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Online-Briefe Die Post im Internet

09.07.2010 ·  Die Post bringt den Brief ins Internet. Zwanzig Jahre nach der Erfindung der E-Mail lockt sie mit dem Versprechen, das Beste aus beiden Welten zusammenzuführen: Schnell wie eine E-Mail soll ihr digitaler Brief sein, gleichzeitig aber ebenso verbindlich wie ein Schreiben, das der Zusteller nach Hause bringt. Ob das Erfolg hat?

Von Helmut Bünder
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Die Post bringt den Brief ins Internet, und viele möchten sofort dabei sein, wenn in der kommenden Woche ein neues Zeitalter der elektronischen Kommunikation beginnt. Großkunden wie Banken, Versicherungen oder der ADAC wollen Porto sparen, die hessische Lottogesellschaft setzt auf den elektronischen Vertrieb ihrer Tippscheine, der Softwarekonzern SAP auf gute Geschäfte mit der Technik für digitale Briefportale. Zwanzig Jahre nach der Erfindung der E-Mail lockt die Post mit dem Versprechen, das Beste aus beiden Welten zusammenzuführen: Schnell und bequem wie eine E-Mail soll ihr digitaler Brief sein, gleichzeitig aber ebenso verbindlich und sicher wie ein Schreiben, das der Zusteller nach Hause bringt.

Die Post als Internet-Avantgardist – mit diesem Anspruch kommt der gelbe Riese der Deutschen Telekom mächtig in die Quere. Eigentlich hatten die beiden ehemaligen Staatskonzerne an einem Strang ziehen sollen, um ein noch von der schwarz-roten Bundesregierung gestartetes Projekt in Gang zu bringen: eine sichere elektronische Kommunikation zwischen Bürgern und Verwaltung, die den Bürgern Behördengänge erspart und den Personalaufwand in den Ämtern reduziert. Doch ein vom Bundesinnenministerium angestoßenes Konsortium aus Telekom, Post und United Internet zerbrach an dem unüberwindlichen Interessenkonflikt des Dreierbündnisses. Für die Telekom und die Internetdienste geht es um hübsche Zusatzeinnahmen, für die Post hingegen um die Zukunft ihres Kerngeschäfts.

Der Rückgang des Briefaufkommens hat schon tiefe Löcher in die Bilanz gerissen. Trug die Sparte vor wenigen Jahren noch regelmäßig zwei Milliarden Euro zum Gesamtgewinn bei, dürften es in diesem Jahr allenfalls 1,2 Milliarden Euro sein.

Sichere Authentifizierung von Absender und Empfänger

Mit dem Online-Brief könnte sich der Niedergang des klassischen Briefes sogar beschleunigen – mit dem Unterschied jedoch, dass die Post erstmals an der elektronischen Substitution verdienen wird, statt dem Vormarsch von E-Mail und SMS tatenlos zuzuschauen. Dennoch wird sie den Ertragsrückgang allenfalls bremsen können.

Margen wie auf dem noch zu 90 Prozent von der Post dominierten Briefmarkt sind im Internet nicht zu erwarten. Dafür werden schon die Telekom und United Internet sorgen, die spätestens 2011 mit ihrem Konkurrenzangebot nachziehen wollen. Um sich den Startvorteil zu sichern, geht die Post in die Offensive, ohne das „DE-Mail-Gesetz“ abzuwarten. Bis Ende des Jahres soll es die rechtlichen Voraussetzungen für die verbindliche elektronische Kommunikation präzisieren.

Für die Vermarktung des E-Postbriefes ist das kein großes Hindernis. Die sichere Authentifizierung von Absender und Empfänger und die Verschlüsselung der Daten genügen, um viele neue Anwendungen zu ermöglichen, die sich aus Sicherheitsgründen im Internet bisher verbieten. Versicherungspolicen, Bankunterlagen, Gehaltsabrechnungen oder sensible Gesundheitsdaten könnten elektronisch versendet, private Verträge digital abgeschlossen werden, verspricht die Post. Neue Geschäftsmöglichkeiten eröffnen elektronische Archivierungssysteme oder Bezahlsysteme im Internet, die sich die eindeutige Nutzeridentifizierung zunutze machen.

Verbraucher müssen sich bei der Post registrieren

Der Erfolg steht und fällt aus Sicht von Unternehmen und Behörden damit, dass möglichst viele private Verbraucher mitmachen. Denn jeder Haushalt ohne elektronischen Briefkasten muss auf der „letzten Meile“ weiterhin konventionell versorgt werden. Digital aufgegebene Schriftstücke müssen als Hybridbrief ausgedruckt, kuvertiert und physisch zugestellt werden. Umgekehrt gilt das auch für die Antwortschreiben der Kunden: Um den Medienbruch zu vermeiden und die elektronische Weiterbearbeitung in den Unternehmen oder Behörden zu ermöglichen, müssen sie auf dem Rückweg digitalisiert werden. Das lässt den Kostenvorteil erheblich zusammenschrumpfen.

Schätzungen zufolge wird sich der Preis für die durchgängig digitale Zustellung in der Größenordnung von 15 bis 20 Cent bewegen, das Porto für den Hybridbrief dagegen in der Nähe der 55 Cent, die für einen Standardbrief der Post fällig werden. Die Großkunden der Post werden deshalb alles daransetzen, damit ihre vielen Millionen eigenen Kunden und Mitglieder sich möglichst rasch für den E-Postbrief anmelden. Immerhin lassen sich mit den Einsparungen allerlei Belohnungen und Anreize für den Weg in die Postfilialen finanzieren.

Der Konzern selbst will ebenfalls kräftig die Werbetrommel rühren, um den neuen Service bekannt zu machen. Als späte Trittbrettfahrer könnten davon auch die Telekom und United Internet profitieren. Doch viele Verbraucher werden sich wohl erst einmal bei der Post registrieren. Und sie dürften nicht ohne weiteres einsehen, warum sie die gleiche Prozedur noch einmal bei einem anderen Anbieter durchlaufen und zwei parallele Postfächer für den digitalen Brief einrichten sollen. Im Moment also hat die Post die Nase vorn. Ihr Startvorteil allerdings kann auch schnell wieder dahin sein. Entscheiden wird der Preis. Die Verbraucher können sich freuen. Der Wettbewerb zwischen den beiden früheren Staatskonzernen wird den neuen Markt in Bewegung halten.

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