach brauchen 60 Prozent der Befragten dringend Unterstützung in Sicherheitsfragen und ein Viertel schrammt daran nur knapp vorbei, sie befinden sich im kritischen Bereich.

          Der Indexwert hat sich zwar im Vergleich zum Vorjahr insgesamt leicht verbessert, um 2,8 Punkte auf 63 Punkte. Damit entfernt er sich ein Stück weiter weg vom kritischen Schwellenwert der 50 Punkte. Allerdings gilt das nicht für alle Bevölkerungsteile, viel mehr wächst das Gefälle zwischen den gut und den schlecht Geschützten weiter an.

          Außenstehende, Fatalisten, Gutgläubige und Souveräne

          Der Index unterscheidet ausgehend von Sicherheitswissen und Verhalten im Netz vier Sicherheitsgruppen - je höher der Wert, desto sicherer das Nutzungsverhalten. Am meisten gefährdet sind aktuell die „außenstehenden Nutzer“ (50,7 Punkte), die etwa acht Prozent der Nutzer ausmachen. Sie kennen sich mit den notwendigen Schutzmaßnahmen nicht gut aus und zeigen daher auch starke Mängel bei der Umsetzung. Die meisten von ihnen sind sogenannte „Silver Surfer“, also die über 60 Jahre alten Internetnutzer. Sie verbringen privat rund zehn Wochenstunden im Netz. In dieser Gruppe gibt es einen hohen Anteil von Frauen und einen geringeren Anteil von Gutverdienern (über 3000 Euro monatlich).

          Jeder vierte zeigt Aufklärungsbedarf

          Anders die „fatalistischen Nutzer“ (52 Punkte), zu denen 17 Prozent der deutschen Surfer zählen. Sie kennen zwar Risiken und Sicherheitsmaßnahmen, setzen sie aber nur unzureichend um. Sie sind unter 30 Jahre alt, die meisten von ihnen im Alter zwischen 16 und 19, und bringen ungefähr 20 Stunden pro Woche im Netz zu. Die Gruppe der Außenstehenden und Fatalisten zusammengenommen, zeigt jeder vierte deutsche Verbraucher Aufklärungsbedarf, was sichere Internetnutzung angeht.

          Die „gutgläubigen Nutzer“ (60,5), meist zwischen 30 und 59 Jahren alt, bewegen sich zumindest einigermaßen sicher durchs Internet. Das liegt an ihren charakteristisch guten Kenntnissen, die sie leider ob ihrer Unbedarfheit nur selten anwenden. 32 Prozent der Befragten zählen zu dieser Gruppe. Die „souveränen Nutzer“ repräsentieren mit 42 Prozent immerhin knapp die Hälfte der User. Sie kennen die Regeln und setzen diese auch um. Das beschert ihnen einen Indexwert von 72 Punkten. Diese in der Regel 40 bis 49 Jahre alten Nutzer verbringen überdurchschnittlich viel Zeit im Netz, sind aber durch entsprechende Maßnahmen seltener von Sicherheitsvorfällen betroffen.

          Wissen und Handeln klaffen auseinander

          Der Wille zu mehr Sicherheit scheint zumindest vorhanden zu sein, so glauben 76 Prozent der Befragten, selbst für den Schutz ihrer Daten verantwortlich zu sein. Über die Hälfte der im Netz Aktiven ist sich offenbar seiner Versäumnisse bewusst und gibt an, häufiger Sicherheitsmaßnahmen einsetzen zu sollen. Im Ländervergleich sind die Thüringer mit 65,7 Punkte Spitzenreiter in der Internetsicherheit, während Hamburg und das Saarland sich mit je 60,7 Punkten auf den letzten Rang abschlagen.

          Gestiegen ist das Gefährdungsgefühl insgesamt. 60 Prozent sorgen sich am meisten es beim Öffnen von Emails, danach kommt der Versand vertraulicher Inhalte und an dritter Stelle stehen gemischte Gefühle bei Bankgeschäften im Internet. Erstmals sahen sich die Forscher auch den Umgang mit Vital- und Gesundheitsdiensten sowie Vernetztes Wohnen an. 14 Prozent der Verbraucher schätzen digitale Gesundheitsdienste als riskant ein und 35 Prozent bewerten das Hochladen von Gesundheitsdaten in die Cloud kritisch. Gut 22 Prozent halten ein digital vernetztes Zuhause für riskant.

          Aufgrund der Ergebnisse ruft die Initiative die Plattform „Aktionsbund Digitale Sicherheit“ ins Leben, um deutschen Nutzern mehr Orientierung und Hilfestellung zu geben. Das Marktforschungsunternehmen TNS Infratest hat die Befragung zum zweiten Mal, in diesem Jahr unter 2010 Nutzern, durchgeführt. Der Index kombiniert erfasste Sicherheitsvorfälle, Gefährdungsgefühl sowie Kenntnis und Anwendung von Schutzmaßnahmen.

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