05.02.2007 · Da die Menschen immer weniger lesen, bringen Politiker und Unternehmen ihre Botschaften immer häufiger per Podcast an den Mann. Allerdings weiß die junge Branche noch nicht so richtig, wie man mit Podcasts Geld verdient.
"Die erste Episode des Video-Podcasts der Bundeskanzlerin war ungefähr so dynamisch wie die Weihnachtsansprache. Inzwischen sind wir moderner", sagte Wolfgang Stock, Geschäftsführer der Berliner RCC Public Affairs GmbH, auf dem zweiten deutschen Podcast-Kongress in Köln. Er hat die Kanzlerin überzeugt, ihre Botschaften zeitgemäß unters Volk zu bringen: In Form professionell produzierter Kurzfilme - neudeutsch Video-Podcast genannt -, die in wenigen Sekunden aus dem Internet geladen und jederzeit angeschaut werden können. "Nur 2 Prozent der Bevölkerung liest noch längere Texte. Das Hören anspruchsvoller Texte ist noch weniger verbreitet. Ein Großteil der Bevölkerung lässt sich eben nur mit Filmen erreichen", begründete Stock die Wahl des neuen Mediums, deren Produktion den Steuerzahler 2500 Euro je Episode kostet.
Keine subtile Werbung
Neben der Kanzlerin setzen auch Unternehmen oder Forschungseinrichtungen mehr und mehr auf diese moderne Form der Kommunikation, um schwierige Materien leicht verständlich präsentieren zu können. Weil die Menschen, die Podcasts hören oder schauen, als überdurchschnittlich gebildet gelten, sind reine Werbebotschaften aber fehl am Platz. "Man muss den Unternehmen klarmachen, dass nicht in jeden zweiten Satz der Unternehmensname fallen darf", sagte Klaus Fechner von der Agentur Audio Link. Der Chemiekonzern BASF will im Sommer mit der Produktion der Podcasts beginnen. "Für uns ist wichtig, keine subtile Werbung einzubauen. Es kommt auf die richtige Mischung aus Information und Unterhaltung an", sagte BASF-Podcaster Rainer Müller-Müffelmann. BASF wolle mit den Podcasts seine Innovationen herausstellen.
Neben der externen Kommunikation gelten Podcasts auch als Instrument der internen Weiterbildung. "Ein Film ist oft schneller zu verstehen als eine komplizierte Bedienungsanleitung", sagt Stock. Einzug halten die Podcasts auch in die Suche nach Personal: "Beratungsunternehmen suchen hochqualifizierte Mitarbeiter heute gerne schon mal per Video-Podcasts."
Keine Konkurrenz für das Radio
In den Medien nutzen vor allem die Radiosender die Podcasts, um ihre Beiträge dauerhaft zur Verfügung stellen zu können. Allerdings ist das neue Medium dort noch sehr umstritten. "Podcasts sind keine Konkurrenz für das Radio, sondern eine Ergänzung.
Aber das wird in vielen Radiostationen anders gesehen", sagte Michael Praetorius von Antenne Bayern. Inhalte außerhalb des Hauses zu verschenken komme in vielen privaten Sendern einer Revolution gleich, während die öffentlich-rechtlichen Sender darüber nachdenken, ihre Archive auf diese Weise für ein breiteres Publikum zu öffnen. Vorteil: "Podcasts schaffen die Chance, Inhalte in möglichst viele Kanäle zu streuen", sagte Praetorius. Nachrichtensendungen könnten als Podcast bis zu neun Minuten lang sein, im Radio aber höchstens vier Minuten. Rund 30.000 Mal werde ein Nachrichten-Podcast aus dem Netz geladen.
Probleme mit der Vermarktung
"Viele Sender haben aber noch Probleme mit der Vermarktung", sagte Praetorius. Die Branche setzt ganz auf die Werbung als Geschäftsmodell. "Das größte Potential hat der Werbeclip. Er kann in vielen Podcasts gleichzeitig geschaltet werden, um eine hohe Reichweite zu erzielen", sagte Holm Krämer von der Agentur Ad On Media. Ein weiteres Werbeformat sei das Sponsoring. Allerdings ist der Markt noch sehr klein. Erst wenige Unternehmen wie Sony-Ericsson, Casio oder Napster setzen auf Werbung in Podcasts. "Die Werbeagenturen beginnen aber, sich für das Thema zu interessieren", sagte Krämer. Ein Problem ist die geringe Kenntnis über den Nutzer. Außer der Adresse des Internet-Rechners und dem vermuteten Interesse des Nutzers am Inhalt des heruntergeladenen Podcasts wissen die Werber heute nur wenig über die Zielgruppe. Der wichtigste Indikator für die Popularität ist die Position eines Podcasts im iTunes-Portal von Apple. Wer in der Rangliste oben auftaucht, wird oft gehört. Rund 70 Prozent aller Hörer beziehen ihre Podcasts von dieser Apple-Seite.
Sauber!
Klaus Kothmayr (makliato)
- 05.02.2007, 14:38 Uhr
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