02.04.2006 · Der Sender Premiere ist der Wunschpartner der Telekom für ihr Bundesliga-Fernsehen im Internet. Doch die Fußballvereine und der Rivale Arena legen sich quer. Das Klima wird zunehmend eisig.
Von Marcus TheurerKurz vor Heiligabend herrschte noch vorweihnachtlicher Friede. Mit einem Lächeln auf den Lippen präsentierten sich einträchtig die neuen Eigentümer der Bundesliga-Übertragungsrechte auf einer Pressekonferenz in der Münchner Allianz-Arena. Rechts auf dem Podium saß ein jovialer Niederländer, Bernard de Roos, der Sprecher der neugegründeten Sportrechteagentur Arena, welche für die Bezahlfernsehrechte den Zuschlag bekommen und damit überraschend den bisherigen Bundesliga-Platzhirsch Premiere ausgestochen hatte. Links außen freute sich Walter Raizner, Vorstand der Deutschen Telekom, die ab der nächsten Saison über Fußball-Rechte für ihr neues Internetfernsehen (IP-TV) verfügt. Und in der Mitte saß Christian Seifert, der Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL), der sich am meisten freute, spült den Vereinen die Rechtevergabe in den kommenden drei Jahren doch rund 420 Millionen Euro pro Saison in die Kasse.
Drei Monate später wird das Klima zwischen den Geschäftspartnern zunehmend eisig. Jetzt droht sich zu rächen, daß der gewiefte Ballsportler Seifert den wertvollsten Teil der Bundesliga-Rechte gleich zweimal verkauft hat: Sowohl Arena, hinter dem der zweitgrößte deutsche Kabelnetzbetreiber Unity Media (Ish, Iesy) steht, als auch die Telekom dürfen laut Ausschreibungsunterlagen alle Spiele der Ersten und Zweiten Bundesliga live übertragen: Arena im traditionellen Fernsehstandard, die Telekom über das neue Internetfernsehen, das freilich noch weitgehend Zukunftsmusik ist. Beide refinanzieren die Rechte über Zuschauergebühren, machen also Bezahlfernsehen. Und mit Hilfe drahtloser W-Lan-Technik ließe sich die Telekom-Bundesliga auch unkompliziert etwa von der DSL-Buchse auf den Fernsehbildschirm übertragen.
Verhandlungen „breitest angelegt“
Die kühnen Pläne des Bonner Telekommunikationsriesen sorgen bei Arena aber auch bei der Bundesliga offenkundig für wachsende Skepsis. Was Arena stört, liegt auf der Hand: Die Telekom bezahlte für ihre Rechte nur geschätzte 50 Millionen Euro pro Saison, Arena dagegen mindestens viermal soviel. „Wir werden die Rechte zu verteidigen wissen“, grollte Unity-Chef Parm Sandhu Anfang der Woche in einem Gespräch mit der „Financial Times Deutschland“. Besonders unschön für Sandhu: Die Telekom würde sich offenbar am liebsten mit dem Münchner Bezahlfernsehsender Premiere zusammentun und damit dem Erzrivalen von Arena. Dessen Vorstandschef Georg Kofler sucht nach der möglicherweise existenzbedrohenden Niederlage bei der Rechtevergabe nun dringend nach Wegen, in der Bundesliga doch noch am Ball zu bleiben.
Doch auch für die Telekom ist Premiere offensichtlich der Wunschpartner. Der Sender hat eine Sendelizenz, an welche die noch immer teilstaatlichen Fernmelder selbst nicht kommen können, weil Fernsehen laut dem deutschen Medienrecht staatsfern sein soll. Vor allem aber könnte Premiere der Telekom im großen Stil zugkräftige Spielfilme und Serien zuliefern und so das junge Pflänzchen Internetfernsehen kräftig düngen. In Bonn ist man zudem von der Perspektive begeistert, auf längere Sicht 3,6 Millionen zahlungswillige Premiere-Abonnenten für das Internetfernsehen gewinnen zu können. „Breitest angelegt“ seien die Verhandlungen zwischen Premiere und der Telekom, heißt es in Verhandlungskreisen.
Zeitdruck für Telekom bis zu Saisonbeginn
Im Gespräch ist auch eine Kapitalbeteiligung der Telekom an Premiere, die aber, wie zu hören ist, wohl erst später in einem zweiten Schritt folgen würde. Zu lange würde vermutlich das Genehmigungsverfahren für die medienrechtlich heikle Liaison dauern. Weitgehend klar ist außerdem, daß die Telekom nicht mehr als 29,9 Prozent an Premiere kaufen wird, weil sonst laut Aktienrecht ein Pflichtangebot zum Kauf auch der restlichen Anteile zwingend wäre. Doch eine Komplettübernahme von Premiere ginge kartellrechtlich kaum.
Mehr Zeitdruck gibt es für die Telekom, sich mit Premiere über eine Bundesliga-Kooperation einig zu werden. Schließlich muß das Internet-Fernsehangebot bis zum ersten Spieltag am 11. August stehen. Doch mittlerweile ist von einer schwierigen „Dreiecksbeziehung“ zwischen Telekom, Premiere und der DFL die Rede. Dürfen Telekom und Premiere überhaupt gemeinsame Sache machen? Bei der Bundesliga sorgen die gemeinsamen Pläne der beiden Unternehmen für Unmut. „Der Name Premiere ist im Angebot der Telekom an die DFL nicht aufgetaucht“, heißt es im Lager der geschäftstüchtigen Fußballer warnend. Offensichtlich ist auch das persönliche Verhältnis zwischen Premiere-Chef Kofler und den Fußball-Gewaltigen vergiftet. „Verbrannte Erde“ habe der Südtiroler mit kompromißlosen Maximalforderungen beim Poker um die Bundesligarechte bei den Vereinen hinterlassen, heißt es in Verhandlungskreisen.
Keine „Weiterleitung auf andere Plattformen“
Ob die DFL eine Bundesliga-Allianz von Telekom und Premiere verhindern könnte, erscheint unterdessen unklar. In den detaillierten Ausschreibungsunterlagen für die Rechtevergabe heißt es zwar, die Internetrechte berechtigten zum „Breitband-Internet basierten Fernsehen“, und dies auch „über Kabel, Satellit und Terrestrik“. Telekom und Premiere müßten sich also bei der Übertragung nicht allein auf das noch ungenügend ausgebaute DSL-Telefonnetz der Bonner verlassen, sondern könnten auch die Rundfunknetze nutzen, solange sie dabei IP-TV als Übertragungsstandard nutzen. Andererseits heißt es in der Ausschreibung auch: „Eine Weiterleitung der Inhalte auf andere Plattformen ist ebenso nicht möglich wie eine Sublizenzierung.“ Doch geht es Premiere ja genau darum, sich die Bundesliga doch noch für die eigene Bezahlfernsehplattform zu sichern.
Die Telekom will sich jedenfalls nicht allein auf Premiere verlassen und hat deshalb in den vergangenen Wochen auch Verhandlungen mit dem Deutschen Sportfernsehen (DSF) über eine Bundesliga-Kooperation vorangetrieben. Wenn also Koflers Premiere doch vom Spielfeld muß, steht im Team Telekom ein Ersatzspieler bereit.
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