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Optionsskandal iMac, iPod, iAffäre

29.12.2006 ·  In der Affäre um gefälschte Papiere zur Vergabe von Aktienoptionen gerät Apple-Gründer Steve Jobs zunehmend in die Defensive - sein Rücktritt würde dem Konzern allerdings noch mehr schaden.

Von Carsten Knop
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Steve Jobs, der Vorstandsvorsitzende und Mitbegründer des Computerherstellers Apple, hat sich bei Aktionären und Mitarbeitern für die Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit der Vergabe von Aktienoptionen in den Jahren zwischen 1997 und 2002 schon im Oktober entschuldigt. Sie paßten "ganz und gar nicht zum Charakter" des Unternehmens.

Der ehemalige Apple-Finanzvorstand Fred Anderson, der diesen Posten von 1996 bis 2004 innehatte, ist damals offenbar vor diesem Hintergrund aus dem Apple-Verwaltungsrat ausgeschieden. Inzwischen stellt sich aber die Frage, ob nicht auch die Apple-Ikone Jobs und damit der Mann, der das Unternehmen personifiziert, im Zuge der Affäre Schaden nehmen könnte.

Wenn es stimmen sollte, daß Apple Jobs Aktienoptionen ohne die erforderliche Genehmigung des Verwaltungsrats gewährt und die entsprechenden Unterlagen später gefälscht hat, kommt der Mann in Bedrängnis, von dem noch immer das Wohl und Wehe von Apple abhängt. Jobs hat Apple im Jahr 1976 mitgegründet und einen der ersten erfolgreichen Personalcomputer auf den Markt gebracht.

Zweite Karriere im Trickfilmstudio

Nach einem Rückschlag Mitte der achtziger Jahre, als ihn Apple aus dem Unternehmen drängte, begann er eine zweite Karriere beim Trickfilmstudio Pixar. Im Jahr 1997 feierte er aber seine triumphale Rückkehr zum damals angeschlagenen Computerhersteller und stellte kurz darauf den iMac-Computer vor. Den größten Coup landete er mit dem digitalen Musikspieler iPod, der die Musikbranche auf den Kopf gestellt hat.

Der 51 Jahre alte Jobs ist trotz seines Alters jung genug geblieben, Produkte entwickeln zu lassen, die sich in einer jugendlichen Zielgruppe zum Kult entwickeln. Sein Glaube an solche Erfolge ist stets unerschütterlich. Als Beleg dafür mag ein Zusammentreffen in der Apple-Zentrale im kalifornischen Cupertino an einem strahlenden Herbsttag im Oktober 2001 dienen.

Jobs hatte gerade die erste Ausgabe des iPod präsentiert, der - wie Jobs nicht vergessen hatte zu erwähnen - nicht einen, sondern natürlich gleich drei technische Durchbrüche in sich vereinte. Dann mischte er sich unter die Anwesenden: "Und wie gefällt er euch?" hörte er sich um. "Schön und sehr, sehr teuer", bekam er zur Antwort. "Aber der billigste Mac", erwiderte er selbstsicher - und wohl nur er ahnte, soeben den Walkman des 21. Jahrhunderts vorgestellt zu haben.

Störende Ablenkung

Gleich zu Beginn des neuen Jahres wird Jobs seinen Anhängern auf einer Bühne in San Francisco einmal mehr die jüngsten Produkte des Hauses präsentieren. Die Berichterstattung, mit der Apple derzeit konfrontiert ist, dürfte Jobs allein schon wegen der Ablenkung von diesen wichtigen Neuvorstellungen stören. Doch könnte der Schaden im schlimmsten Fall, einem Rücktritt von Jobs, noch viel größer werden.

Schon in einer internen Untersuchung von Apple hatte sich gezeigt, daß Aktienoptionen, die in den betroffenen Jahren zu 15 verschiedenen Zeitpunkten gewährt wurden, auf frühere Termine rückdatiert worden sind. Eine Option gibt dem Inhaber das Recht, eine Aktie in der Zukunft zu einem vorher vereinbarten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Durch die Wahl eines günstigen Gewährungsdatums mit einem niedrigen Aktienkurs wird der Wert der Optionen schon bei ihrer Ausgabe erhöht. Apple wird deshalb rückwirkend seine Bilanzen ändern müssen.

Keine Ahnung von Bilanzen

Und auch Jobs wußte, daß vorteilhafte Gewährungstermine gewählt worden waren. Er habe davon selbst aber nicht profitiert, wird seither stets versichert. Die Auswirkungen auf die Bilanz seien Jobs, der sich im Geschäft eher um das Marketing und die Produktentwicklung kümmert, nicht bewußt gewesen.

Interessant ist, daß dem Vermarktungsgenie Jobs diese Behauptung sogar abgenommen wird. Gleichwohl gibt es schon länger auch kritische Stimmen. So seien Optionen, die Jobs in der fraglichen Zeitspanne gewährt worden seien, wegen eines folgenden Kurseinbruchs der Apple-Aktie zwar wertlos geworden. Doch sei dieser Verlust später durch Aktien ausgeglichen worden, die Jobs angedient worden seien. Die Zahl dieser Aktien wiederum habe sich aus dem ursprünglichen Wert der damaligen Optionen abgeleitet.

Quelle: F.A.Z., 29.12.2006, Nr. 302 / Seite 16
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Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für die Unternehmensberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

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