Herr Mehrotra, warum muss man Ihr Unternehmen kennen?
Einfach deshalb, weil jeder unsere Produkte braucht. Sie sind heute überall zu finden. Vor 23 Jahren sind wir mit der Idee gestartet, dass man künftig Flash-Speicher zur Datenspeicherung einsetzt. Bedenken Sie, dass wir diese Vision hatten, als es das Internet noch gar nicht gab. Noch bevor die ersten Digitalkameras auf dem Markt waren, haben wir bereits digitalen Film produziert. Was mit einer Idee anfing, wurde zu einer allumfassenden Realität.
Wie groß ist das Geschäft heute?
Die gesamte Industrie hat im vergangenen Jahr ein Volumen von 27 Milliarden Dollar erreicht. Bis 2015 soll sie auf 45 Milliarden Dollar anwachsen.
45 Milliarden Dollar nur mit SD-Karten?
Nein, dazu zählen alle Arten von Flash-Speichern. 2011 wurden 4,5 Milliarden Einheiten verkauft, die Flash in der einen oder anderen Form enthielten. Und das sind nicht nur SD-Karten. Das Smartphone, mit dem Sie jetzt unser Gespräch aufnehmen, ist ein Beispiel: Dieses Gerät wäre ohne Flash-Datenspeicher nicht möglich, eine Festplatte würde da nicht hineinpassen. Wir beliefern alle Handy- und Tabletcomputerhersteller mit unseren Produkten.
Sie bezeichnen sich als ein Weltmarktführer. Wie groß ist ihr Marktanteil?
Sandisk ist der Nummer-eins-Anbieter von Flash-Karten für den Fotobereich, für Smartphones mit Micro-SD-Karten und von USB-Sticks. Im Einzelhandel sind wir die führende Marke, unsere Produkte werden in mehr als 250 000 Läden verkauft. Pro Tag verkaufen wir mehr als zwei Millionen Einheiten, im vergangenen Jahr waren es mehr als 700 Millionen.
Und das bedeutet in Dollar?
2011 erreichten wir einen Umsatz von 5,7 Milliarden Dollar, das waren 17 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Gewinn je Aktie lag bei 4,65 Dollar. Das sind Rekordzahlen gewesen.
Was machen Sie besser als die Konkurrenz? Mit Ausnahme der Kapazität scheint es keine großen Unterschiede bei Speicherkarten und USB-Sticks zu geben.
Es gibt mehrere Arten für uns, sich zu differenzieren. Da ist zunächst der Controller. Das ist sozusagen die geheime Quelle, um aus einem rohen Flash-Speicher einen intelligenten Flash-Speicher zu machen. Wir arbeiten eng mit Chipset-, Handy- und Betriebssystemherstellern zusammen - mit dem Ziel, dass unsere Flash-Geräte einzigartig gut mit den jeweiligen Mobilgeräten zusammenarbeiten. Dazu kommt, dass wir unser Geschäftsmodell auf mehrere Segmente stützen. Vor allem die Produktion von SSD-Laufwerken entwickelt sich zu einem immer größeren Geschäftszweig.
Das sind die neuen Festplatten in Computern, die ohne bewegliche Teile auskommen?
Ja, in einzelnen Computern und auch in den Datenzentren von Cloudcomputing-Anbietern. Bislang macht dieses Geschäft 3 Prozent unserer Umsätze aus. Aber dieser Bereich gehört zu unseren schnellsten und stärksten Wachstumsfeldern. Im laufenden Jahr soll der Umsatzanteil auf 10 Prozent wachsen, bis 2014 auf 25 Prozent. SSD ist also einer der großen Wachstumstreiber neben dem Mobilgeschäft mit Handy- und Tabletcomputerspeichern.
Ist die Cloud nicht eher eine Gefahr für ihr Geschäft? Geht es nach der Industrie, werden wir künftig unsere Daten schließlich nicht mehr zu Hause speichern, sondern in großen Rechenzentren.
Betrachten Sie die Cloud als Gewinn für alle. Zum einen braucht man Flash-Speicher, um die Datenwolke schnell zu machen. Wenn Sie beispielsweise auf ein Youtube-Video zugreifen, möchten Sie, dass dieser Zugriff rasch erfolgt. Und dann braucht man Flash in den Hunderten von Millionen Smartphones, die jedes Jahr verkauft werden. Dieser Flash-Speicher kann sogar helfen, die Situation mit Blick auf beschränkte Netzwerk-Bandbreiten zu entspannen.
Der Preis für Flash-Speicher sinkt rapide von Jahr zu Jahr. Drückt das nicht ordentlich auf Ihre Gewinnmargen?
Der Preisverfall hat den Markt für Flash in den vergangenen 20 Jahren angeheizt, und damit ist er doch gerade erst so groß geworden, wie er heute ist. Die Lage war stets geprägt von fallenden Preisen - rund 30 Prozent pro Jahr - in Verbindung mit steigenden Datenspeichervolumina. Zugleich hat sich die Technologie rasant weiterentwickelt. Jahr für Jahr sinken die Kosten für die Produktion sehr schnell.
Und das bedeutet für Ihren Finanzchef?
In den vergangenen zehn Quartalen haben wir unsere operative Marge stets bei über 28 Prozent gehalten. Wir haben ein starkes Wachstum bei Umsatz und Gewinn verbucht und können einen starken Cash Flow aufweisen. Und ich bin überzeugt, dass uns das Beste noch bevorsteht.
