Wer den eigenen Namen bei Google eingibt, erlebt mitunter eine böse Überraschung: Schmäheinträge, Verleumdungen und gefälschte Fotos können im Netz lauern. Wegen solcher Inhalte klagt Bettina Wulff gerade gegen die Suchmaschine Google. Doch nicht nur für Prominente wie die Frau des ehemaligen Bundespräsidenten ist das ein Thema. Fast jeder Deutsche bewegt sich regelmäßig im Internet; und weil die Anonymität im Netz es einfacher macht, andere zu diffamieren, werden immer mehr Menschen Opfer von Online-Angriffen.
In Frankreich haben Versicherer schon erkannt, dass sich mit der Angst vor einem beschädigten Online-Ruf Geld machen lässt. Unternehmen wie Axa und Swiss Life bieten Policen gegen Rufschädigung im Internet an. Die „Protection Familiale Intégrale“ hat die französische Axa seit Beginn des Jahres im Angebot, in Kombination mit einer Versicherung gegen häusliche Unfälle und gegen Naturkatastrophen.
Anwaltskosten und Schadensersatz
Die Police hilft, wenn die „E-Reputation“ beschädigt wird. Zum Beispiel, wenn jemand ungewollt Fotos oder verletzende Äußerungen in sozialen Netzwerken verbreitet, persönliche Informationen oder Kontodaten missbraucht oder aber, wenn es Ärger mit einem Händler nach einem Online-Kauf gibt, etwa weil der die Ware nicht wie beschrieben oder auch gar nicht liefert. In solchen Fällen übernimmt die Versicherung die Anwaltskosten zur Lösung des Streitfalls bis zu einer Summe von 10 000 Euro, bietet einen psychologischen Dienst und zahlt Schadensersatz bis zu 5000 Euro.
Zu dem Paket gehört ebenso die Bereinigung der „E-Reputation“: Unangenehme Daten werden gelöscht und Suchmaschinen-Ergebnisse so manipuliert, dass negative Informationen nicht als Erstes erscheinen. Das Angebot der Axa liegt bei rund 13 Euro monatlich für eine Einzelperson unter 65 Jahren, den Höchstpreis von rund 24 Euro zahlt eine Familie mit mindestens einem Familienmitglied, das älter als 65 ist. Bislang hat Axa Deutschland allerdings keine Pläne, eine vergleichbare Versicherung hierzulande einzuführen.
Auch die Swiss Life in Frankreich bietet seit Sommer 2011 eine ähnliche Versicherung, die laut einem Unternehmenssprecher bislang auf „großes Interesse“ gestoßen ist. Für einen Beitrag von 9,90 Euro im Monat ist die ganze Familie abgesichert. Swiss Life kooperiert mit Reputation Squad, einer Agentur, die beschädigte Online-Identitäten säubert. Zu ihrer Arbeit gehört auch, vorzeigbare Inhalte über den Geschädigten zu erschaffen, die negative Ergebnisse in einer Google-Suche ausgleichen sollen, wie ein aussagekräftiges Profil in einem beruflichen sozialen Netzwerk wie Xing oder Linkedin.
Online-Identität pflegen
Auch in Deutschland besteht Bedarf an Versicherungen gegen Online-Mobbing: 42 Prozent der Deutschen halten eine solche Police für notwendig, jeder Vierte kann sich grundsätzlich vorstellen, dieses Angebot in Anspruch zu nehmen. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage der Beratungsgesellschaft Faktenkontor. Wer hierzulande seine Online-Aktivitäten schützen möchte, kann dies bislang allerdings nur mit einer Internet-Haftpflichtversicherung tun, wie sie zum Beispiel die Allianz oder die HUK-Coburg anbietet. Diese deckt Schäden durch Viren ab oder wenn gegen Persönlichkeitsrechte verstoßen wird, zum Beispiel ein bereits geschützter Domainname abermals angemeldet wird.
“Verbraucher sollten prüfen, ob ihre normale Haftpflichtversicherung auch Aktivitäten im Internet abdeckt, und falls ja, in welchem Ausmaß“, sagt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten. Er glaubt, dass der Ruf im Netz heute bedeutender ist denn je. „Meine Reputation im Internet ist genauso wichtig wie mein Lebenslauf“, sagt auch Christian Scherg, Geschäftsführer der Agentur Revolvermänner und Autor des Buchs „Rufmord im Internet“. „Weil immer mehr Leute ihre Geschäftspartner, Kunden oder andere Kontakte vor dem ersten Treffen oder einem Kauf googeln, sollte man seine Online-Identität gut pflegen.“ Dazu gehöre, seinen Namen regelmäßig bei Google einzutippen und die Ergebnisse zu überprüfen. Auch empfiehlt er, vorteilhafte Inhalte und Bilder ins Web einzustellen. So könne laut Scherg jeder an seiner digitalen Visitenkarte feilen und Einfluss darauf haben, was online über ihn verbreitet wird.
Grenzen sind schwierig
Professionell machen dies Agenturen wie Revolvermänner oder Reputation Squad. Sie verbessern den virtuellen Ruf von Privatpersonen und Unternehmen, indem sie beispielsweise Negativeinträge korrigieren, löschen lassen oder Profile in Personensuchmaschinen wie Yasni oder sozialen Netzwerken wie Xing veredeln. Zu den Leistungen dieser Agenturen gehört allerdings keine psychologische Hilfe, wie sie die französischen Versicherungen anbieten.
Dass diese höchstens Kosten bis 10 000 Euro übernehmen, findet Christian Scherg jedoch nicht realistisch: „Bei Rufmord im Internet ist das nichts. Wenn man gegen jemanden im Ausland klagt, wird’s schnell sehr teuer.“ Zudem hält er es für schwierig, die Grenzen zu ziehen: Ab wann muss die Versicherung einspringen? Was ist noch Spaß, was ist schon eine Beleidigung? „Für manche ist ein ins Internet gestelltes Foto in kurzer Hose mit einer Flasche Bier schon Online-Mobbing, andere finden das völlig harmlos.“