Home
http://www.faz.net/-gqm-rhih
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Montag, 13. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Pauschaltarife Quasseln, bis die Leitung raucht

09.11.2005 ·  Endlos telefonieren ohne Mehrkosten - das ermöglichen die neuen Pauschaltarife. Attraktiv sind sie aber nur für Vieltelefonierer.

Von Patrick Bernau
Artikel Bilder (3) Lesermeinungen (1)

Rund 120 Euro pro Monat betrug die Telefonrechnung von Familie Schell aus Bergisch Gladbach. Bis Sohn Phillip von einem Pauschaltarif erfuhr, den die Telefonfirma der Schells anbietet: Für 20 Euro im Monat können die Schells jetzt im deutschen Festnetz telefonieren, so lange sie wollen.

Das lohnt sich: "Meine Mutter telefoniert viel mit der Verwandtschaft", erzählt Phillip. Zwei bis drei Telefonstunden am Tag seien da in der Familie schon zusammengekommen - früher. Jetzt telefonieren die Schells noch mehr, aber zahlen im Monat 30 Euro weniger: "Wenn ich jemanden auf dem Festnetz anrufe, muß ich gar nicht mehr über die Kosten nachdenken. Das ist schon eine deutliche Erleichterung."

Lohnend fast nur für Familien

Schon länger gibt es Pauschaltarife, die abends oder am Wochenende gelten: für alle, die tagsüber arbeiten und nur in der Freizeit zu Hause telefonieren. Seit einigen Wochen bieten nun immer mehr Anbieter Tarife an, die den ganzen Tag gelten. Dann können auch die Kinder nach der Schule oder nach der Uni mit ihren Freunden quasseln.

Diese Flatrates lohnen sich allerdings fast nur für Familien. Schließlich muß man - egal ob Fern- oder Ortsgespräch - jeden Tag rund eine Stunde telefonieren, bevor sich so eine Flatrate auszahlt. Zumindest gilt das für diejenigen, die auch sonst immer die günstigste Billigvorwahl benützen. Bei dieser Rechnung zählen allerdings nur Gespräche ins Festnetz: Wer ein Handy anruft oder ins Internet gehen will, zahlt den ganz normalen Minutenpreis, der für diese Verbindung anfällt.

Nur noch über das Handynetz ins Internet

Inzwischen gibt es auch Pauschaltarife zum Handy-Vertrag. Sie sind sogar günstiger als die Festnetz-Pauschalen. Deshalb können sie sich auch für Singles und Paare lohnen - wer angesichts dieser Angebote aber seinen alten Telefonanschluß abbestellt, kommt nur noch über das Handynetz ins Internet. Dafür haben die Anbieter sogar passende Tarife im Programm - so günstig wie im Festnetz wird das allerdings nicht.

Unternehmen dürfen die Flatrates allerdings meist nicht nutzen. Daß das bei Selbständigen und Freiberuflern schwer zu kontrollieren ist, wissen die Anbieter selbst: "Solange das im normalen Telefonierverhalten bleibt, stört das niemanden", gesteht ein Sprecher der Telekom-Festnetztochter T-Com.

Zwei Rechnungen am Monatsende

Drei Arten von Pauschaltarifen gibt es: erstens solche, die mit einem Anschluß der Telekom funktionieren. Zweitens die, bei denen die Kunden mit ihrem Anschluß zu einem anderen Anbieter wechseln müssen. Drittens die Pauschaltarife der Handy-Anbieter.

Wer oft Handy-Gespräche oder Anrufe ins Ausland auf der Rechnung hat, der sollte mit seinem Telefonanschluß bei der Telekom bleiben. Denn nur dort kann er die "Call by Call"-Billigvorwahlen für die Gespräche nutzen, die nicht in den Pauschaltarif fallen. Dabei muß er aber nicht unbedingt die Flatrate nehmen, die die Telekom anbietet: Der Düsseldorfer Anbieter Tele2 verlangt vier Euro im Monat weniger. Am Monatsende kommen dann zwei Rechnungen ins Haus - eine von der Telekom und eine von Tele2.

Telefonieren über das Fernsehkabel

Wer häufig ins europäische Ausland telefoniert, sollte sich dagegen von der Telekom verabschieden. Wenn er mit seinem ganzen Telefonanschluß zu Hansenet wechselt, kann er dort eine Flat-rate für alle Gespräche ins europäische Festnetz bestellen. Dieses Angebot gibt es nicht für Telekom-Anschlüsse. Allerdings bietet Hansenet Telefonanschlüsse nur in Norddeutschland und in einigen Großstädten an.

Doch auch andere Firmen haben günstige Tarife. Besonders billig sind diese Angebote, wenn die Familie sowieso schon einen ISDN-Anschluß hat, also über zwei Leitungen telefoniert und unter drei verschiedenen Nummern angerufen werden kann. In einigen Regionen kann man auch über das Fernsehkabel zum Pauschalpreis telefonieren.

Auch die Internet-Kosten berücksichtigen

Wer allerdings oft mit den gleichen Familienmitgliedern oder Freunden telefoniert, braucht teils gar keinen speziellen Pauschaltarif, wenn die Freunde den Anbieter ebenfalls wechseln: Bei Arcor, Hansenet und einigen anderen Firmen telefonieren deren Kunden untereinander sowieso kostenlos.

Aber aufgepaßt: Wer mit seinem Telefonanschluß zu einer anderen Firma wechselt, muß meist auch den Internet-Zugang von diesem Anbieter nehmen. Für Leute, die bisher günstig ins Netz kommen, kann das Gesamtpaket aus Telefon und Internet auf diese Weise wieder teurer werden. Wer überhaupt keinen Internet-Zugang braucht, der kann einen Handy-Pauschaltarif nehmen. Die haben einen zusätzlichen Bonus: Anrufe ins gleiche Handy-Netz sind ebenfalls kostenlos. Dafür sind Auslandstelefonate extrem teuer.

Telefoniergewohnheiten ändern sich nur langsam

Die Handy-Flatrate von O2 ist etwas günstiger, dafür können die Nutzer allerdings nur in einem bestimmten Bereich kostenlos telefonieren - zum Beispiel im Umkreis der eigenen Wohnung. Anders der Tarif von Base, einer E-Plus-Tochter: Mit dieser Flatrate dürfen die Kunden überall in Deutschland telefonieren. Dafür gibt es bei diesem Tarif keine Festnetz-Telefonnummer, unter der Freunde anrufen können. Base-Telefonierer müssen also immer zurückrufen.

Aber nicht nur beim Zurückrufen müssen Nutzer umdenken, wenn sie einen Pauschaltarif haben. Auch die Telefoniergewohnheiten ändern sich oft nur langsam. Phillip Schells Eltern zum Beispiel haben sich erst langsam auf den Pauschaltarif eingestellt: "Als wir die Flatrate neu hatten, haben meine Eltern am Anfang immer noch gesagt: Telefonier nicht so lange. Aber das ist ja jetzt egal", schmunzelt Phillip.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Mit Schulden

Von Johannes Ritter

Die Stadt Hamburg will ihren Anteil an der Reederei Hapag-Lloyd aufstocken. Solche ordnungspolitischen Sündenfälle haben in der Hansestadt Tradition. Mehr 3

10.02.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.692,96 −1,41%
 OK
13.02.2012
Name Kurs Prozent
DAX 6.692,96 −1,41%
FAZ-INDEX 1.495,13 −1,32%
TecDAX 769,89 −0,43%
MDAX 10.249,10 −1,04%
SDAX 4.985,13 −0,71%
REX 421,06 −0,02%
Eurostoxx 50 2.480,76 −1,65%
F.A.Z. EURO INDEX 80,01 −1,60%
Dow Jones 12.801,20 −0,69%
Nasdaq 100 2.547,32 −0,65%
S&P500 1.342,64 −0,69%
Nikkei225 8.999,18 +0,58%
EUR/USD 1,3261 +0,18%
Rohöl Brent Crude 118,21 $ +0,26%
Gold 1.711,50 $ −2,09%
Bund Future 138,08 € −0,39%