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Onlineshopping : Anprobe in der virtuellen Umkleidekabine

Ob mir die Farbe steht? Im Laden kann der Kunde da ausprobieren - bald auch im Internet? Bild: dpa

Ein Pulli ist im Internet schnell bestellt. Und wenn er nicht gefällt auch schnell wieder zurückgeschickt. Doch Kunden und Händler nervt das. Virtuelle Umkleidekabinen sollen Abhilfe schaffen.

          Zu Hunderten kommen sie zum Einsatz: die Aushilfen, die sich Tag für Tag mit Retouren beschäftigen – mit Kleidern, Jacken und Schuhe, die Online-Käufer zurückschicken. Massenweise prüfen die Mitarbeiter Rücksendungen auf Schäden und verpacken sie neu. An schlechten Tagen kommt angeblich die Hälfte der ausgesandten Textilien zurück – weil Schuhe drücken, Pullover zu schlabbrig hängen oder die Farbe des realen Kleides nicht so gut gefällt wie auf dem Foto. Das verursacht Millionenkosten, die vermeidbar wären, wenn Kunden zu Hause vor dem Computer erst anprobieren und dann bestellen könnten.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Virtuelle Umkleidekabinen sollen die Anprobe vor dem Versand, das Testen eines nicht vorhandenen Kleidungsstücks, möglich machen. Mal lassen sich Nutzer aus verschiedenen Winkeln fotografieren oder filmen, Software modelliert eine Figur dazu. Oder sie geben Körpergröße, Gewicht, Brustumfang und weiteres ein, auf dem Bildschirm erscheint eine Digitalfigur mit ebendiesen Maßen. So sollen auch mehr Kunden ins Netz gelockt werden. Denn nach einer Untersuchung des Hamburger Unternehmens Coremedia, eines Technikanbieters für Online-Händler, weigert sich noch immer jeder zehnte Deutsche beharrlich, im Netz Textilien zu bestellen.

          Angebote könnten mehr Käufer locken

          86 Prozent nennen die fehlende Anprobemöglichkeit als Grund dafür. 59 Prozent ist es zu kompliziert, Rücksendungen auf den Weg zu bringen. „Die Möglichkeit, Bestellungen auch kostenlos zurückzuschicken, gefällt vielen Menschen nicht. Sie finden den dazugehörigen Prozess lästig“, sagt Coremedia-Geschäftsführer Sören Stamer. 31 Prozent würden ihre Vorbehalte fallenlassen, wenn sie virtuell Hemd, Bluse oder Stiefel Probe tragen könnten, hat eine repräsentative Befragung von 1000 Bundesbürgern ergeben. „Neue Endgeräte wie Smartphones von Apple und Videobrillen, deren Nutzung in der Videospielszene begonnen hat, werden für eine größere Verbreitung von Virtual-Reality-Technik bei Käufern sorgen“, ist Stamer überzeugt.

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          Der Kleidungskauf im Netz könnte sich grundsätzlich verändern. „Der Wettbewerb im Internet ist aktuell stark darauf gerichtet, darum zu kämpfen, wer der Preisführer ist“, sagt Stamer. Künftig könne auch die Art der Präsentation von Artikeln mitentscheidend sein, wo ein Nutzer kauft. „Kunden, die ein starkes Informationsbedürfnis haben, werden sich daran orientieren.“ Und Fotos von einer virtuellen Anprobe ließen sich sofort an Bekannte in aller Welt schicken, um deren Rat einzuholen – was nebenbei auch kostenloses Marketing für einen Markenhersteller wäre.

          Neue Methoden müssen entwickelt und erlernt werden

          Über virtuelle Umkleidekabinen wird in der Branche seit Jahren gesprochen. Den Durchbruch schaffte die Technik allerdings noch nicht. Zalando, Otto und auch H&M machten die Erfahrung, dass Innovation nicht immer einfach ist. „Dreidimensionale Bilder und Filme waren lange nicht einfach zu produzieren. Durch neue Technik verkürzt sich der Produktionsprozess und wird günstiger“, sagt Stamer. Auch Kunden sind mit den neuen Techniken noch kaum vertraut. Fragt man die Deutschen danach, wonach sie ihren bevorzugten Online-Shop auswählen, dann nennen 69 Prozent das Preis-Leistungs-Verhältnis, 39 Prozent, dass sie nicht lange klicken und suchen müssen, und 21 Prozent den einfachen Bezahlvorgang als Kriterium.

          Von virtuellen Ankleidezimmern sprechen sie nicht, weil sie die noch nicht kennen. Nur 12 Prozent der Befragten haben nach eigenen Angaben schon eine solche Umkleide genutzt. Immerhin rechnen 54 Prozent damit, dass die virtuelle Probe in spätestens zehn Jahren auch hierzulande zum Standard gehören wird. 45 Prozent würden sie sich aber schnellstens wünschen. An das Szenario, dass in ein paar Jahren ein autonom fahrender Roboter noch am Tag der Bestellung des Päckchen vor der Haustür ablegt, wollen dagegen nur 23 Prozent glauben.

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