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Online-Dating Der Schmu mit den Singlebörsen

 ·  Geld weg, Daten weg, Herz verloren: Elitepartner, Parship & Co. ziehen windige Geschäftemacher und krankhaft amouröse Witzbolde an.

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© Istockphoto Vergrößern Gerade mal zwei Prozent aller Paare haben sich über Singlebörsen kennengelernt

Es gab einmal ein großes Versprechen gegen die Einsamkeit. Es kam von den Single-Börsen im Internet. Mit ein bisschen Glück und ein paar Klicks, so schürten sie die Hoffnungen vieler, zappelt ganz leicht der richtige Partner im Netz. Nichts erschien einfacher als der lockere Chat am PC, nichts unverfänglicher und aussichtsreicher: Wo sonst ist die Auswahl an Prinzen/Prinzessinnen so groß wie im WorldWideWeb?

Doch zwölf Jahre nach dem Start des ersten großen Dating-Portals, Parship mit Namen, kehrt in Deutschland Ernüchterung ein. Die Börsen entpuppen sich zunehmend als Anziehungspunkt für unseriöse Geschäftemacher, Aufschneider, Lügner und krankhaft amouröse Witzbolde. Von Flensburg bis Passau beschäftigen sich Anwälte und Gerichte mit dem Herzschmerz-Schmu. Meist geht es um unberechtigte Forderungen gegenüber den Kunden und um Tricks im Fall von Kündigungen. „Die Betreiber versuchen mit allen Mitteln, so viel Geld wie möglich aus ihren Kunden herauszuquetschen“, wettert der Berliner Anwalt Thomas Hollweck, der sich auf Verbraucher-Nepp im Internet spezialisiert hat. Geld weg, persönliche Daten weg - und Herz verloren. Viele Singles, die in ihrer Not die Anwälte aufsuchen, fühlen sich betrogen, in ihren Hoffnungen getäuscht. Petra ist so ein Fall. Die Bürokauffrau ist 46 Jahre alt, seit vier Jahren geschieden, seither alleinerziehend. Und einsam. Bisweilen verzweifelt. Natürlich sucht sie - wie die meisten Singles - nach der neuen Liebe ihres Lebens.

Die amouröse Kraft des Online-Dating wird überschätzt

Nur wo finden? Im Büro, in der Kneipe, im Sportverein? Petra hat zwei Kinder im Grundschulalter. „Ich ziehe abends nicht los, mal gucken, was sich so ergibt.“ Sie geht in ein Frauen-Fitness-Center und arbeitet seit zehn Jahren in der gleichen Behörde. Weit und breit kein Date in Sicht. Also hockt sie sich vor den PC, surft durch die virtuelle Flirt-Welt: Elitepartner, Partnersuche.de, Parship, Friendscout24, neu.de, in-ist-drin.de Dating Cafe, neu-flirt.net, Kiss-No-Frog und wie sie alle heißen. „Ist ja nichts Anrüchiges dabei“, sagt Petra. Wohl wahr, Online-Dating ist salonfähig, namhafte Investoren sind in das Geschäft eingestiegen, schalten zu bester Sendezeit (und höchsten Tarifen) TV-Werbespots: Hinter Elitepartner steht der Burda-Konzern, hinter Parship und Kiss-no-Frog der Holtzbrinck Verlag.

Bei eDarling mischen die Samwer-Brüder mit (wie bei Zalando und Dutzenden anderer Online-Shops), Friendscout24 gehört gar der Deutschen Telekom. Längst kennt jeder Paare, die sich über das Internet kennengelernt haben, angeblich schnuppern sieben Millionen User in die Dienste rein. Allerdings wird die amouröse Kraft des Online-Dating maßlos überschätzt. Nach einer repräsentativen Allensbach-Studie vom Anfang des Jahres lernen sich 27 Prozent aller Paare im Freundeskreis kennen, 16 Prozent in einer Kneipe, 11 Prozent im Büro und gerade mal zwei Prozent über Single-Portale.

Auch Petra musste lernen, dass ihr abendliches Surfen wenig bringt. Von den über 100 Männern, die in ihrem Postleitzahlengebiet angeblich gut zu ihr passen würden, rührte sich nie einer auf ihre Anfragen. Dafür landeten jede Menge derber Mails („Hi Süße, Lust auf ...“) in ihrem Postfach und irgendwann eine Rechnung über 240 Euro für ein halbjähriges Abo, das sie nicht wollte. Doch die Online-Börse drohte mit Inkasso und Klagen, Petra meldete sich ab und zahlte. Einen Anwalt hat sie, wie viele andere, nicht eingeschaltet. „Da es um Beträge zwischen 100 und 300 Euro geht, denken die meisten, es lohne sich nicht, dagegen vorzugehen“, erzählt Rechtsanwalt Christian Solmecke. Trotzdem meldet sich bei dem Internet-Experten aus Köln fast täglich ein neuer Geschädigter.

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30.06.2013, 10:39 Uhr

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