23.09.2008 · Textnachrichten per Telefon sind ein Riesengeschäft: Im vergangenen Jahr verschickten die Verbraucher in der EU 2,5 Milliarden SMS - zum Preis von 800 Millionen Euro. Nach dem Willen der Politik soll das Simsen im Ausland künftig drastisch billiger werden.
Das Versenden von SMS im europäischen Ausland soll im kommenden Jahr rund 60 Prozent billiger werden. Die EU-Kommission schlug am Dienstag in Brüssel vor, zum 1. Juli 2009 eine Preisgrenze von elf Cent einzuführen. Zuzüglich Mehrwertsteuer dürften deutschen Handy-Nutzern dann höchstens 13,09 Cent je SMS berechnet werden. Derzeit verlangen die deutschen Anbieter für Auslands-SMS 24 bis 41 Cent inklusive Mehrwertsteuer. Die vorgeschlagene Preisgrenze bedarf der Zustimmung des Europaparlaments und einer Mehrheit der EU-Regierungen.
„Der Verbraucher sollte für die Nutzung seines Handys im EU-Ausland nicht ohne Grund mehr zahlen als zu Hause“, erklärte EU-Telekommunikationskommissarin Viviane Reding am Dienstag in Brüssel. Auch der Datenempfang per Mobiltelefon soll deutlich günstiger werden. Die EU hatte die Telekom-Firmen bereits im vergangenen Jahr zu einer kräftigen Preissenkung von Handy-Gesprächen im Ausland gezwungen. Für Anrufe aus einem anderen EU-Land müssen die Europäer derzeit noch 46 Cent je Minute (ohne Mehrwertsteuer) bezahlen im Vergleich zu durchschnittlich 1,10 Euro vor der Verordnung. Die EU-Kommission schlägt vor, die Preisgrenze bis Juli 2012 auf 34 Cent weiter zu senken.
Preisgrenze auch für Datentarife angestrebt
Zugleich sollte der Abrechnungstakt auf ein Intervall von 30 Sekunden verkürzt werden. Die meisten Anbieter rechnen heute im Minutentakt ab. Die Preisgrenze für die Annahme eines Handy-Gesprächs im EU-Ausland will Reding auf 10 Cent netto pro Minute senken. Gegenwärtig dürfen für die Annahme maximal 22 Cent netto berechnet werden. Nach der EU-Roaming-Verordnung müssen diese Obergrenzen zum 30. August 2009 um je 3 Cent gesenkt werden. Reding will die Geltungsdauer der Verordnung nun verlängern und weitere Preissenkungen bis 2012 vorschreiben.
Eine Grenze setzt die EU auch bei den Tarifen für das Herunterladen von Daten mit dem Handy im Ausland. Untereinander dürfen die Mobilfunkfirmen pro Megabyte künftig nur noch einen Euro berechnen, womit die Preise für die Verbraucher sinken können. Diese liegen derzeit noch zwischen fünf und zehn Euro.
Fernsehsendung für 40.000 Euro heruntergeladen
Zudem sind die Kunden oft nicht über die hohen Auslandskosten informiert, so dass ihnen nach dem Urlaub mit Erhalt der Rechnung böse Überraschungen drohen. So leistete sich nach einem Beispiel der Kommission ein Urlauber mit dem Herunterladen einer TV-Sendung ein teures Vergnügen. Die Rechnung belief sich auf 40.000 Euro. Die EU will deshalb ab 2010 die Regel einführen, dass ein Kunde im Voraus festlegen kann, ab welchem Betrag die Dienstleistung automatisch abgebrochen wird.
Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso erklärte, dank der niedrigeren Preise würde das Aufkommen an SMS und Datentransfers in Zukunft stark zunehmen. Die Gebührensenkung sei deshalb nicht nur für die Verbraucher, sondern auch für die Unternehmen ein Vorteil. Nach Daten der Vereinigung der Mobilfunkbetreiber haben die Europäer seit der Tarifsenkung 2007 auch tatsächlich elf Prozent mehr telefoniert. Doch der Umsatz fiel gleichzeitig um 26 Prozent.
Die Branche kritisiert den neuen Vorschlag aus Brüssel daher auch. „Die politisch motivierte Regulierung wird damit fortgesetzt“, erklärte Verbandssprecher Tom Phillips.
Die EU-Kommission will für die Nutzung von Mobiltelefonen im europäischen Ausland weitere drastische Preissenkungen durchsetzen. Die vorgeschlagene Verordnung, die vom Europäischen Parlament und den 27 Mitgliedsstaaten beschlossen werden muss, sieht Folgendes vor:
MOBILTELEFONATE: Die 2007 eingeführte Preisgrenze soll bis 1. Juli 2012 weiter abgesenkt werden. Dann sollen ausgehende Telefonate netto nicht mehr als 34 Cent je Minute kosten, für ankommende Gespräche dürfen maximal zehn Cent berechnet werden. Derzeit liegt der zulässige Höchstpreis bei 46 Cent für abgehende und bei 22 Cent für ankommende Handy-Telefonate.
TEXTNACHRICHTEN: Im vergangenen Jahr verschickten die Verbraucher in der EU 2,5 Milliarden SMS und bezahlten dafür 800 Millionen Euro. Der Preis soll ab dem 1. Juli 2009 im Schnitt um 60 Prozent sinken auf maximal elf Cent je SMS. Am teuersten sind SMS derzeit für belgische Handy-Kunden, die im EU-Ausland bis zu 75 Cent je Nachricht berappen müssen. Ein deutscher Urlauber in Spanien zahlt zum Beispiel 32 Cent.
DATENROAMING: Hier will die EU ab Juli nicht den Preis für den Endkunden begrenzen, sondern den Großhandelspreis. Ein Telekom-Anbieter darf für das Vermitteln von Datentransfers in ein Mobilfunknetz im Ausland maximal einen Euro pro Megabyte in Rechnung stellen. Derzeit liegt dieser Preis bei drei bis vier Euro. Der Verbraucher zahlt zwischen fünf und zehn Euro.
SEKUNDENGENAUE ABRECHNUNG: Nach Daten der EU zahlen die Kunden derzeit 24 Prozent zu viel, weil die Telekom-Firmen jede angebrochene Minute komplett abrechnen. Gespräche, die länger als eine halbe Minute dauern, sollen in Zukunft sekundengenau
abgerechnet werden. Bei ankommenden Anrufen läuft die sekundengenaue Stoppuhr von Anfang an.
TARIFINFORMATION: Die Gebühren für Datentransfers im Ausland sollen dem Kunden automatisch per SMS mitgeteilt werden. Um böse Überraschungen bei der Abrechnung zu vermeiden, soll der Handy-Nutzer ab Sommer 2010 im Voraus einen Betrag festlegen können, bei dessen Überschreiten die Datenübertragung abgebrochen wird.
Das wurde ja auch Zeit!
Ingo Roessler (iroessler)
- 23.09.2008, 17:39 Uhr
Und Inlands-SMS?
Alexander Heß (proj.aurora)
- 23.09.2008, 17:46 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.386,72 | +0,72% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2526 | −0,12% |
| Rohöl Brent Crude | 106,92 $ | −0,32% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
Anonym bewerben? Ist das gut?