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F.A.Z. exklusiv : So kommt das schnelle Internet nach Hause

Auch ländliche Gegenden wie hier in Oberbayern sollen mit Glasfaserkabeln ausgestattet werden. Bild: Lennart Preiss/photothek.net

Ob der Sprung in die Welt des ultraschnellen Internets gelingt, hängt an der richtigen Regulierung, sagt der Präsident der Bundesnetzagentur in der F.A.Z. Ein besserer Investitionsschutz soll den Bau neuer Glasfasernetze erleichtern.

          Die Gigabitgesellschaft wird teuer, sehr teuer. Rund 100 Milliarden Euro, so hat es Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) dieser Tage vorgerechnet, wird es kosten, Deutschland flächendeckend mit Glasfaserleitungen bis in Häuser und Wohnungen zu überziehen. Ultraschnelle Internetanschlüsse mit Leistungen von 1000 Megabit und mehr je Sekunde sollen bis 2025 zum Maß der Dinge werden und die Republik in die digitale Spitzenliga befördern. Der ehrgeizige Plan für den Übergang von der Kupfer- zur Glasfaserwelt birgt seine Risiken.

          Helmut  Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Für die große Mehrheit der Kunden gibt es bisher kaum Dienste, die so schnelle Leitungen voraussetzen. Auf absehbare Zeit reicht ihnen die Vectoring-Technik, mit der die Deutsche Telekom und einige Regionalversorger die Kupferdoppelader in die Häuser und Wohnungen auf höhere Geschwindigkeiten aufmotzen. Oder die Kunden buchen bei einem der Fernsehkabelanbieter, die jetzt schon teils 400 Megabit anbieten. Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, dringt trotzdem zur Eile. „Wir können den Breitbandausbau nicht vertagen, bis Nachfrage und Zahlungsbereitschaft für die Investitionen ausreichen. Dann würden wir das Kostbarste aufs Spiel setzen, was es in der digitalen Welt gibt, nämlich Zeit“, sagte Homann der F.A.Z.

          Fest steht, dass es ohne öffentliche Förderung nicht gehen wird. Der Bund hat angekündigt, dass er von 2018 an jährlich 3 Milliarden Euro in den Netzausbau stecken will. Aber dann bleiben immer noch rund 80 Milliarden Euro, die die Privatwirtschaft stemmen muss. Und die wird nur dann investieren, wenn sie ihr Geld mit einiger Sicherheit zurückverdienen und dazu einen Gewinn machen kann. Ob die Rechnung aufgehen kann, entscheidet sich auch in Homanns Behörde: Als Marktaufsicht muss sie für die richtige Balance zwischen Wettbewerb und Investitionsschutz sorgen.

          Ein deutliches Dilemma

          Das Dilemma liegt auf der Hand: Dürfen andere Anbieter teure Leitungen mitnutzen, schmälert das die Renditen investitionswilliger Unternehmen. Bekommen die Investoren ein Exklusivrecht, entstehen regionale Monopole, weil es ökonomisch keinen Sinn hat, in einer Stadt oder einer Region zwei parallele Glasfasernetze zu bauen. Nicht nur die Telekom, sondern die gesamte Branche wartet deshalb gespannt darauf, wie sich die Netzagentur positionieren wird. Homanns Beamte haben für die Diskussion über den richtigen Weg ein erstes Konsultationspapier geschrieben. Die Herausforderungen durch die Gigabit-Infrastruktur lassen es „ratsam erscheinen, mehr Markt zu wagen“, heißt es darin.

          Homann geht im Gespräch noch einen Schritt weiter: Im weiteren Verfahren „prüfen wir zügig, ob eine neue Technologie wie die Glasfaser überhaupt reguliert werden sollte“, sagte er. Andererseits dürfe mehr Freiheit für die Unternehmen den Wettbewerb nicht beschädigen. Wenn sich aber herausstelle, dass es ohne Markteingriffe nicht gehe, werde die Netzagentur jedenfalls „nicht starr an Konzepten festhalten, die auf existierende Infrastrukturen zugeschnitten sind“. Damit meint Homann die heutige Regulierung des Telekom-Netzes. Wettbewerber haben grundsätzlich einen Anspruch auf diskriminierungsfreien Zugang zu den Leitungen des marktbeherrschenden Unternehmens und können etwa die „letzte Meile“, also die Kupferkabel von den Schaltkästen in die Haushalte, für eine feste Miete von rund 10 Euro im Monat mit benutzen. Diese in ganz Deutschland gleich hohe Miete wird anhand der hypothetischen Kosten der Telekom errechnet. Die Telekom muss sie sich regelmäßig vorab genehmigen lassen. Das behördlich festgesetzte Entgelt bildet den Ausgangspunkt, wenn Wettbewerber ihre Endkundenpreise für Internet- und Telefonanschluss kalkulieren.

          Sichere Perspektive dank Regulierung

          Homann kann sich für die Glasfasernetze einen Paradigmenwechsel vorstellen: Die Regulierung setzt nicht mehr an den Vorleistungen an, sondern an Endkundenpreisen. Und sie blickt nicht mehr auf deutsche Durchschnittswerte, sondern auf die regionalen Verhältnisse, die gerade auf dem Glasfasermarkt sehr unterschiedlich sein können. In Homanns Modell würde von den regionalen Endkundenpreisen eine bestimmte Marge abgezogen, um die Preise für eine Mitnutzung der Leitungen festzulegen. „Das wäre ein System, das den Unternehmen mehr Raum zum Atmen gibt“, meinte der Netzagenturpräsident. Die Vorleistungspreise könnten sich dann an der jeweiligen Nachfrage nach Hochleistungsanschlüssen und an regionalen Kostenunterschieden orientieren.

          In den Großstädten etwa sind die Baukosten niedriger, aber dort konkurrieren Glasfaserinvestoren vielerorts mit Vectoring-Anschlüssen und Kabelnetzen. Je nach Wettbewerbssituation werden sie mit unterschiedlichen Preisen in den Markt gehen müssen. Auf dem Land hingegen, wo teils über lange Strecken neue Glasfaser verlegt werden muss, werden die Endkunden wohl generell tiefer in die Tasche greifen müssen. Mehr Flexibilität verspricht sich Homann von dem diskutierten Kurswechsel auch im Zeitablauf. Für die Unternehmen würde es einfacher, während der Produkteinführung die Nachfrage mit niedrigeren Preisen anzukurbeln und sie mit wachsender Nachfrage später anzuheben. „Wir wollen die Regulierung so beweglich machen, dass die Privatwirtschaft ihr Investitionspotential ausschöpfen kann“, sagt Homann. So lasse sich auch der Bedarf an öffentlichen Fördermitteln auf ein Mindestmaß begrenzen. Homann warnt aber auch vor zu hohen Erwartungen an diesen Kurswechsel: „Regulierung kann Investoren eine sichere Perspektive liefern. Aber sie kann ein Geschäftsmodell, das sich noch nicht rentiert, nicht profitabel machen.“

          Quelle: F.A.Z.

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