16.04.2007 · Harte Zeiten für Googles Konkurrenten: Nach der Übernahme des Online-Werbevermarkters Doubleclick dominiert der Internetkonzern die Werbung im Netz zu einem Großteil. Microsoft und AT&T wollen deshalb, dass die Kartellbehörden den Fall scharf prüfen.
Von Carsten KnopDer marktführende Internetkonzern Google hat seine Konkurrenten mit der Übernahme des Online-Werbevermarkters Doubleclick aufgeschreckt. Vertreter von Microsoft, des größten Softwarekonzerns der Welt, und des Telekommunikationsanbieters AT&T warnten vor einer Einschränkung des Wettbewerbs bei der Werbung im Internet. Das im kalifornischen Mountain View ansässige Unternehmen Google baut zudem sein Geschäft mit Werbung im Radio durch eine soeben bekanntgegebene, breitangelegte Zusammenarbeit mit dem größten amerikanischen Rundfunkkonzern Clear Channel und seinen 675 Sendern stark aus.
Microsoft-Chefjurist Brad Smith kritisierte, der Kauf des New Yorker Unternehmens Doubleclick führe die beiden größten Anbieter von Internetwerbung zusammen und schränke den Wettbewerb erheblich ein: Google und Doubleclick schlügen gemeinsam mehr als 80 Prozent der Werbung um, die ein Internetnutzer sehe, wenn er eine Website besuche. Auch ein hochrangiger Vertreter von AT&T rief die Wettbewerbsbehörden zu einer aufmerksamen Prüfung des Zusammenschlusses auf. Es entstehe der Eindruck, dass Google sich in die dominierende Position als einziger Vermittler von Werbung im Internet bringen wolle.
Immer länger im Internet
Ähnlich äußerte sich laut einem Zeitungsbericht der New Yorker Medienkonzern Time Warner, der zugleich ein guter Kunde von Google ist. Google hingegen ist zuversichtlich, die Zustimmung der amerikanischen Kartellbehörden für das Geschäft zu erhalten. Google-Vorstandsvorsitzender Eric Schmidt hatte nach der Ankündigung des Kaufs gesagt, er erwarte in dieser Hinsicht keine Schwierigkeiten. Der Wettbewerb sei sehr intensiv.
Es handelt sich um einen hochinteressanten Markt, dessen Volumen im vergangenen Jahr um 36 Prozent auf knapp 29 Milliarden Dollar angeschwollen sein dürfte - und der nach der Erwartung aller Fachleute auch weiterhin mit hohen Wachstumsraten glänzen wird, da die Menschen immer mehr Zeit im Internet verbringen, wohin ihnen die Werbung zwangsläufig folgen muss. Wie es in amerikanischen Presseberichten heißt, haben Führungskräfte mehrerer Google-Wettbewerber deshalb schon am Wochenende am Telefon beraten, wie man die Kartellbehörden des Landes zu einer harten Prüfung bewegen könne.
Display-Werbung wird immer wichtiger
Wortführer des Widerstandes sei Microsoft und damit ein Unternehmen, das in der Vergangenheit seinerseits einige Schwierigkeiten mit den Kartellbehörden zu überstehen hatte - auf dem von Google bedienten Markt der Internetsuche und -werbung aber trotz aller Anstrengungen der Vergangenheit ein Zwerg ist. Google hatte mit einem Preis von 3,1 Milliarden Dollar für Doubleclick die konkurrierenden Gebote von Microsoft und des kalifornischen Internetkonzerns Yahoo überboten, der im Geschäft mit der Anzeigenvermarktung im Internet gegenüber Google inzwischen ebenfalls deutlich ins Hintertreffen geraten ist.
Google, schon vor der Doubleclick-Übernahme deutlicher Marktführer bei individuell zu den Suchanfragen plazierten Textanzeigen, bekommt im Falle einer Zustimmung zu dem Geschäft durch die Kartellbehörden nun auch eine starke Position bei sogenannter Display-Werbung mit Bildern und Videos, die im Internet zunehmend an Bedeutung zu gewinnen scheint. Doubleclick hat mehr als 1500 Kunden, darunter große Online-Anbieter wie AOL, eine Tochtergesellschaft von Time Warner.
Microsoft und Yahoo unter Zugzwang
Doubleclick ist seit seiner Gründung 1996 ein Pionier der Online-Werbung. Branchenkenner erwarten, dass Google damit auch ein Sprungbein für die Eroberung des traditionellen Werbemarktes in Zeitungen, Radio und Fernsehen bekommt - das Geschäft mit Clear Channel scheint ein weiteres Indiz zu sein.
Microsoft muss sich nicht zum ersten Mal in einem Bieterwettstreit gegen Google geschlagen geben. Als es im Jahr 2005 um einen strategischen Partner für AOL ging, erhielt Google gegen Microsoft ebenfalls den Vorzug. Yahoo wiederum setzt der missglückte Griff nach Doubleclick ebenfalls unter weiteren Zugzwang.
microsoft und der wettbewerb
kai wiegelmann (kkwiegelmann)
- 17.04.2007, 00:43 Uhr
Carsten Knop Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für die Unternehmensberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.
Jüngste Beiträge
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.386,72 | +0,72% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2526 | −0,12% |
| Rohöl Brent Crude | 106,92 $ | −0,32% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
Anonym bewerben? Ist das gut?