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Philips Philips gliedert das Halbleitergeschäft aus

23.01.2006 ·  Eine Allianz des Elektronikkonzerns Royal Philips mit der ausgegliederten Halbleitersparte ist wahrscheinlich. Auf ein gutes Geschäft mit der Fußball-Weltmeisterschaft läßt vor allem der Absatz mit Flachbildschirmen hoffen.

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Der niederländische Elektronikkonzern Royal Philips NV wird voraussichtlich bis Ende des dritten Quartals seine Halbleitersparte in eine eigenständige Gesellschaft ausgegliedert haben. Dies ließ Finanzvorstand Pierre-Jean Sivignon am Rande der Philips-Bilanzpressekonferenz in Amsterdam am Montag durchblicken. Vorstandsvorsitzender Gerard Kleisterlee gab im Gespräch mit dieser Zeitung zu erkennen, daß unter den drei in Frage kommenden Optionen von Kooperation, Verkauf oder Börsengang die strategische Allianz die wahrscheinlichere Lösung sein dürfte.

„Der Börsengang an sich bringt nichts, wenn danach nicht weitere Schritte zur Expansion folgen“, sagte Kleisterlee. „Das gleiche gilt auch für den Verkauf an Finanzinvestoren.“ Der Philips-Chef würde zwar gerne komplett verkaufen, wenn ein attraktiver Preis gezahlt werde. Mit dem Hinweis hält er aber offenbar diese Variante selbst für eher unrealistisch. Mitte Dezember hatte Philips als drittgrößter europäischer Chip-Hersteller hinter St Microelectronics aus Frankreich und Infineon angekündigt, die Sparte auszugliedern, die wie die ganze Branche extremen zyklischen Schwankungen unterliegt.

Umsatzplus schon zum Jahresende

„Das zyklische Chipgeschäft hat einen Einfluß auf unser Wachstumsprofil“, sagte Kleisterlee auf der Bilanzpressekonferenz. Im Jahr 2004 habe es einen positiven, im vergangenen Jahr hingegen einen negativen Einfluß auf das Konzerngeschäft gehabt. Dabei profitierten die Halbleiter zumindest im vierten Quartal vom internationalen Aufwärtstrend und steigerten das Betriebsergebnis deutlich von 48 Millionen Euro im Vergleichszeitraum des Vorjahres auf nun 176 Millionen Euro, was immerhin einer operativen Umsatzrendite im Quartal von 13,3 Prozent entspricht. Genau diese Schwankungen will Kleisterlee vermeiden. Er strebt stabiles und konsistentes Wachstum für den gesamten Konzern an.

Und da gibt sich der Philips-Chef für dieses Jahr optimistisch. Trotz der schwierigen konjunkturellen Rahmenbedingungen hält Kleisterlee an den mittelfristig gesteckten Umsatz- und Ertragszielen fest. Er zeigte sich davon überzeugt, von Beginn nächsten Jahres an eine operative Umsatzrendite von jährlich 7 bis 10 Prozent und ein Umsatzplus von 5 bis 6 Prozent zu erzielen, was schon zum Jahresende sichtbar werden sollte. Das Geschäft werde im zweiten Halbjahr Tempo aufnehmen. Impulse verspricht sich der Vorstandschef von neuen Produkten und vom Wachstum in den sich entwickelnden Märkten, etwa in Asien.

Hauptwachstumsträger ist die Konsumelektronik

Am meisten setzt er auf die Fußball-Weltmeisterschaft, von der sich der Konzern als einer der Hauptsponsoren hohe Verkäufe in der Unterhaltungselektronik erhofft. Die Börse reagierte gestern positiv auf die Äußerungen. Der Kurs der Aktie, der sich 2005 überdurchschnittlich entwickelt hat, stieg trotz schwacher Märkte um 1 Prozent. Vor diesem Hintergrund machte Kleisterlee klar: „Wir müssen liefern“, sagte er und spielte auf die Unternehmensergebnisse an. Hauptwachstumsträger wird in diesem Jahr vor allem die größte Konzernsparte Konsumelektronik sein. Hier setzt Kleisterlee auf den starken Verkauf von Fernsehern mit Flachbildschirmen im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft.

In den Vereinigten Staaten entwickelt sich die Konsumelektronik für Kleisterlee sehr erfreulich. Nachdem das Geschäft dort viele Jahre Verluste eingefahren hatte, schrieb sie in Amerika im vergangenen Jahr jedes Quartal Gewinne, nicht zuletzt dank der starken Verkäufe von Flachbildschirmen. Nicht zu unterschätzen ist auch das wachsende Angebot von neuen Produkten. Phillips will den Umsatzanteil von Geräten, die jünger als zwei Jahre sind, von 49 Prozent im vergangenen Jahr auf 54 Prozent im Jahr 2006 erhöhen.

Umsatz stieg im stärksten Quartal um sechs Prozent

Ermutigt fühlt sich Kleisterlee durch die Entwicklung zum Jahresende 2005. Nachdem der Konzern, größter Unterhaltungselektronik-Hersteller in Europa, ein schwaches erstes Halbjahr hatte, nahm das Geschäft im dritten und vierten Quartal immer mehr an Fahrt auf. Der Umsatz stieg in den vergangenen drei Monaten - dem traditionell stärksten Quartal eines Philips-Geschäftsjahres - um 6 Prozent auf 9,52 Milliarden Euro.

Das operative Ergebnis erreichte 971 Millionen Euro, nachdem hohe Wertberichtigungen auf die amerikanische Medizintechnik-Tochtergesellschaft Medquist im Vorjahreszeitraum nur 15 Millionen Euro übriggelassen hatten. Sondereinflüsse wie Abschreibungen auf die Beteiligung am gemeinsam mit der südkoreanischen LG Fernsehgeräte-Hersteller LG Philips Displays führten dazu, daß der Gewinn nach Steuern drastisch um ein Drittel auf 389 Millionen Euro gesunken ist.

Quelle: kön. / F.A.Z., 24.01.2006, Nr. 20 / Seite 14
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