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Ökonom Axel Ockenfels im Gespräch : „Ich nutze die Möglichkeiten, die das Internet bietet“

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Der Internetökonom: Axel Ockenfels Bild: Kaufhold, Marcus

Der Ökonom Axel Ockenfels erforscht das Internet. Ihn beunruhigt die Datensammelwut der Konzerne. Die Wirtschaftstheorie hilft, zu verstehen, was wir tun müssen.

          Herr Ockenfels, in Ihren Studien beschäftigen Sie sich mit datenhungrigen Internetunternehmen wie Ebay. Wie nutzen Sie selbst das Internet?

          Ich vermute, dass nichts, was ich meinem Computer und Handy anvertraue, hundertprozentig davor geschützt ist, ausgewertet und weiterverbreitet zu werden. Darum bin ich vorsichtig. Trotzdem nutze ich viele Möglichkeiten, die das Netz bietet: Ich arbeite mit Wissenschaftlern in der ganzen Welt, ich nutze Online-Banking und kaufe im Internet ein.

          Beunruhigt Sie, dass Konzerne immense Datenmengen anhäufen und auswerten können?

          Ja, es ist schon beunruhigend, wenn ich mir vorstelle, dass das Internet weiß, dass wir gerade hier sitzen und uns unterhalten. Manchmal kann es sogar unsere Gedanken erraten, und manchmal leitet es uns in die falsche Richtung. Es gibt eine große Verunsicherung und viel Spekulationen, weil niemand genau weiß, wohin sich die positiven und negativen Aspekte der immensen Datenverfügbarkeit entwickeln.

          Ist die Spieltheorie, mit der auch Sie sich beschäftigen, das Instrument, mit dem Konzerne das Verhalten von Menschen durchleuchten – oder sogar steuern?

          Die Spieltheorie ist wichtig, weil sie uns hilft, den allgegenwärtigen Einfluss von Spielregeln auf menschliches Verhalten zu verstehen, übrigens in enger Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen wie zum Beispiel der Psychologie. Spielregeln sind Gesetze, Regeln, Prozesse, Normen und so weiter, die das Zusammenspiel menschlicher Aktivitäten organisieren. Spielregeln – oder die Abwesenheit von Spielregeln – beeinflussen Verhalten, weil sie Anreize erzeugen und Menschen auf Anreize reagieren. Dies gilt immer und überall innerhalb und außerhalb des Internets, und egal ob es Spieltheorie gibt oder nicht. Die Spieltheorie erlaubt aber konzeptionelle Einsichten über Fehlanreize und Verbesserungen bei den Anreizsystemen.

          Was heißt das konkret?

          Eine typische Anwendung der Spieltheorie im Internet ist der Einsatz nobelpreisprämierter Auktionsregeln, wie sie etwa bei Ebay zu finden sind, um weltweit effizientes Bieten zu ermöglichen. Anwendungen außerhalb des Internets beschäftigen sich beispielsweise damit, welches Marktdesign elektronische Handelsalgorithmen zügelt, wie Manager entlohnt werden sollten, um exzessives Verhalten zu vermeiden, oder wie internationale Klimaschutzverhandlungen erfolgreicher geführt werden können.

          Die Spieltheorie hat also keine aggressive Natur, die sich auch gegen uns wenden könnte?

          Die Spieltheorie ist meines Erachtens Teil der Lösung und nicht Teil des Problems in der Internetwelt. Eine aggressive Natur vermag ich nicht zu erkennen. Im Gegenteil: Die Spieltheorie ist die Wissenschaft der Kooperation schlechthin; der ganz überwiegende Teil der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung zu sozialem Verhalten stützt sich auf spieltheoretische Überlegungen. Dazu gehören auch Forschungen zu Vertrauen, Kooperation und Konfliktmanagement im Internet, mit denen wir uns derzeit in Köln beschäftigen. Zugleich bedienen sich auch Wettbewerbsbehörden und Regulierer der Spieltheorie, um das Zusammenspiel der Internetakteure besser zu verstehen, und die Internetkonzerne bestmöglich zu regulieren. Dies zeigt, dass die Erkenntnisse der Spieltheorie dazu beitragen können, dass die Internetwelt besser wird.

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