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Second Life Echtes Geld für die virtuelle Welt

Second Life hat sich längst zu einem Platz für reale Unternehmen entwickelt. Nun sind die Samwer-Brüder eingestiegen. Sie haben sich an den Anshe Chung Studios der ersten Second-Life-Millionärin Ailin Gräf beteiligt.

© AFP Vergrößern Eingekauft wird in Second Life mit Linden Dollar - die sind bares Geld wert

Nach den Markenartiklern hat jetzt die Finanzbranche die virtuelle Parallelwelt „Second Life“ entdeckt. Die Brüder Alexander, Marc und Oliver Samwer haben sich über ihre Beteiligungsgesellschaft European Founders mit 10 Prozent an den Anshe Chung Studios beteiligt, dem Unternehmen der ersten Second-Life-Millionärin Ailin Gräf. „Die Menschen sind bereit, in virtuellen Welten Geld auszugeben. Heute ist der Markt etwa 15 Millionen Dollar groß. In fünf Jahren wird der Markt zwischen 500 Millionen und einer Milliarde Dollar schwer sein“, sagte Oliver Samwer dieser Zeitung.

Anshe Chung heißt der virtuelle Avatar der ehemaligen Sprachenlehrerin Gräf, die gemeinsam mit ihrem Mann Guntram Gräf inzwischen Großgrundbesitzerin in Second Life ist. Die Gräfs haben seit 2004 rund 10 Prozent der Grundstücksfläche in der virtuellen Welt gekauft und bauen darauf Häuser, Wohnungen oder Geschäfte - virtuell, ausschließlich am Computer. Das machen die Gräfs schon lange nicht mehr alleine, sondern haben inzwischen 50 Angestellte in China.

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Virtuelle Produkte verkaufen, für reale virtuell werben

Die bebauten Grundstücke auf dem Kontinent „Dreamland“ oder in der Stadt „Plush City“ werden dann an andere Avatare verkauft, hinter denen sich reale Menschen verbergen. Bezahlt wird in der Second-Life-Währung Linden Dollar, benannt nach der Betreiberfirma Linden Lab aus San Francisco. Diese Linden-Dollar lassen sich aber zum Kurs von 270 zu 1 in echte amerikanische Dollar umtauschen (siehe auch: Second Life: Ein Wachstum nicht von dieser Welt).

Alexander Samwer © picture-alliance / dpa Vergrößern Beteiligung: die Jamba-Gründer Alexander und Marc Samwer (r.)

Die Gräfs bauen aber nicht nur Immobilien auf eigene Rechnung, sondern längst auch für Unternehmen, die sich eine virtuelle Repräsentanz in Second Life aufbauen. Unternehmen wie Adidas, Coca-Cola, Microsoft oder IBM sind auf den Zug aufgesprungen und haben virtuelle Läden aufgemacht, um virtuelle Produkte zu verkaufen sowie um reale Produkte virtuell zu bewerben.

„Zahl der aktiven Nutzer schätzen wir auf 500.000“

Rund die Hälfte ihres Umsatzes erwirtschaften die Gräfs inzwischen mit den Aufträgen der Unternehmen. Das Geschäft wächst schnell; der Umsatz legt jeden Monat um mehr als 10 Prozent zu. Weil die Gräfs das Immobiliengeschäft in Second Life schon seit knapp drei Jahren betreiben, sind sie jetzt reich: Im vergangenen November hatten sie bereits eine Million Dollar verdient - echte, amerikanische Dollar.

Dabei hat sich das Wachstum der virtuellen Welt erst Ende des vergangenen Jahres richtig beschleunigt. Für die erste Million Nutzer hat Linden Lab noch Jahre benötigt, inzwischen dauert es nur noch Wochen. Seit Oktober ist die Zahl der registrierten Nutzer von 1,2 auf 3,9 Millionen gestiegen, auch wenn längst nicht alle dabei bleiben. „Die Zahl der aktiven Nutzer schätzen wir auf 500.000“, sagte Samwer.

Mittlerweile gibt es Dutzende virtuelle Welten

Die drei Brüder, die selbst die deutsche Ebay-Vorgängergesellschaft Alando und das Handy-Portal Jamba gegründet und verkauft haben und nun in Internetunternehmen wie StudiVZ oder Linked In investieren, wollen die Anshe Chung Studios jetzt schnell ausbauen. „Wir wollen die Firma professionalisieren, auf Wachstum trimmen“, sagte Samwer. Bis Juli soll die Zahl der Mitarbeiter auf 100 verdoppelt werden. Bis Jahresende sollen neben dem Stammsitz in der chinesischen Stadt Wuhan neue Büros in Frankfurt, Boston und Tel Aviv eröffnet werden.

Neben Second Life gibt es inzwischen Dutzende virtuelle Welten, die aber noch nicht so populär sind. Um Wachstumschancen nicht zu verpassen, sind die Gräfs nicht nur in Second Life dabei, sondern auch in anderen virtuellen Welt wie IMVU präsent. Das amerikanische Unternehmen mit Sitz in Palo Alto hat nach einem Jahr bereits mehr als eine Million Kunden und konzentriert sich auf Echtzeitnachrichten (Instant Messaging).

„Einige gute Angebote werden ihren Markt finden“

„Die Risikokapitalgeber halten sich aber meist von den Entwicklern dieser Welten fern, weil die Wahrscheinlichkeit eines Fehlschlags wie bei einem Hollywood-Film hoch ist. Einige gute Angebote werden ihren Markt finden, aber viele werden es nicht schaffen“, sagte Samwer. Lohnender sei daher die Investition in den Sekundärmarkt wie die Anshe Chung Studios, die schnell von einer Plattform zur nächsten wechseln könnten, ohne dabei viel Geld zu verlieren.

Für die Investoren von Linden Lab hat sich das Engagement aber schon gelohnt. Schon früh haben der Ebay-Gründer Pierre Omidyar oder der Internethändler Amazon in diese virtuelle Welt investiert. Einen schnellen Ausstieg dieser Investoren oder einen Börsengang erwartet Samwer aber nicht.

Quelle: F.A.Z., 24.02.2007, Nr. 47 / Seite 14

 
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Veröffentlicht: 23.02.2007, 19:10 Uhr


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