16.10.2007 · Google und Yahoo könnten nach europäischen Fernsehsendern greifen - das glaubt Pro-Sieben-Sat.1-Chef Guillaume de Posch. Für eine Übernahme aus Amerika gibt es derzeit zwar keine Hinweise. Dafür nimmt der Springer-Verlag einen neuen Anlauf zur Übernahme der Sendergruppe.
Von Johannes RitterDie Übernahmewelle in der Medienwelt setzt sich nach Einschätzung von Guillaume de Posch fort: „Es wird in Europa zu einer weiteren Konsolidierung in der Medienbranche kommen. Aufhalten lässt sich dieser Prozess nicht“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Pro Sieben Sat.1 Media AG im Club Hamburger Wirtschaftsjournalisten. Das Münchener Unternehmen spielt in dem Konzentrationsprozess selbst eifrig mit durch die im laufenden Jahr erfolgte Übernahme der europäischen Sendergruppe SBS. Dieser milliardenschwere Zukauf treibt den Umsatz von Pro Sieben Sat.1 auf rund 3 Milliarden Euro hoch und verringert den Abstand zu RTL. Diese größte private Sendergruppe Europas, die mehrheitlich Bertelsmann gehört, hat im vergangenen Jahr 5,6 Milliarden Euro umgesetzt.
Ähnlich wie Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner glaubt Posch, dass große amerikanische Internetfirmen auf der Jagd nach Inhalten und Programmen eines Tages auch nach Fernsehsendern greifen könnten. „Die Googles und Yahoos dieser Welt sind in der Lage, massive Ressourcen zu mobilisieren“, sagte Posch. Zum Vergleich: Google ist an der Börse mehr als 100 Milliarden Euro wert, Pro Sieben Sat. 1 bringt es auf 2,5 Milliarden Euro. Posch hält es grundsätzlich für vorstellbar, dass seine Sendergruppe zum Objekt der Begierde eines großen Internethauses werden könnte. Für eine Übernahmeofferte aus Amerika gebe es aber derzeit keinerlei konkreten Hinweise.
Springer logischer Partner von Pro Sieben Sat.1
Pro Sieben Sat.1 gehört seit 2006 mehrheitlich den Finanzinvestoren KKR und Permira. Posch widersprach der Vermutung, dass die Finanzinvestoren ihre Anteile schon bald wieder weiterverkaufen würden. KKR und Permira hätten zugesagt, für mehrere Jahre in Pro Sieben Sat.1 investiert zu bleiben. Zudem deutete er an, dass es wenig sinnvoll wäre, vor Abschluss der SBS-Integration auszusteigen. Dafür veranschlagte der Vorstandschef zwölf bis 18 Monate. In der Branche wird spekuliert, dass der Springer-Verlag, der bereits mit 12 Prozent an Pro Sieben Sat.1 beteiligt ist, einen neuen Anlauf zur Übernahme der Sendergruppe nehmen könnte. Der erste Versuch war 2005 am Veto der Kartellbehörden gescheitert. Gegen die Untersagung der Wettbewerbshüter geht der Berliner Zeitungskonzern auf dem Gerichtsweg vor. Posch glaubt, dass der Richterspruch dazu binnen 18 Monaten vorliegen könne. Grundsätzlich hält er Springer für einen „logischen Partner“, mit dem man bislang sehr gut kooperiert habe. Eine Springer-Sprecherin sagte auf Anfrage, dass sich der Verlag bei Pro Sieben Sat.1 alle Optionen offenhalte: Man werde die Beteiligung eventuell ausbauen, verkaufen oder einfach nur halten.
Die jüngste Entscheidung der Deutschen Fußball-Liga, die Bundesliga-Rechte von der Saison 2009/10 an vom Medienunternehmer Leo Kirch vermarkten zu lassen, hält Posch für mutig. Seine Sendergruppe wird sich dabei nicht groß engagieren: „Es ist nicht unsere Absicht, Rechte an der Bundesliga exklusiv zu erwerben.“ Man werde aber abwarten, in welchen Paketen die Rechte angeboten werden, und sich dann alles ansehen. Posch deutete an, dass allein ein gebührenfinanzierter Sender wie die ARD wirtschaftlich in der Lage sei, mehr als 100 Millionen Euro in die Übertragungsrechte für die zeitversetzte Erstzusammenfassung der Spiele zu investieren. Zu refinanzieren sei dies nicht, schon gar nicht, wenn die Zusammenfassung der Spiele auf 22 Uhr verlegt werde.
Bußgeld des Kartellamts belastet Konzern-Ergebnis
Bis zum Ende dieses Jahres will Posch über die Zukunft der Produktionssparte PSP entscheiden, in der rund 1000 Mitarbeiter beschäftigt sind. Er führe zurzeit Gespräche über eine strategische Partnerschaft, denkbar sei aber auch ein Komplettverkauf. Zu möglichen Partnern äußerte sich De Posch nur indirekt. Er verwies auf Berichte, in denen unter anderem die BBC-Produktionsfirma Red Bee, IBM Deutschland, Siemens und der Lieferant von Sende-Technologie Thomson genannt worden sind. „Ich lasse das jetzt mal so stehen“, sagte er.
Das kürzlich vom Kartellamt gegen den Konzern verhängte Bußgeld in Höhe von 120 Millionen Euro werde das Ergebnis in Deutschland belasten, sagte de Posch (F.A.Z. vom 6. Oktober). Er sei aber zuversichtlich, dass diese Last durch die erstmals einzubeziehenden Gewinne der SBS kompensiert werde. „SBS wird ein sehr ordentliches Ergebnis schaffen.“ Eine weitere Verschärfung des Sparkurses sei wegen der Einmaligkeit der Bußgeldzahlung nicht geplant. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Posch weiterhin mit einem Wachstum des TV-Werbemarktes in Deutschland von 2 bis 3 Prozent.
| Name | Kurs | Prozent |
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| FAZ-INDEX | 1.386,22 | +0,69% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
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| Rohöl Brent Crude | 106,82 $ | −0,41% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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