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Porträt: Klaus Zumwinkel Disziplinierte Abfuhr

13.11.2006 ·  Klaus Zumwinkel begleitet das Ende von Monopolen: Bei der Deutschen Post wie bei der Deutschen Telekom. Insgeheim ist er vielleicht froh darüber, daß er dem Angebot widerstanden hat, in den Telekom-Vorstand zu wechseln.

Von Carsten Knop
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Wie bereitet man einen einstigen Staatsmonopolisten auf den Angriff durch private Wettbewerber vor? Wie handelt man erfolgreich, wenn es diesen Wettbewerb dann auch tatsächlich gibt? Mit der ersten Frage mußten sich die Deutsche Post und die Deutsche Telekom gleichermaßen beschäftigen.

Rationalisierung, Börsengang und Internationalisierung waren die Folge. Die passende Antwort auf die zweite Frage sucht die Telekom noch immer. Und Klaus Zumwinkel, seit September 1998 Vorstandsvorsitzender der Deutschen Post, mußte diese Antwort in einem wichtigen Teil seines Geschäfts noch gar nicht wirklich geben: Nach dem bisherigen Stand wird das Briefmonopol der Deutschen Post erst am Silvestertag 2007 fallen.

Zumwinkel würde das Monopol gern verlängern

Das wird ein historischer Einschnitt mit immensen betriebswirtschaftlichen Folgen, auch wenn die Post schon heute in einigen Teilbereichen der Briefbeförderung private Konkurrenz zu spüren bekommt. Das Geschäft steuert rund die Hälfte zum Post-Gewinn bei und zeichnet sich durch eine hohe Umsatzrendite aus. Zumwinkel, promovierter Betriebswirt, ehemaliger Partner der Unternehmensberatung McKinsey und früherer Chef des Versandhändlers Quelle, würde das Monopol auch gern verlängern, jedenfalls so lange die europäischen Nachbarstaaten ihre Märkte im Gegenzug nicht ebenfalls öffnen. Zudem fordert er gesetzliche Mindestlöhne, um unfaire Niedriglohn-Konkurrenz auf dem Briefmarkt einzudämmen.

Denn der selbstbewußte Zumwinkel weiß, was auf dem Spiel steht. Schließlich erlebt er in seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Telekom, welche Erschütterungen das Ende eines Monopols mit sich bringen kann. „Wenn zehn Prozent unserer Briefmengen an Wettbewerber gehen, könnten wir gezwungen sein, 16.000 Stellen abzubauen“, hat Zumwinkel jüngst in einem Interview gesagt - und will damit von vornherein klare Verhältnisse schaffen.

Paketangebote kamen zu spät

Bei der Deutschen Telekom gibt es diese Verhältnisse längst. Der Konzern hat im Sommerquartal fast eine halbe Million seiner Festnetzkunden an den privaten Wettbewerb verloren, im dritten Quartal waren es sogar 538.000. Das Geschäft steht zudem unter einem erheblichen Druck neuer Technologien wie der Internettelefonie. Die neuen und für die Kunden offenbar recht attraktiven Paketangebote mit Festnetz- und Internetpauschaltarifen kamen zu spät. Pläne für künftige Maßnahmen zum Personalabbau wurden von der Führung und ihren Öffentlichkeitsarbeitern höchst ungeschickt kommuniziert.

Das hat den bisherigen Vorstandsvorsitzenden der Telekom, Kai-Uwe Ricke, nun sein Amt gekostet. Die Entwicklung war einerseits absehbar und kommt andererseits überraschend. Auf einer nur wenige Tage zurückliegenden Amerikareise mit Journalisten jedenfalls hatte der mit allen Wassern gewaschene Zumwinkel recht geschickt vom Thema abgelenkt als er Gerüchte über eine auf drei statt fünf Jahre verkürzte Vertragsverlängerung Rickes als „Spekulation ohne Grundlage“ bezeichnete. Freilich vermied er eine Äußerung darüber, ob Rickes Vertrag überhaupt verlängert wird oder ob er das Ende seiner Amtszeit im November 2007 erleben würde.

Zumwinkel - der disziplinierte Manager

Es gibt ernstzunehmende Spekulationen darüber, daß zwischen Aufsichtsratschef Zumwinkel und den beiden wesentlichen Telekom-Anteilseignern sogar schon seit Jahresanfang kritisch über Ricke, seine Leistung und seine berufliche Zukunft gesprochen wurde. Denn die Investitionen der Vergangenheit trugen keine Früchte, Versprechungen wurden nicht eingelöst. Das kann Zumwinkel, der den Eindruck eines höchst disziplinierten Managers vermittelt, gar nicht leiden - und Aktionäre, zumal amerikanische wie die Beteiligungsgesellschaft Blackstone, mögen so etwas erst recht nicht. Angeblich war der Aufsichtsratschef bei der Vorbereitung der Ablösung Rickes aber kein von den Aktionären Getriebener.

Indes muß auch der am 15. Dezember 1943 in Rheinberg bei Moers geborene Zumwinkel bei seinem eigenen Arbeitgeber noch beweisen, daß seine seit 1997 getätigten Investitionen im Volumen von mehr als 15 Milliarden Euro die gewünschten Früchte tragen. Die Übernahmen in den Vereinigten Staaten wurden jedenfalls nicht so schnell profitabel wie von dem passionierten Bergwanderer erhofft; die nur zögerliche Erholung der Expreßsparte belastet die Geschäftsentwicklung. Das für 2006 ausgegebene und noch im August bestätigte Spartenziel eines operativen Gewinns von rund 450 Millionen Euro ist, wie bei der Vorlage der jüngsten Quartalsergebnisse bekannt wurde, trotz rückläufiger Verluste in Amerika nicht mehr zu halten. Die Wettbewerber UPS und Federal Express arbeiten mit höheren Margen. Und im Logistik-Geschäft gilt die 5,5 Milliarden Euro teure Übernahme des britischen Transportspezialisten Exel, die Zumwinkel im vergangenen Jahr getätigt hat, in der Branche zumindest nicht als günstiger Zukauf.

Auch im eigenen Haus droht so mancher Sturm

Im Oktober 2002 war der Vater von zwei Kindern auch einmal als möglicher Nachfolger von Telekom-Chef Ron Sommer im Gespräch. Er lehnte das Angebot jedoch ab. Vielleicht ist er inzwischen doppelt froh, im März 2003 lediglich Aufsichtsratsvorsitzender des Unternehmens geworden zu sein, das er aus seinem Vorstandsbüro in der vierzigsten Etage des Post-Towers in Bonn bestens im Blick hat. Wenigstens sind die technischen Verwerfungen im Postgeschäft nicht so unangenehm wie in der Telekommunikation, kann der Einsatz eines einzelnen Chips zur Internettelefonie nicht gleich massenweise Arbeitsplätze überflüssig machen.

Bei allen Verdiensten um die Deutsche Post, bei aller effizienten und oft auch geräuschlos-erfolgreichen Lobbyarbeit der Vergangenheit, hat Zumwinkel aber auch im eigenen Haus noch manchen Sturm zu überstehen. Das gilt besonders dann, wenn er es nicht schafft, das deutsche Briefmonopol ein weiteres Mal zu verlängern. Schon wird bezweifelt, ob er nicht doch mehr Zeit braucht als gedacht, um die Post wetterfest und übernahmesicher zu machen. Bisher heißt es aber, er wolle im Dezember 2008 aufhören, pünktlich zu seinem 65. Geburtstag und vor allem nicht so unrühmlich wie soeben Kai-Uwe Ricke.

Quelle: F.A.Z., 14.11.2006, Nr. 265 / Seite 15
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Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für die Unternehmensberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

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