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Sicherheit Angriffe im Internet nehmen zu

19.03.2007 ·  „Die bösen Jungs sind sehr, sehr kreativ geworden". Raimund Genes von Trend Micro beobachtet eine zunehmende Raffinesse der Internet-Kriminellen. Sie versenden gefälschte Aktienempfehlungen und manipulieren populäre Internetseiten.

Von Holger Schmidt
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"Die bösen Jungs sind sehr, sehr kreativ geworden", Raimund Genes, Technikchef des amerikanischen Sicherheitssoftwareanbieters Trend Micro, beobachtet eine zunehmende Raffinesse in den Methoden der Internet-Kriminellen. "Die gefälschten Rechnungen, die angeblich von 1&1 oder Amazon in Umlauf gebracht wurden, waren sehr gut gemacht. Etwa 5 Prozent der Nutzer fallen darauf herein", sagte Genes.

Ein ganz neuer Trend seien gefälschte Aktienempfehlungen. "Die Kriminellen kaufen Penny-Stocks auf und versenden dann gefälschte Kaufempfehlungen in großem Stil für diese Aktien. In Amerika sind daraufhin die Preise für die Penny-Stocks schon oft gestiegen", sagte Genes. Sofort danach werden die Papiere mit Gewinn verkauft.

Immer mehr Trojaner

Die Internet-Kriminellen ergaunern mit Tricks dieser Art inzwischen viele Milliarden Dollar - und die Aussicht auf das große Geld fast ohne Risiko lockt immer mehr Nachahmer an. Die Zahl der Schadprogramme, mit denen Kriminelle Passwörter, Kontodaten und Identitäten der Internetnutzer stehlen, ist im vergangenen Jahr um 41 Prozent gegenüber 2005 gestiegen, hat das russische Sicherheitsunternehmen Kaspersky herausgefunden.

Vor allem die Zahl der Spionageprogramme (Trojaner) nahm abermals stark zu. Mit diesen Programmen lassen sich auch Rechner fernsteuern, die dann zum Versenden der betrügerischen Nachrichten genutzt werden. Nach Schätzungen von Kaspersky ist inzwischen etwa jeder dritte private Computer mit schneller Internetverbindung fremdgesteuert, was die meisten Internetnutzer aber gar nicht bemerken.

Unternehmen im Visier

Die Internet-Kriminellen nutzen die modernen Techniken auch für Wirtschaftsspionage. "Das Top-Problem der Zukunft sind Trojaner", sagte Wilfried Karden, Projektleiter für die Abwehr von Wirtschaftsspionage im Innenministerium Nordrhein-Westfalens, auf der Cebit. Sobald ein solches Programm auf einem Firmenrechner installiert sei, stehe Eindringlingen die gesamte Information auf einem Computer zur Verfügung. Man müsse davon ausgehen, dass Unternehmen in Deutschland vielfältigen Spionageversuchen aus dem Ausland ausgesetzt seien, sagte Karden.

Die Hacker kommen vor allem aus den Vereinigten Staaten, Russland und China. "Unsere Wirtschaft weckt das Interesse auf der ganzen Welt", sagte Karden. Für Unternehmen sind auch Erpressungstrojaner wie Gpcode gefährlich. Dabei verschlüsselt ein Programm, das unerkannt ins Unternehmen gelangt ist, die Daten auf der Festplatte der Nutzer mit sehr starken Kryptographieprogrammen. Die Nutzer kommen erst dann wieder an ihre Daten heran, wenn sie die Geldforderung des Erpressers beglichen haben.

Manipulierte Internet-Seiten

Die privaten Nutzer müssen aber nicht nur auf E-Mails mit gefährlichen Anhängen achten. Immer häufiger gelangen die betrügerischen Dateien mit Hilfe manipulierter Internetseiten auf die Rechner der Nutzer. "Zum Beispiel verstecken die Kriminellen in scheinbar interessanten Youtube-Videos die Aufforderung, zuvor eine bestimmte Software zu installieren. Und schon ist es passiert", sagte Genes.

Die Schadprogramme, die den Nutzern auf diese Weise untergeschoben werden, übermitteln dann Kontodaten und schneiden Tastatureingaben mit. Im vergangenen Jahr hat sich die Zahl der Trojaner, die es auf geheime Bankdaten abgesehen haben, verdoppelt.

Online-Spieler sind Opfer

Im vergangenen Jahr sind die Online-Spieler erstmals ins Visier der Internet-Kriminellen geraten. Sogenannte Spiele-Trojaner können die Daten der Spieler und damit virtuelle Werte stehlen, die dann im Internet verkauft werden können. "Spiele-Trojaner wurden im Jahr 2006 zu einem Schlüsselproblem. Auch in Zukunft wird sich dieser Typ Schadprogramm sehr schnell verbreiten. Für 2007 wird das Erscheinen verschiedener neuer Online-Spiele erwartet, was zweifellos Millionen neuer Spieler und - in ihrem Windschatten - Cyber-Kriminelle anziehen wird", heißt es im Sicherheitsbericht von Kaspersky.

Das Geschäft lohnt sich für die Kriminellen. Im Internet werden inzwischen hohe fünfstellige Beträge für Hinweise auf Löcher im Betriebssystem Windows von Microsoft geboten. Das neue Betriebssystem Vista, das Microsoft als besonders sicher anpreist, werde die Sicherheit aber nicht erhöhen, sagte Natalya Kaspersky, Chefin von Kaspersky Labs.

Löcher in Vista

"Viele Sicherheitsfunktionen in Vista schränken die Nutzerfreundlichkeit von Vista stark ein. Die Menschen werden diese Funktionen ausschalten - und dann sind die Probleme die gleichen wie heute", sagte Kaspersky. Sie kritisierte vor allem die Zusammenarbeit mit Microsoft. "Der zusätzliche Schutz der Sicherheitssoftwareanbieter funktioniert unter Vista nicht mehr so gut wie bisher. Die Löcher im Schutzschild sind größer geworden", sagte Kaspersky.

Quelle: F.A.Z., 17.03.2007, Nr. 65 / Seite 17
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