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Satellitenfernsehen RTL soll im Satellitenfernsehen Geld kosten

02.08.2006 ·  Fernsehen über Satellit könnte in Zukunft für die Zuschauer teuer werden: RTL plant, seine Sendungen elektronisch zu verschlüsseln. Satelliten-Haushalte können RTL dann nur noch mit Hilfe eines Decoders empfangen.

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Die deutsche Fernsehindustrie treibt ihre umstrittenen Pläne für die Einführung einer monatlichen Grundgebühr im digitalen Satellitenfernsehen voran. Die Kölner RTL-Gruppe kündigte am Mittwoch als erster der beiden großen deutschen Privatfernsehkonzerne an, ihre bislang über Satellit kostenlos zu empfangenden Programme voraussichtlich vom ersten Halbjahr 2007 an elektronisch zu verschlüsseln.

Der Vertrag zwischen RTL und dem größten europäischen Satellitenbetreiber SES Astra ist ein Novum im deutschen Fernsehen. Während Fernsehzuschauer mit Kabelanschluß schon immer eine monatliche Gebühr an den Netzbetreiber zahlen, fielen für das Satellitenfernsehen für die Zuschauer bisher keine laufenden Kosten an.

Jährlich 60 Millionen Euro für RTL

Die Vereinbarung sieht vor, daß Fernsehhaushalte im Monat rund 3,50 Euro an Astra bezahlen sollen. RTL erhält einen nicht bezifferten Anteil an der Gebühr. Die Satelliten-Zuschauer benötigen außerdem in Zukunft, um den populärsten deutschen Privatsender sehen zu können, ein Empfangsgerät (Decoder) und eine kostenpflichtige Zugangskarte (Smart Card).

Nach Branchenschätzungen könnte der Satelliten-Obulus der Sendergruppe zunächst rund 60 Millionen Euro im Jahr und mittelfristig ein Mehrfaches davon einbringen. Im Fahrwasser von RTL kündigte auch der kleinere Spartensender MTV die Verschlüsselung seiner Programme an. Mit dem RTL-Hauptkonkurrenten Pro Sieben Sat.1 laufen ebenfalls schon seit dem vergangenen Jahr Gespräche über eine Programmverschlüsselung. Die Satellitengebühr soll, auch wenn weitere Sender folgen, nicht steigen. Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ARD und ZDF lehnen die Verschlüsselung ab.

Alte Decoder können Programme nicht entschlüsseln

Die Satellitengebühr trifft zunächst vor allem die mehr als sechs Millionen Haushalte mit digitalem Satellitenempfang. Rund zwei Millionen von ihnen müssen sich zudem neue Decoder kaufen, weil sie Einfach-Geräte haben, die Programme nicht entschlüsseln können. Die neuen Decoder, mit denen auch der Bezahlsender Premiere, nicht aber dessen neuer Konkurrent Arena zu empfangen ist, sollen weniger als 100 Euro kosten.

RTL und Astra planen für eine Übergangszeit von voraussichtlich sechs bis zwölf Monaten, die Programme weiter auch unverschlüsselt auszustrahlen. Nicht betroffen sind vorerst die Haushalte mit analogem Satellitenempfang, weil bei diesem die Verschlüsselung technisch nicht möglich ist. Allerdings soll das analoge Fernsehen nach den Plänen der Bundesländer bis 2010 komplett abgeschaltet werden.

Kartellbehörde ermittelt

Die Pläne der Fernsehkonzerne könnten noch am Veto des Bundeskartellamts scheitern. Die Behörde ermittelt seit einem halben Jahr gegen die Marktführer Astra, Pro Sieben Sat.1 und RTL wegen des Verdachts auf illegale Kartellabsprachen bei der Verschlüsselung. Auch der Vertrag zwischen RTL und Astra steht deshalb noch unter Kartellvorbehalt. „Wir haben einen substantiierten Verdacht, und unsere Bedenken wurden bisher nicht ausgeräumt“, sagte eine Kartellamtssprecherin am Mittwoch auf Anfrage. Eine rasche Entscheidung sei nicht zu erwarten: „Wir sind noch mitten im Verfahren“, sagte die Sprecherin.

RTL begründet die Verschlüsselung vor allem damit, seine Inhalte gegen illegale Raubkopierer schützen zu müssen. „Wir wollen unsere Programme für das Digitalzeitalter sicher machen“, sagte ein Sprecher. Medienaufseher zweifeln dieses Argument allerdings an. „In Großbritannien und den Vereinigten Staaten sind die Hauptprogramme digital auch nicht komplett verschlüsselt“, sagte Hans Hege, Direktor der Berliner Medienanstalt MABB. „Bisher ist außerdem der Zusatznutzen, den die Zuschauer für ihre Gebühr erhalten, nur vage umrissen“, bemängelte Hege. di

Ausgleich für schwachen Werbemarkt

RTL räumte ein, daß die Verschlüsselung wegen der Beteiligung an den Zuschauergebühren auch „wirtschaftlich interessant“ sei. Fachleute sehen dies als ein Hauptmotiv der bislang vor allem werbefinanzierten Privatsender an. Der Fernsehwerbemarkt ist seit der Jahrtausendwende um mehr als 20 Prozent geschrumpft. Durch die Verschlüsselung kann RTL nun auch zusätzliche kostenpflichtige Spartenprogramme anbieten. Im digitalen Kabelfernsehen haben sich RTL und Pro Sieben Sat.1 mit den Netzbetreibern bereits Ende 2005 auf eine Programmverschlüsselung geeinigt.

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