Home
http://www.faz.net/-gqe-7avqu
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
Risikoabsicherung

Online-Dating Der Schmu mit den Singlebörsen

Geld weg, Daten weg, Herz verloren: Elitepartner, Parship & Co. ziehen windige Geschäftemacher und krankhaft amouröse Witzbolde an.

© Istockphoto Vergrößern Gerade mal zwei Prozent aller Paare haben sich über Singlebörsen kennengelernt

Es gab einmal ein großes Versprechen gegen die Einsamkeit. Es kam von den Single-Börsen im Internet. Mit ein bisschen Glück und ein paar Klicks, so schürten sie die Hoffnungen vieler, zappelt ganz leicht der richtige Partner im Netz. Nichts erschien einfacher als der lockere Chat am PC, nichts unverfänglicher und aussichtsreicher: Wo sonst ist die Auswahl an Prinzen/Prinzessinnen so groß wie im WorldWideWeb?

Bettina Weiguny Folgen:

Doch zwölf Jahre nach dem Start des ersten großen Dating-Portals, Parship mit Namen, kehrt in Deutschland Ernüchterung ein. Die Börsen entpuppen sich zunehmend als Anziehungspunkt für unseriöse Geschäftemacher, Aufschneider, Lügner und krankhaft amouröse Witzbolde. Von Flensburg bis Passau beschäftigen sich Anwälte und Gerichte mit dem Herzschmerz-Schmu. Meist geht es um unberechtigte Forderungen gegenüber den Kunden und um Tricks im Fall von Kündigungen. „Die Betreiber versuchen mit allen Mitteln, so viel Geld wie möglich aus ihren Kunden herauszuquetschen“, wettert der Berliner Anwalt Thomas Hollweck, der sich auf Verbraucher-Nepp im Internet spezialisiert hat. Geld weg, persönliche Daten weg - und Herz verloren. Viele Singles, die in ihrer Not die Anwälte aufsuchen, fühlen sich betrogen, in ihren Hoffnungen getäuscht. Petra ist so ein Fall. Die Bürokauffrau ist 46 Jahre alt, seit vier Jahren geschieden, seither alleinerziehend. Und einsam. Bisweilen verzweifelt. Natürlich sucht sie - wie die meisten Singles - nach der neuen Liebe ihres Lebens.

Die amouröse Kraft des Online-Dating wird überschätzt

Nur wo finden? Im Büro, in der Kneipe, im Sportverein? Petra hat zwei Kinder im Grundschulalter. „Ich ziehe abends nicht los, mal gucken, was sich so ergibt.“ Sie geht in ein Frauen-Fitness-Center und arbeitet seit zehn Jahren in der gleichen Behörde. Weit und breit kein Date in Sicht. Also hockt sie sich vor den PC, surft durch die virtuelle Flirt-Welt: Elitepartner, Partnersuche.de, Parship, Friendscout24, neu.de, in-ist-drin.de Dating Cafe, neu-flirt.net, Kiss-No-Frog und wie sie alle heißen. „Ist ja nichts Anrüchiges dabei“, sagt Petra. Wohl wahr, Online-Dating ist salonfähig, namhafte Investoren sind in das Geschäft eingestiegen, schalten zu bester Sendezeit (und höchsten Tarifen) TV-Werbespots: Hinter Elitepartner steht der Burda-Konzern, hinter Parship und Kiss-no-Frog der Holtzbrinck Verlag.

Infografik / Online Singlebörsen / Wo die Liebe hinklickt © F.A.Z. Vergrößern

Bei eDarling mischen die Samwer-Brüder mit (wie bei Zalando und Dutzenden anderer Online-Shops), Friendscout24 gehört gar der Deutschen Telekom. Längst kennt jeder Paare, die sich über das Internet kennengelernt haben, angeblich schnuppern sieben Millionen User in die Dienste rein. Allerdings wird die amouröse Kraft des Online-Dating maßlos überschätzt. Nach einer repräsentativen Allensbach-Studie vom Anfang des Jahres lernen sich 27 Prozent aller Paare im Freundeskreis kennen, 16 Prozent in einer Kneipe, 11 Prozent im Büro und gerade mal zwei Prozent über Single-Portale.

Auch Petra musste lernen, dass ihr abendliches Surfen wenig bringt. Von den über 100 Männern, die in ihrem Postleitzahlengebiet angeblich gut zu ihr passen würden, rührte sich nie einer auf ihre Anfragen. Dafür landeten jede Menge derber Mails („Hi Süße, Lust auf ...“) in ihrem Postfach und irgendwann eine Rechnung über 240 Euro für ein halbjähriges Abo, das sie nicht wollte. Doch die Online-Börse drohte mit Inkasso und Klagen, Petra meldete sich ab und zahlte. Einen Anwalt hat sie, wie viele andere, nicht eingeschaltet. „Da es um Beträge zwischen 100 und 300 Euro geht, denken die meisten, es lohne sich nicht, dagegen vorzugehen“, erzählt Rechtsanwalt Christian Solmecke. Trotzdem meldet sich bei dem Internet-Experten aus Köln fast täglich ein neuer Geschädigter.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Der Dating-Test Mit dem Smartphone den perfekten Partner finden

Ein bisschen Spaß für eine Nacht oder die Liebe fürs ganze Leben? Dating-Apps erleichtern die Paarung, auch wenn manche ein wenig nerven. Wir haben es ausprobiert. Mehr Von Marius Gerads

14.05.2015, 14:59 Uhr | Finanzen
Belgien Einmal Weltkulturerbe mit Mayo, bitte!

Während der derzeit in Belgien laufenden "Nationalen Fritten-Woche" werden Kunden an Pommesbuden aufgefordert, sich in Petitionen für die Erhebung ihres geliebten Gerichts zum UNESCO-Weltkulturerbe stark zu machen. Mehr

05.12.2014, 22:27 Uhr | Feuilleton
Manipulationen am Devisenmarkt Neue Milliardenstrafe für Großbanken

Der Skandal um die Manipulation von Devisenkursen kommt zahlreiche Großbanken abermals teuer zu stehen. Sechs Geldhäuser müssen insgesamt knapp sechs Milliarden Dollar zahlen. Mehr

20.05.2015, 16:47 Uhr | Wirtschaft
Philippinen Kunst trifft Kaffee

In einem Café in Manila können sich Kunden Bilder aus dem Schaum ihres Heißgetränks wünschen. Dieser kreative Service ist ein kostenloses Extra - einziger Wermutstropfen: Mit dem Getränk verschwindet auch die Kunst. Mehr

10.04.2015, 15:15 Uhr | Gesellschaft
Renditeerwartung Hochvermögende sind bescheidener geworden

Laut Umfragen unter Family Offices investieren deren sehr reiche Kunden vor allem in vertraute Branchen. An erster Stelle steht für sie der Erhalt ihres Kapitals. Das sah vor fünf Jahren noch anders aus. Mehr Von Thomas Klemm

15.05.2015, 08:26 Uhr | Finanzen
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 30.06.2013, 10:39 Uhr


Aktienkurse
Name Kurs Änderung
  Nasdaq 100 --  --
  Facebook --  --
  Google --  --
  Apple --  --
  Zynga --  --

Gegen den Faustkampf

Von Joachim Jahn, Berlin

Im aktuellen Streik-Wirwarr wird eines immer wieder vergessen: Eine Arbeitsniederlegung darf nur das äußerste Mittel sein, weil sie schließlich ein massenhafter – wenngleich legaler – Bruch des Arbeitsvertrags ist. Mehr 11 9


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --