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Skandinavische Rechenzentren : Schweden lockt die Daten an

Mensch und Maschine: Ein Mitarbeiter prüft das Facebook-Rechenzentrum im schwedischen Luleå. Bild: interTOPICS /David Levene

Die Hessen sind mit ihren Rechenzentren eine Drehscheibe Europas – doch vor allem skandinavische Länder mischen den Wettbewerb auf. Das kleine Schweden lockt mit massiven Steuersenkungen.

          Schweden setzt auf die Vernetzung. Das kleine Land im Norden Europas hat zum Jahreswechsel die Steuern auf den Energieverbrauch von Rechenzentren um 97 Prozent gesenkt. Nun zahlen die Betreiber nur noch den von der EU festgelegten Mindest-Stromsteuersatz von 0,05 Cent für eine Kilowattstunde. Solch eine Sonderregelung gibt es in Deutschland nicht, hier kostet es jedes Unternehmen 1,537 Cent, das ist mehr als das 30-Fache. Kein Wunder, dass es Amazon Web Services (AWS) jetzt auch nach Schweden verschlägt.

          In der vergangenen Woche hat die Tochtergesellschaft von Amazon.com, die das Cloud Computing des Online-Händlers bündelt, angekündigt, in der Region um Stockholm ein großes Datenzentrum zu bauen. „Die AWS-Investition in Schweden wird unsere Position im globalen digitalen Wandel stärken“, sagte Mikael Damberg, Minister für Unternehmen und Innovation. „Für uns dreht sich der Handel in einer modernen globalisierten Wirtschaft nicht nur um Waren, sondern auch um Dienstleistungen, den Austausch von Wissen und den freien Datenfluss.“

          Auf den Datenfluss ist Deutschland vor allem in der Region Frankfurt besonders stolz. Frankfurt hat mit De-Cix den größten Internetknoten der Welt, wenn man die Daten misst, die durch ihn fließen. Und es läuft gerade auch rund: Die Rechenzentren verbrauchen in der Stadt mehr Strom als der Flughafen, und das wird sich in der Zukunft wohl nicht mehr ändern. Mit zunehmender Vernetzung, ob in der Industrie 4.0 oder durch das Internet der Dinge, steigt der Bedarf nach den mit Servern vollgepackten Rechenzentren, die immer mehr Daten verarbeiten können. Der niederländische Datacenter-Konzern Interxion baut gerade sein zwölftes Rechenzentrum in Frankfurt, erst im September hatte er sein zehntes eingeweiht und schon kurz darauf mit dem Bau des elften begonnen. 19 Millionen Euro will Interxion investieren. Auch die amerikanischen Konkurrenten wie etwa Equinix bauen ihre Flächen aus.

          Rechenzentren sind Wirtschaftsfaktoren

          Und für AWS ist die Region um Frankfurt immer noch der größte Wachstumsmarkt außerhalb der Vereinigten Staaten. Daran ändert auch die Investition in Schweden erst einmal nichts. Das „Digital Hub“ für Frankfurt und Rhein-Main, eine Art Regionaleinheit des Verbands der Internetwirtschaft Eco, bezeichnete die Region in einer kürzlich veröffentlichten Studie als „das digitale Rückgrat Deutschlands“ und als führend in Europa. „Digitale Infrastrukturen sind der Garant für Wirtschaftswachstum und Beschäftigungszuwachs. Die Relevanz wird sich weiter erhöhen“, schreiben die Studienautoren.

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          Rechenzentren sind tatsächlich inzwischen Wirtschaftsfaktoren: Nach Untersuchungen der Unternehmensberatung Boston Consulting Group ist eine Investition von einer Million Euro in hochvernetzte Rechenzentren damit vergleichbar, ein mittelständisches Unternehmen mit elfMitarbeitern zu gründen – wenn man den Beitrag zur Steigerung der Beschäftigung und des Bruttoinlandsproduktes berechnet. Je höher das Investment ausfällt, desto stärker die Steigerung. Rund um die Welt wird es am Ende dieses Jahres etwa 8,6 Millionen Rechenzentren geben, haben die Marktforscher von IDC ausgerechnet, so viele wie nie zuvor.

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