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Ohne Google & Co. Das Elend der europäischen Suchmaschinen

 ·  Wegen der jüngsten Datenskandale in den Vereinigten Staaten wird der Ruf nach einer eigenen europäischen Internettechnik lauter. Genau das ging schon einmal schief.

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Es war sein erster großer Auftrag, und Stefan Groschupf hämmerte Tag und Nacht auf der Computertastatur. Er sollte ein Programm für die digitale Katalogisierung einer der ältesten Büchersammlungen des Landes schreiben. Er war jung, dynamisch und das, was man heute einen Nerd nennt - verliebt in seinen Computer. Das war Anfang der neunziger Jahre. Mit 13 Jahren hatte er seinen ersten Rechner bekommen, mit 14 seine erste Software geschrieben, mit 15 sich per Modem erstmals in eine Mailbox eingewählt. Nun stand er mit 19 im Katalograum der Universitäts- und Landesbibliothek in Halle an der Saale.

Eine Wand voller kleiner Kartons mit Bündeln von Karteikarten, geordnet nach Buchtiteln und Autoren. Eine Suchmaschine alter Schule. Groschupf sollte sie ins Zeitalter der Bits und Bytes bringen. Er galt als Spezialist für Algorithmen. Das Internet war für viele noch nicht mehr als eine Spinnerei; für Groschupf war es eine Chance. Als es den Markt für Internetsuche quasi noch nicht gab, baute er für die hallesche Bibliothek eine erste netzbasierte Suchmaschine, machte daraus ein Geschäftsmodell und gründete ein Unternehmen.

Heute steht es im kalifornischen Silicon Valley und heißt Datameer. Groschupf hat kapitalkräftige Geldgeber hinter und viel Arbeit vor sich, und in der alten Heimat diskutieren sie wieder die Errichtung einer eigenen europäischen Suchmaschine. Werden doch vor dem Hintergrund der jüngsten Datenskandale um die Überwachungsprogramme amerikanischer Geheimdienste die Rufe nach einer eigenen europäischen Internet- und Kommunikationstechnik lauter.

Datenschützer wie Thilo Weichert raten, keine Dienste von Firmen aus Übersee zu nutzen. Politiker wie Dieter Wiefelspütz von der SPD oder Hans-Peter Uhl von der CSU sprechen von der Entwicklung technischer Alternativen. Eine Suchmaschine für das Internet, wie sie die amerikanischen Konzerne Google, Microsoft oder Yahoo seit Jahren haben, steht wieder ganz oben auf der Agenda. Die Chinesen haben die Suchmaschine Baidu. Die Russen haben Yandex. In Europas Politik werden trotz eines groß angekündigten, mit viel Staatsgeld finanzierten und dann groß gescheiterten Vorhabens die Rufe nach einem Äquivalent lauter.

Ganz neu sei das ja nun alles nicht, erklärt Groschupf via E-Mail. In Berlin wurde schon Mitte der neunziger Jahre mit Fireball eine der ersten großen deutschen Suchmaschinen entwickelt, sagt Stefan Wess von der deutschen IT-Firma Empolis. Suchmaschinen wie Archie, Lycos und Yahoo waren schon da; Google kam noch, koppelte Ende der neunziger Jahre die Suche im Internet an den Werbemarkt, schuf ein ertragreiches Geschäftsmodell und schwang sich mit seiner minimalistischen Nutzeroberfläche binnen Monaten zum Marktführer auf. Die Europäer standen außen vor. Das sollte sich ändern. So wie Europa mit milliardenschweren Subventionen das Navigationssystem Galileo aufbauen wollte, so wie es Milliarden Euro an Steuergeldern in Reaktoren zur Kernfusion steckte, so wollte es auch bei der Internetsuche präsent sein.

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19.06.2013, 06:20 Uhr

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